Sanierung des wichtigsten deutschen Geldhauses Wer die Deutsche Bank retten will

Gut ein Jahr ist der neue CEO John Cryan jetzt im Amt. Die Probleme sind seitdem größer geworden: Inzwischen gibt es Zweifel, ob Deutschlands größtes Geldhaus die Sanierung aus eigener Kraft schaffen kann. manager-magazin.de stellt die Menschen vor, an denen jetzt das Schicksal der wichtigsten deutschen Bank hängt.
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John Cryan, 55, hat sich bislang als der "eiskalte Engel" erwiesen, als den ihn das manager magazin nach Amtsantritt im Sommer 2015 bezeichnet hatte. Der Brite spart, streicht und benennt schonungslos die Schwächen der Bank - neben den verbotenen Geschäften der Vergangenheit vor allem die überbordende Bürokratie und veraltete IT. So langsam reicht es den Führungskräften aber. Sie deuten Cryans Ehrlichkeit um in Miesepetrigkeit und verlangen mehr Aufbruchstimmung und Optimismus.

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Paul Achleitner, 60, hat sehr lange gewartet. Im Sommer 2015 dann, kurz bevor es für ihn hätte gefährlich werden können, tauschte der Aufsichtsratsvorsitzende praktisch die gesamte Führungsriege samt Anshu Jain aus. Neu in den Vorstand kamen - immer auch ein Zeichen für die Krise einer Organisation - viele externe Top-Manager. Die Frage ist: Funktionieren sie auch als Team?

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Auf Christian Sewing lastet deutlich mehr als es sein Job-Titel erahnen lässt. Er ist für das gesamte Geschäft mit Privatkunden und kleineren Firmen zuständig. Weil beides zum größten Teil in Deutschland spielt, und Sewing sein Berufsleben praktisch komplett bei der Deutschen Bank verbracht hat, muss der Mittvierziger im Heimatmarkt nach innen wie nach außen als Verkörperung der neuen Deutschen Bank herhalten. Eine Einigung über Filialschließungen hat er nach schweren Verhandlungen mit dem Betriebsrat im Frühsommer 2016 erreicht. Nun muss er dafür sorgen, dass sich die Vertrauenskrise der Bank nicht zu starken Abwanderungen von Kunden auswächst.

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Tritt bislang öffentlich als zweiter Taktgeber des Umbaus neben John Cryan auf: Marcus Schenck. Der Finanzvorstand, 1965 geboren, hat lange für den Rivalen Goldman Sachs gearbeitet, sieben Jahre auch als Finanzvorstand des Energie-Versorgers Eon. Er muss sicherstellen, dass die Bank nach Jahren gebrochener Versprechen wieder einhält, was man den Investoren ankündigt. Die Jahre 2016 und 2017 haben Cryan und Schenck als Sanierungsjahre deklariert, allerdings auch versprochen, dass sich die Bank operativ stabilisiert.

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Diese Frau soll das Rückgrat der Bank heilen und stabilisieren. Ebenso wie sie Geldhäuser sind, sind Banken auch IT-Unternehmen. Die richtige Technologie entscheidet über den Erfolg. Kim Hammonds soll die veralteten Strukturen beseitigen und die IT modernisieren. Inzwischen ist die Amerikanerin, die zuvor für Boeing gearbeitet hat, dafür sogar in den Vorstand aufgerückt. Weil sie bei ihrer Mission mitunter einen äußerst brüsken Ton anschlägt, betrachten einzelne Führungskräfte ihre Arbeit mit wachsendem Argwohn.

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Seit Jahren wirbt die Deutsche Bank für ihre Sonderstellung, der Brexit hat sie in dieser Erzählung nur noch bestärkt: Sie sei auf den Kapitalmärkten die einzige kontinentaleuropäische Alternative zu den großen Wall-Street-Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs. Richten soll es vor allem Jeffrey Urwin, im Vorstand verantwortlich für "Corporate & Investment Banking". Dass Urwin, der erst seit gut einem Jahr für die Deutsche Bank arbeitet, sein Büro in New York und damit weit vom Heimatmarkt entfernt hat, sorgt allerdings selbst intern für wachsende Kritik.

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Normalerweise fällt das Ressort "Kommunikation" in den Aufgabenbereich des Vorstandschefs. John Cryan delegiert es volley weiter - an Jörg Eigendorf. Der langjährige "Welt"-Journalist und Deutsche-Bank-Kenner arbeitet seit dem 1. April als Generalbevollmächtigter beim Frankfurter Geldhaus. Der 48-Jährige soll bei vielen offiziellen Anlässen das Gesicht der Deutschen Bank geben und Cryan ersetzen. Üblicherweise halten sich die Chefkommunikatoren von Konzernen im Hintergrund, konzentrieren sich auf die Inszenierung der Vorstände sowie des Unternehmens und treten nur in akuten Krisen-Situationen selbst an die Öffentlichkeit. Mögliches Problem: Auftritte von Konzernsprechern könnten immer als Beleg für eine krisenhafte Situation des Unternehmens interpretiert werden. In einer solchen, unstrittig krisenhaften Situation im Spätsommer 2016 erklärte Eigendorf im US-Fernsehen die harsche Reaktion der Bank auf die 14-Mrd-Dollar-Forderung des US-Justizministeriums. Nach der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal 2016 am 27. Oktober will Eigendorf, der mit einer TV-Journalistin verheiratet ist, am Abend in der ZDF-Talksendung "Maybrit Illner" zum Thema "Gier statt Reue - kommt die Banken-Krise zurück" auftreten.

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