Deutschland in der Einzelkritik Kroos' Country

Marco Reus dürfte seinen WM-Stammplatz ab sofort sicher haben. Antonio Rüdiger ist kein Hummels-Ersatz. Und Toni Kroos absolvierte beim 2:1-Sieg gegen Schweden eine Achterbahnfahrt. Das deutsche Team in der Einzelkritik.
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Manuel Neuer, Tor: So lange hatte Joachim Löw auf seinen Torwart und Kapitän gewartet. Dass er wieder fit wurde, sollte der letzte Baustein sein, dieses Team durchs Turnier zu tragen. Neuer hat seine Leistung gezeigt, aber die Magie von 2014 blieb diesmal bisher aus. In Brasilien hat er die Gegner entnervt, jetzt hat er nur gehalten, was zu halten war. Immerhin.

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Joshua Kimmich, Abwehr: Zeigte sich bekannt offensivstark, ließ sich von der herben Kritik nach dem Mexikospiel nicht irritieren. Kimmich ist ständig anspielbar, er bekommt auch häufig den Ball, seine scharfen Flanken sind gefährlich, aber ein Defensivspieler ist er immer noch nicht geworden.

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Jérôme Boateng, Abwehr: Der Abwehr-Routinier hatte das Gefühl, alles machen zu müssen. Verteidigen. Zweikämpfe, das Spiel aufbauen, und dann wollte er sogar noch ein Tor schießen. Damit ist dann sogar ein Jérôme Boateng überfordert. Hatte früh Glück, dass der Schiedsrichter einen Schubser von ihm als nicht elfmeterwürdig erachtete. Das Glück ließ ihn dann später im Stich. Nach 80 Minuten musste er mit Gelb-Rot vom Feld.

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Antonio Rüdiger, Abwehr: Die Schnelligkeit des Chelsea-Verteidigers wird gerne gerühmt. Gegen die Schweden jedoch fiel er vor allem dadurch auf, dass er mehrfach zu spät kam. Im Aufbauspiel hat er ohnehin seine Mängel, er sollte einfach keine langen Pässe spielen. Auch wenn Rüdiger sich steigerte: Ein echter Ersatz für Mats Hummels ist er nicht.

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Jonas Hector, Abwehr: Nach seiner Grippe wieder zurück in der Startelf – und der Kölner gehörte in jedem Fall zu den Besseren in der Mannschaft. Er machte viel Druck über die linke Seite, hatte allerdings in der Defensive auch mehr zu tun, als ihm lieb war. Hector erlaubte sich dabei keine Patzer, auch wenn die Schweden über seine Seite mehrfach gefährlich angriffen. Hector ist einfach verlässlich.

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Julian Brandt, Mittelfeld: Kam für die letzten fünf Minuten anstelle von Hector, um noch einmal Druck zu machen. Der junge Leverkusener traf in der Nachspielzeit den Pfosten. Schon das hätte die Entscheidung sein können.

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Toni Kroos, Mittelfeld: Dass das Laufspiel nicht die Stärke von Kroos ist, ist bekannt. Aber dass ihm jetzt auch fatale Passfehler unterlaufen, das ist neu. Sein schlampiges Abspiel in der 33. Minute führte Sekunden später zum 0:1. Er sollte das Mittelfeld ordnen und hätte fast für den WM-K.o. gesorgt. Und erlöste den Weltmeister mit seiner Schusstechnik. Was für eine Achterbahn.

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Sebastian Rudy, Mittelfeld: Er sollte für die defensive Absicherung sorgen und tat das zu Beginn auch. Lange hatte er allerdings keine Gelegenheit dazu. Nach einem unglücklichen Zusammenprall mit einem Gegenspieler musste er schon nach 25 Minuten blutend im Gesicht den Platz verlassen. Es war eine kurze WM-Premiere für ihn.

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Ilkay Güdogan, Mittelfeld: Der City-Spieler kam nach einer halben Stunde zu seiner WM-Premiere. Viel ist auf den Mittelfeldspieler eingedroschen worden wegen des Erdogan-Fotos, so ganz hat er das nicht abstreifen können. Er wirkte sehr zurückgenommen, aber war nach hinten durchaus aufmerksam – genau das, was der Mannschaft zuletzt gefehlt hatte. Man kann sagen, es war seine Aufgabe, sich nicht allzu viel zuzutrauen.

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Thomas Müller, Mittelfeld: Der WM-Torgarant der vergangenen Turniere versuchte diesmal zunächst auf der linken Offensivseite, seine alte Gefährlichkeit wiederzufinden. Aber Müller ist im Moment ein Suchender, suchend nach der Form, nach dem Torinstinkt. Irgendwo hat er ihn bei dieser WM verlegt und nicht mehr gefunden. Wieder hatte er sehr gute Chancen, wieder ließ er sie ungenutzt.

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Julian Draxler, Mittelfeld: Er sollte gemeinsam mit Thomas Müller für die gegen Mexiko so verwaiste linke Angriffsseite sorgen, das gelang auch nur zehn Minuten. Draxler ist emsig, er ist bei vielen Offensivaktionen dabei, er versucht sich auch einmal an einem Schuss, aber seien wir ehrlich: So viel kommt dabei nicht heraus. Nach 45 Minuten war für ihn Schluss.

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Mario Gomez, Sturm: Der Hoffnungsträger für die zweite Halbzeit. Zumindest ein Stürmer, der sich auch körperlich gegen die Schweden durchsetzen kann. Er band die Innenverteidiger, andere hatten dadurch mehr Raum. Vergab eine Riesenchance Mitte der zweiten Hälfte, da kamen Erinnerungen auf. Sein Kopfball kurz vor Schluss hätte das 2:1 sein können.

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Marco Reus, Mittelfeld: Sein Startelfdebüt war von allen gefordert worden – und gleich zu Beginn schien er das auch sofort zu rechtfertigen. Gehörte in der Anfangsphase zu den Auffälligen, hatte ein, zwei dicke Gelegenheiten zum Tor. Als die Mannschaft danach ihre Linie verlor, büßte auch er zwischendurch seine Ballsicherheit ein und wurde fahrig. Wie wichtig er dennoch ist, zeigte er direkt nach dem Wechsel, als er zum 1:1 zur Stelle war. Danach wieder ein steter Gefahrenherd. Er dürfte seinen Startplatz sicher haben.

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Timo Werner, Mittelfeld: Der Leipziger hat bei dieser WM gezeigt, dass er vielleicht noch Zeit braucht, um ein Großer zu werden. Er ist in jedem Fall auf dem Weg dorthin. Seine Schnelligkeit ist unbestritten, das hat er allen anderen deutschen Offensivleuten voraus, aber auch ihm versprangen Bälle. Als er nach der Pause die Seite wechselte, lief es deutlich besser. Die Vorarbeit zum 1:1 gebührt ihm.

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