Global Player der Gründerzeit Die Geschichte der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank will die Postbank eingliedern und so das Geschäft mit deutschen Privatkunden betonen. Ein Zurück zu den Wurzeln? Nicht unbedingt, wie der Blick in die Geschichte des Konzerns zeigt.
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Seit April 2018 amtiert Christian Sewing als Chef der Deutschen Bank. Seitdem hat der Standort Frankfurt wieder klaren Vorrang vor London und New York, die im nächsten Strategieschwenk deutlich schrumpfen müssen. Der Westfale begann schon 1989 eine Banklehre in der Filiale Bielefeld und hat damit trotz seiner erst 48 Jahre rund ein Fünftel der turbulenten Bankgeschichte miterlebt.

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Das Grundkapital im März 1870 wurde noch in preußischen Talern aufgebracht (15 Millionen, entspricht heute 385 Millionen Euro). Ein Global Player war die Deutsche Bank bereits damals. Das Ziel der Gründer war, die Industrie des entstehenden Deutschen Reichs auf den Weltmarkt zu begleiten. "Eine große Bank für den überseeischen Handel, die uns von England unabhängig machen soll", war die Vision des Berliner Bankiers Adelbert Delbrück. Kollege Ludwig Bamberger (Bild) hatte sich zuvor bereits an der Gründung der Banque de Paris et des Pays-Bas (heute BNP Paribas) beteiligt, später rief er als nationalliberaler Politiker die Reichsbank und die Mark als deutsche Einheitswährung ins Leben.

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Die ersten 30 Jahre war Georg von Siemens der führende Direktor. Die Deutsche Bank saß in Berlin zwar abseits des Handelsgeschäfts, gründete aber bald Niederlassungen von London bis Yokohama. Sie finanzierte sich zwar auch über Einlagen, hielt sich aber von der Kreditblase des schnell wachsenden deutschen Immobilienmarkts fern. Stattdessen begleitete sie die internationale Expansion von Krupp, Siemens, AEG, Bayer und BASF. Später kamen etwa die Fusion von Daimler und Benz oder die Lufthansa mit Hilfe der Deutschen Bank zustande.

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Prestigeträchtiges Symbol der weltweiten Ambition wurde die Bagdadbahn. Das Osmanische Reich erteilte 1888 einem deutschen Industriekonsortium unter Führung der Deutschen Bank den Auftrag zum Bau, der allerdings erst 1940 fertig wurde - als der Sultan und Georg von Siemens längst nicht mehr am Steuer waren.

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Nachdem sie bereits mit der Übernahme mehrerer lokaler Banken ein Filialnetz aufgebaut hatte, wurde die Deutsche Bank zu Beginn der Weltwirtschaftskrise endgültig zur Nummer eins im Land: 1929 wurde die Fusion mit der Wettbewerberin Disconto-Gesellschaft beschlossen. Zwei Jahre darauf kamen noch mehrere kleine Banken hinzu, während die nächstgrößeren Rivalen Danat-, Dresdner und Commerzbank zeitweise vom Staat aufgefangen werden mussten - ein Szenario, das sich 75 Jahre später wiederholen sollte.

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Trotz anfänglicher Distanz wurde die Bank zu einer der wichtigsten Stützen des Nazi-Regimes. Einen Kriegsverbrecherprozess gegen den Deutsche-Bank-Vorstand sagten die Alliierten zwar ab, verfügten jedoch im Westen die Zerschlagung in zehn regionale Banken, im Osten die Enteignung. Den Neuaufbau in Frankfurt ab den 50er Jahren verkörpert Hermann Josef Abs (Bild von 1991), der für die Nazis Kriegsanleihen im Ausland vermarktet und im Bankvorstand die Arisierung von Unternehmen verantwortet hatte. Als Finanzberater von Bundeskanzler Konrad Adenauer und erster Direktor der staatlichen Förderbank KfW gelang ihm die Rehabilitierung.

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Erst das "Wirtschaftswunder" der Nachkriegszeit machte das breite Privatkundengeschäft attraktiv. Ab 1959 vergab die Deutsche Bank auch Kleinkredite an Verbraucher und betrieb Werbung.

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Die Wahl von Frankfurt am Main als Hauptsitz trug wesentlich dazu bei, den dortigen Finanzplatz zu entwickeln. Im Wesen blieb die Deutsche Bank bis in die 80er Jahre die Schaltzentrale der Deutschland AG, die über direkte Industriebeteiligungen wie Daimler-Benz und persönliche Bindungen zu prominenten Unternehmern wie Friedrich Flick funktionierte.

