Ölpreis auf Talfahrt Die wichtigsten Player im Ölpreis-Poker

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Der Ölpreis hatte bereits eine Rallye über viele Monate hingelegt, als er vor wenigen Wochen plötzlich einbrach. Seither ist der Preis um gut 30 Prozent gefallen, und es stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Die Blicke gehen dabei vor allem in Richtung der Opec-Staaten, die sich kommende Woche in Wien treffen, und die dort eine Produktionseinschränkung beschließen könnten, um das Überangebot am Ölmarkt in den Griff zu bekommen. Doch werden sie das tatsächlich tun? Wer verfolgt am Ölmarkt eigentlich welche Interessen? Und welches sind die Gewinner und Verlierer der aktuellen Ölpreis-Talfahrt?

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Grundsätzlich sind die Rollen klar verteilt: Wer Öl verkauft, freut sich über einen hohen Preis, und wer es erwirbt, über einen niedrigen. Leidtragende des Preisrutsches sind daher vor allem die Ölförderländer, deren Ranking im vergangenen Jahr - bemerkenswerterweise - die USA anführten, mit einer Produktionsrate von laut US-Energiebehörde 15,6 Millionen Barrel pro Tag. Es folgten: Saudi-Arabien (12,1 Millionen Barrel pro Tag), Russland (11,2 Millionen Barrel), Kanada (rund fünf Millionen Barrel) sowie China (4,8 Millionen Barrel). Venezuela (im Bild eine Raffinerie der staatlichen Gesellschaft PDVSA) zählte zwar mit etwa 2,1 Millionen Barrel pro Tag 2017 nicht zu den zehn größten Produzenten der Welt. Das Land verfügt aber mit laut BP-Statistik etwa 303 Milliarden Barrel noch vor Saudi-Arabien über die größten Ölreserven der Welt.

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Ebenfalls unter Druck stehen angesichts des sinkenden Ölpreises die großen Ölkonzerne wie BP, Royal Dutch Shell oder Chevron, deren Aktienkurse zum Großteil in den vergangenen Wochen ebenfalls nachgegeben haben.

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Auf der anderen Seite stehen die großen Ölverbraucher und Importeure. Vor allem viele Schwellenländer benötigen für ihre schnell wachsenden Volkswirtschaften viel von dem Rohstoff, der nicht immer im eigenen Lande zu finden ist. Einer Übersicht Bloombergs zufolge ist beispielsweise in Relation zum BIP Südkorea der größte Ölimporteur der Welt (im Bild: der Hafen von Busan), gefolgt von Südafrika, Indien und der Türkei. Jeder Zehn-Dollar-Schritt, um den der Ölpreis nachgibt, so Bloomberg, steigert die Einkommen in diesen Ländern im Schnitt um etwa 0,5 bis 0,7 Prozent des BIP. Zugleich bedeute ein solcher Preisschritt einen Rückgang des BIPs der meisten Golf-Länder um 3 bis 5 Prozent.

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Gemessen in absoluten Zahlen ist allerdings China - zur Erinnerung: bei den Ölproduzenten immerhin auf Platz fünf - im Länderranking der weltgrößte Ölimporteur. Einem Marktüberblick des Ölmultis BP zufolge importierte China 2017 insgesamt 422 Millionen Tonnen Öl aus aller Welt. Ein Beleg dafür, dass das größte Schwellenland über einen gewaltigen Rohstoffhunger verfügt. Der tägliche Ölverbrauch Chinas war 2017 BP zufolge mit 12,8 Millionen Barrel hinter den USA der zweithöchste weltweit, gefolgt von Indien mit weitem Abstand auf Platz drei (rund 4700 Barrel pro Tag).

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In Europa verfügen lediglich Norwegen (hier eine Plattform des Landes) sowie Großbritannien über eine eigene Ölproduktion im nennenswerten Ausmaß. Insgesamt jedoch belegt der Kontinent als Gesamtregion Platz eins des Rankings der größten Ölimporteure der Welt. Europa importierte 2017 mit rund 516 Millionen Tonnen auch mehr Öl als China, wobei der größte Teil des europäischen Öls aus Russland kommt.

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Einer der wichtigsten Player im Ölpreis-Poker ist der zuletzt zweitgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien (hier ein Förderkomplex in Shaybah), der auch erheblichen Einfluss auf das Förderkartell Opec hat. Die Saudis hatten kürzlich bereits signalisiert, dass sie eine Förderkürzung im kommenden Jahr angesichts der aktuellen Preisschwäche für denkbar halten. Kein Wunder: Das Land durchläuft einen Reformprozess und eine wirtschaftliche Umstrukturierung, die beide Geld kosten. Laut VP Bank benötigt das Königreich dringend Ölpreise von 78 Dollar je Barrel, um im Jahr 2019 ein Haushaltsdefizit zu vermeiden. Aktuell steht das Barrel WTI-Öl bei knapp 52 Dollar. CNN zitiert indes Experten von Capital Economics mit der Einschätzung, das Land könne aufgrund seiner Devisenreserven selbst Preise um 30 Dollar je Barrel mindestens zehn Jahre lang ertragen. Für Saudi-Arabien könnte das eine beruhigende Gewissheit sein, denn mit ...

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... Donald Trump (hier mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman) drängt ein mächtiger Verbündeter auf niedrigere Preise. Trump hat sich per Twitter dafür eingesetzt und verkauft den gesunkenen Ölpreis gegenüber seinen Wählern wie eine Steuersenkung. Das ist einerseits nachvollziehbar, sind die USA doch mit zuletzt laut BP-Statistik 19,9 Millionen Barrel pro Tag vor China und Indien der weitaus größte Ölverbraucher der Welt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch in den Vereinigten Staaten eine überaus aktive Ölförderindustrie, die das Land - wie erwähnt - zum größten Ölproduzenten der Welt gemacht hat.

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Insbesondere die Schieferölförderung wird in den Vereinigten Staaten gegenwärtig Berichten zufolge wieder angekurbelt. Die Commerzbank schrieb am Mittwoch, die US-Rohöllagerbestände seien in der letzten Woche laut American Petroleum Institute unerwartet deutlich um 3,5 Millionen Barrel gestiegen. Das deute auf einen überversorgten Markt hin und unterstreiche die Notwendigkeit einer Angebotsreduktion, so die Analysten der Bank (im Bild: eine Ölraffinerie in Richmond, Kalifornien).

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Neben Saudi-Arabien, der Opec und den USA spielt auch Russland als drittgrößter Ölproduzent der Welt und größter nicht im Förderkartell organisierter Player eine wichtige Rolle am Ölmarkt. Präsident Wladimir Putin dürfte bereits Ende dieser Woche beim G20-Treffen in Buenos Aires einige Gespräche zum Thema Ölpreis führen. Auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird zu dem Gipfel in Argentinien erwartet.

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