Deutsche Bank ändert Digital-Plan Diese Banken setzen noch auf den deutschen Digitalmarkt

Kehrtwende der Deutschen Bank: Nach einem halben Jahr wird der Plan, eine eigene digitale Bank zu gründen, gestoppt. Eine Digital-Marke für die Millennials soll es aber geben.
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Die Deutsche Bank begräbt ihren Plan, noch 2018 eine digitale Bank mit eigenem Namen auf den deutschen Markt zu bringen. Im Oktober 2017 war die Idee verkündet worden, mit einem Angebot inklusive kostenlosem Girokonto sich lieber selbst die Kunden abzujagen, bevor es andere tun. Stattdessen soll es nun eine Digital-Marke für die Millennials geben, allerdings unter der konventionellen Deutsche-Bank-Organisation. Geplanter Start: Oktober. Voraussichtlich soll das Angebot als Plattform konstruiert sein, die allerlei Angebote auch der Konkurrenz verbindet - und wenigstens die Kundendaten sammelt.

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Frank Strauss, der nach dem Wechsel seines Kompagnons Christian Sewing an die Konzernspitze alleine das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden verantwortet, hatte sich eines "Vorsprungs in der digitalen Transformation" gerühmt. "Schon heute hat keine private Bankgruppe in Deutschland so viele Online-Kunden" wie Deutsche Bank und die gerade eingegliederte Postbank zusammen. Die Tochter Norisbank, seit 2012 schon eine reine Direktbank ohne eigene Filialen, sollte in das neue Angebot integriert werden.

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Es ist nicht die erste Kehrtwende des Konzerns in dieser Frage. Henry Ritchotte, ab 2014 zum ersten Digitalvorstand der Bank ernannt, wurde im Folgejahr zum "Head of Digital Bank" herabgestuft - mit dem Auftrag, ein eigenes Angebot zumindest für den US-Markt zu entwickeln. Ein halbes Jahr später zog die Bank den Auftrag zurück, der damalige Chef John Cryan lobte aber Ritchottes "Blaupause", von der man "viele Ideen übernehmen" werde. Ritchotte ging und investiert jetzt mit eigener Wagniskapitalfirma in Fintech-Firmen.

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Schon in den 90er Jahren hatte die Deutsche Bank das Potenzial einer Direktbank erkannt und die Bank 24 gegründet, die 1999 jedoch mit dem traditionellen Filialgeschäft zusammengelegt wurde, was sich als kurzlebig erwies. Eine Plattform ähnlich der heutigen Idee gab es auch schon: Moneyshelf, ein Portal, das Millionen Kunden auch mit der Vermittlung von Angeboten Dritter anlocken sollte. 2001 wurde diese Marke zugunsten der Deutschen Bank 24 gestrichen, bevor diese auch aufgegeben wurde.

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Anders hat es die lange belächelte Konkurrenz gemacht. Die Commerzbank hat ihre Direktbank Comdirect bereits 1994 gegründet, schwamm damit zeitweise auf der Börsenwelle des Neuen Markts mit. Nach deren Auslaufen sammelt die Comdirect ohne großes Aufsehen weiter fleißig Kunden ein - und verkörpert das sparsame, unprätentiöse Geschäft, das zunehmend als Zukunft des Mutterkonzerns gilt. Laut dem Portal finanz-szene.de  kamen drei Viertel der Commerzbank-Neukunden im ersten Quartal 2018 von der Tochterfirma aus Quickborn.

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Als "führende Digitalbank in Deutschland" sieht sich hingegen die zum niederländischen ING-Konzern gehörende ING-Diba. Mehr als neun Millionen Kunden zählt die Direktbank, die sich nie mit den Problemen teurer Filialen (oder des Filialabbaus) herumschlagen musste und sich bislang auch vom Trend zu Kontogebühren unberührt zeigt. Historisch geht das Institut auf die Baugewerkschaft IG BSE in den 60er Jahren zurück, deren damaliger Chef Georg Leber die deutschen Banken als "alter Hund, der satt ist" schmähte.

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Einen nicht weniger ungewöhnlichen Ursprung hat die Deutsche Kreditbank: Sie wurde 1990 aus der Staatbank der DDR heraus gegründet, als erstes privates Institut des ostdeutschen Staats. Heute gehört die DKB der BayernLB und stellt mit 3,8 Millionen Kunden die Nummer zwei der Direktbanken - mit Abstand hinter der ING-Diba und leicht vor der Comdirect mit 3,4 Millionen. Dank des Zinsüberschusses der DKB konnte die Landesbank erstmals seit der Finanzkrise für 2017 wieder Dividende zahlen.

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An die stetig stärker werdende Konkurrenz der Direktbanken haben sich die etablierten Filialinstitute schon länger gewöhnt. Aufgeschreckt wurden sie in den vergangenen Jahren von Fintech-Newcomern wie dem Berliner Startup N26, das erst seit Mitte 2016 eine Banklizenz hat und schon bald eine Million Kunden haben will. N26 hat prominente Investoren wie Peter Thiel oder Tencent angelockt, braucht aber nur wenig Kapital für den Angriff auf die Finanz-Dinos. Das rasante Wachstum - natürlich mit dem Versprechen eines kostenlosen Girokontos und einfacher Bedienung - verlief bisher allerdings holperig.

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Auch andere finden plötzlich den deutschen Privatkundenmarkt attraktiv, der lange als "overbanked" und margenschwach wegen des starken Wettbewerbs von Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit geringem Profitanreiz galt. Die Investmentbank Goldman Sachs hat sich in den USA bereits 2016 über ihr elitäres Image hinweggesetzt und eine digitale Bank für Normalkunden unter dem Namen Marcus gegründet, die inzwischen Einlagen von 20 Milliarden Dollar verwaltet. Auslandschef Richard Gnodde verriet im Mai, dass Marcus als nächste Märkte Großbritannien und dann Deutschland anpeilt - die Herkunft des Bankgründers Marcus Goldman.

Foto: www.marcus.com
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Im Angesicht des digitalen Wandels haben sich mehrere Sparkassen über das eherne Regionalprinzip hinweggesetzt, das die lokalen Märkte voneinander abgrenzt. Vor allem Großstadtinstitute taten sich für die App Yomo zusammen, die seit 2017 im Beta-Status verfügbar ist - und dort wohl zumindest noch eine Weile verharren wird. "Yomo ist noch nicht gescheitert", betonte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis im Februar.

Foto: yomo.de
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Zu den Herausforderern der etablierten Banken zählen die großen Internetkonzerne wie Amazon, Alphabet oder Paypal - und die Silicon Valley Bank, die seit den 80er Jahren die Tech-Branche begleitet. Im Silicon Valley ist sie angeblich auch im klassischen Einlagengeschäft die Marktführerschaft. Passend zum digitalen Strategiewechsel der Deutschen Bank verkündete die Silicon Valley Bank am Dienstag, eine Teilbanklizenz in Frankfurt erhalten zu haben und sofort mit dem Deutschlandgeschäft zu starten - erstmal für Firmenkunden.

Foto: Getty Images
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