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Trotz ihrer Ursprünge im Aktien- und Anleihengeschäft wandte sich die Deutsche Bank erst mit der Übernahme der britischen Investmentbank Morgan Grenfell 1989 so richtig der angelsächsischen Börsenwelt zu. London stieg in den folgenden Jahrzehnten zum führenden Standort auf.

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1998 wurde vom damaligen Bankchef Rolf Breuer die Übernahme der US-Bank Bankers Trust mit deren Chef Frank Newman besiegelt. Damit wurde "Deutsche" auch zu einem der wichtigen Player an der Wall Street.

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Mit Bankers Trust übernahm die Deutsche Bank deren Zentrale direkt neben dem früheren World Trade Center. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde das Gebäude so schwer beschädigt (im Foto von 2005 schwarz verhängt), dass der Abriss sich bis 2011 hinzog.

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Eine erste sichtbare Distanzierung vom lahmen deutschen Kundengeschäft lieferte die Episode "Deutsche Bank24". Nach der Gründung einer Direktbank namens "Bank 24" wurde das gesamte Filialnetz 1999 umgeflaggt, das auch die Massenkunden der Dresdner Bank nach einer Fusion übernehmen sollte. Bei der richtigen Deutschen Bank waren fortan nur noch vermögende Kunden ab einem Privatvermögen von willkommen. Der Plan geriet jedoch zum PR-Debakel, die Dresdner ging stattdessen zunächst an die Allianz und später die Commerzbank. Ab 2002 hießen auch die Filialen wieder "Deutsche Bank".

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In dieser Zeit rückte der von der Schweizer UBS gekommene Josef Ackermann, der bereits die Integration von Bankers Trust verantwortete, zum führenden Kopf der Bank auf. Ihm werden der wachsende Einfluss der Investmentbanker und ehrgeiziges Wachstum mit dem Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite zugeschrieben - und damit auch die Verantwortung für milliardenschwere Fehlspekulationen, die der Bank in der Finanzkrise entweder direkt oder über Geldbußen und zähe Rechtsstreitigkeiten in den Folgejahren auf die Füße fielen.

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Zugleich betätigte sich Ackermann als Krisenmanager, der wiederholt im Kanzleramt vorsprach, nach Athen jettete oder die Bedingungen zur Rettung der IKB als erstem deutschen Krisenopfer festlegte. Sein öffentlich bekundeter Stolz, keine direkte Staatshilfe angenommen zu haben, wurde kontrovers aufgenommen.

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Ackermann sorgte zugleich aber auch dafür, das deutsche Privatkundengeschäft breiter aufzustellen - nicht nur mit dem während der Krise beschleunigten Kauf der Postbank mit rund 15 Millionen Kunden. Schon vorher hatte sich die Deutsche Bank beispielsweise um die Berliner oder die Norisbank verstärkt. Das Konzept der Universalbank, wie es auch JPMorgan Chase oder HSBC pflegen, verspricht dank der Kundeneinlagen mehr Stabilität als das renditeträchtigere, doch riskantere reine Investmentbanking.

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Am anderen Ende der Kundenskala kam die Deutsche Bank 2009 in den Besitz der Kölner Sal. Oppenheim - bis dahin die größte und traditionsreichste Privatbank Europas.

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Josef Ackermann übergab 2012 an das Chefduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Der von den beiden beschworene "Kulturwandel" blieb jedoch in internen Kulturkämpfen stecken. Die Bank baute zwar Risiken ab, kam angesichts der gewaltigen Folgeschäden der Krise aber nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Zuletzt rangen sie sich noch zur "Strategie 2020" durch, das Investmentbanking abzuspecken und in verschiedene weniger mächtige Sparten aufzuteilen, zugleich aber die Postbank zu verkaufen.

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Auch unter dem von 2015 bis 2018 amtierenden Bankchef John Cryan überwiegen die Aufräumarbeiten - allerdings mit etwas mehr Zugkraft. Seit März 2017 gilt eine neue Drei-Säulen-Strategie, mit um die Postbank verstärktem Privatkundengeschäft, globalem Investmentbanking und der Vermögensverwaltung, die an die Börse gebracht wurde. Unter Cryan wurden viele Altlasten wie Rechtsstreitigkeiten bewältigt, aber für viel Geld. Dreimal in Folge lieferte der Brite rote Zahlen und musste dann gehen.

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