Deutsche Bauwirtschaft Lahme Wachstumsbremse schaltet auf Turbo

Jahre hatte sie die Wirtschaft ins Minus gedrückt, hat sich die deutsche Bauindustrie nicht von dem Einbruch der Bautätigkeit nach der Wiedervereinigung erholt. Zehntausende wurden entlassen - und plötzlich wandelt sich die Bauindustrie zur Konjunkturstütze. Ein Überblick über die neuen Aussichten der Branche.
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Lahme Entwicklung: Die kriselnde Bauwirtschaft gilt seit den 90er Jahren als Bremsklotz für die deutsche Konjunktur. Doch jetzt profitiert die Branche ausgerechnet von der Euro-Schuldenkrise - und entwickelt sich zur wichtigen Konjunkturstütze.

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Starke Erholung: Bereits 2011 hatte die Baubranche mit Rekordwachstumszahlen überrascht. Seit dem Bauboom der Nachwendezeit war es das erste Mal, dass die Bauverbände durchweg gute Nachrichten zu vermelden hatten - fast zwanzig Jahre lang war die Branche zuvor nicht aus der Rezession gekommen. Die leidgeprüften Branchenvertreter konnten ihr Glück kaum fassen: Kaum waren die schlimmsten Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise überstanden, legte die Bauwirtschaft ein verblüffendes Wachstumstempo vor. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2011 um sagenhafte 21,9 Prozent.

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Hohe Auftragseingänge: Wichtige Indikatoren der Bauwirtschaft sind im Vergleich zum bereits positiven Vorjahr weiter angestiegen. Die Auftragseingänge und in der Folge die Auftragsbestände sind in sämtlichen Quartalen erneut gewachsen, teilweise deutlich zweistellig. Die zeitliche Verzögerung zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung lassen auf weiteres Wachstum in den nächsten Monaten schließen, glaubt die Unternehmensberatung OC & C.

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Frühindikator Baugenehmigungen: Im Vergleich zum vergangenen Jahr stieg auch die Anzahl der zum Bau genehmigten Wohnungen sowohl bei Ein- und Zweifamilienhäusern als auch im Geschosswohnungsneubau in Deutschland deutlich an. Im gesamten Jahr 2011 stiegen die Baugenehmigungen um 17,5 Prozent bei Ein- und Zweifamilienhäusern sowie um 26,8 Prozent bei Geschosswohnungen. Im Wohnungsneubau ergibt sich damit in Summe ein Plus von 21,6 Prozent. Das lässt auf eine weiter gute Baukonjunktur auch im kommenden Jahr schließen.

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Etablierter Markt: Der deutsche Hochbau zeichnet sich als reifer Markt durch einen relativ stabilen Baubestand mit vergleichsweise hohem Renovierungsanteil aus. Da bei einer abnehmenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklung insbesondere der zyklische Neubau betroffen ist, wirkt der hohe Renovierungsanteil stabilisierend. Einige Länder, die strukturell ebenfalls zu den reifen Märkten zählen, wurden von der Immobilienkrise dennoch wesentlich stärker getroffen als Deutschland. Zum Beispiel platzten in Großbritannien und in Dänemark besonders stark ausgeprägte Immobilienblasen, so dass der Hochbau dort deutliche Einbußen hinnehmen musste.

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Hoffnung auf Energiewende: Die deutsche Bauindustrie schielt jetzt auch auf ein künftiges deutsches Großprojekt, das in reinen Zahlen gelesen gigantisch wirkt: die Energiewende. Allein die Modernisierung und der Ausbau der Stromtrassen an Land verschlingen nach Schätzungen der Netzbetreiber bis 2022 rund 20 Milliarden Euro. Für die Windkraft auf hoher See kommen noch einmal rund zwölf Milliarden Euro hinzu. Dass die deutschen Baukonzerne Bilfinger und Hochtief sich von diesem Kuchen ihr Stück abschneiden wollen, verwundert nicht.

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Auf dem falschen Fuß erwischt: Deutschlands Baukonzerne wie beispielsweise Hochtief und Bilfinger Berger haben zuletzt allerdings noch nicht recht vom Bauboom in Deutschland profitiert. Sie haben aufgrund der jahrelangen Minusraten in der deutschen Bauindustrie unter anderem ihr Heil in der Internationalisierung gesucht - und sind derzeit viel stärker im Ausland als im Inland aktiv oder haben sich auf Geschäfte konzentriert, die mit dem Bauen selbst nur noch verwandt sind - allem voran Service, Betrieb, Wartung und Instandhaltung.

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