Abgänge der Ära Achleitner Was aus den Deutsche-Bank-Bossen wurde

Seit 2012 überwacht Paul Achleitner die vielen Baustellen der Deutschen Bank - und hat schon etliche Topmanager geschasst. manager-magazin.de zeigt, was aus den wichtigsten Bankern wurde.
1 / 14

From hero to Zero: Beim Börsengang der Deutsche-Bank-Tochter DWS im März 2018 durfte Nicolas Moreau (rechts neben DWS-Finanzchefin Claire Peel) noch die Glocke läuten, um Mittel für die Bank flüssig zu machen. Im Oktober räumte die Deutschen Bank ihren Vorstand für die von Kundenflucht geplagte Sparte Vermögensverwaltung aber ab.

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS
2 / 14

Der Aufstieg Christian Sewings (links) an die Deutsche-Bank-Spitze soll den Finanzkonzern endlich befrieden. Als das Bild auf der Jahrespressekonferenz im Februar 2018 entstand, war die Rotation noch in vollem Gang. Die anderen beiden auf dem Bild - Sewings Vorgänger John Cryan und Kollege Marcus Schenck - sind in diesem Jahr ausgeschieden.

Foto: Getty Images
3 / 14

Schon wieder schiebt Paul Achleitner Topmanager der Deutschen Bank beiseite. Die vielen Personal- und Strategiewechsel unter dem seit 2012 amtierenden Aufsichtsratschef nähren Zweifel, ob der Veteran von Goldman Sachs und Allianz die Bank richtig führt. Achleitners Bestellung läuft bis 2022, aber Groß- und Kleinaktionäre murren hörbar.

Foto: Boris Roessler/ dpa
4 / 14

IT-Chefin Kim Hammonds beendete ihren Vertrag vorzeitig zur Hauptversammlung im Mai 2018. Bei der Modernisierung der Konzern-IT hat Hammonds eine gemischte Bilanz, ihr internes Auftreten wurde allerdings zuweilen als destruktiv empfunden. Das Unternehmen bezeichnete sie öffentlich als "das dysfunktionalste, für das ich je gearbeitet habe".

Foto: REUTERS
5 / 14

John Cryan war erst von Achleitner in den Aufsichtsrat geholt und 2015 auf den Chefposten berufen worden, als sich die mit Achleitner gestartete Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen nicht mehr halten ließ. Für Cryan war nach drei Verlustjahren in Folge im April 2018 vorzeitig Schluss. Über weitere Pläne des Briten ist noch nichts bekannt. Er sitzt in Aufsichtsräten wenig prestigeträchtiger Finanzfirmen wie Man Group, ST Asset Management oder Tana Africa Capital.

Foto: Boris Roessler/ dpa
6 / 14

Cryans Vize Marcus Schenck hörte zur Hauptversammlung im Mai ebenfalls auf. Die Berufung seines Kollegen Christian Sewing zu Cryans Nachfolger durchkreuzt Schencks eigene Karrierepläne. Mit seinen Plädoyers für ein starkes Investmentbanking drang der Co-Chef der Sparte - ein Achleitner-Zögling aus der Goldman-Sachs-Zeit - nicht durch.

In viel kleinerem Maßstab darf der 53-Jährige, der auch mehrere Jahre Finanzvorstand des damals noch großen Energiekonzerns Eon war, seine Vision als Partner der Investmentbank Perella Weinberg ausleben.

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS
7 / 14

Jürgen Fitschen hat es geschafft, trotz verantwortlicher Position in miserablen Jahren im Guten aus dem Vorstand zu scheiden. 2016 verabschiedete er sich emotional und arbeitete dann noch den neuen Chef Christian Sewing als "Mr. Germany" der Deutschen Bank ein. Seit 2017 führt er die Deutsche-Bank-Stiftung und sitzt im Beirat der Deutschen Oppenheim Family Office AG.

Seit 2018 ist Fitschen auch Aufsichtsrat der Medizintechnikfirma Syntellix von Utz Claassen, in die er investiert hat. Ab Mai übernimmt er die Kontrolle des Dax-Konzerns Vonovia, zuvor hatte er diese Rolle schon bei der Metro-Abspaltung Ceconomy. Auch beim Logistiker Kühne + Nagel sitzt der Niedersachse im Verwaltungsrat. Um die Pferdezucht kann der 69-Jährige sich weiterhin nur nebenher kümmern.

Foto: DPA
8 / 14

Henry Ritchotte verließ den Vorstand zum Jahresende 2015, als einer der Soldaten in "Anshu's Army" von Fitschens Co-Chef Anshu Jain. Der kurz zuvor trotz Kritik der Bankenaufsicht vom Investmentbanker zum COO und ersten Digitalisierungsvorstand beförderte Amerikaner durfte sich noch ein Jahr "Head of Digital Bank" nennen. Das Projekt einer eigenen Digitalbank wurde jedoch schnell von Cryan eingespart - und wird jetzt wiederbelebt. Ritchotte startete 2017 den Fintech-Investor Ritmir Ventures. Erste Vorzeigebeteiligung ist das Münchener Start-up Tradico.

Foto: Deutsche Bank
9 / 14

Ein ganz anderes Leben führt jetzt Stefan Krause, der schon das zweite kalifornische Elektroauto-Start-up binnen zwei Jahren mit BMW-Veteran Uli Kranz versucht. Jetzt probieren sie es mit Evelozcity selbständig, nachdem Faraday Future mit chinesischem Eigner für sie ein Reinfall war. Krause war im Oktober 2015 aus dem Vorstand der Deutschen Bank ausgeschieden. Dort hatte er anfangs den Vertrieb, jahrelang die Finanzen und zuletzt die strategische Neuaufstellung verantwortet - darunter auch die nun wieder zurückgenommene Trennung von der Postbank. Krause hatte seinen Ruf als Finanzprofi bei BMW begründet.

Foto: REUTERS
10 / 14

Gleichzeitig mit Krause sortierte der damalige Chef John Cryan im Oktober 2015 auch Stephan Leithner aus. Der hatte in der Investmentbank Karriere gemacht, musste sich als Vorstand ab 2012 aber in Rechts-, Personal- und Politikfragen einarbeiten - mit einigem Unbehagen und einem Haufen Probleme. Bekannt wurde vor allem seine Nicht-Aussage vor dem Finanzausschuss des Bundestags im Herbst 2012. Leithner ist seit 2016 Partner des schwedischen Finanzinvestors EQT, hinter dem die Industriellenfamilie Wallenberg steht. Mitte 2018 zieht er in den Vorstand der Deutschen Börse ein.

Foto: Deutsche Bank
11 / 14

Mit dem parallel zum Konzernvorstand arbeitenden Group Executive Committee machte Cryan im Oktober 2015 gleich komplett Schluss - in diesem Zuge gingen auch einige Führungskräfte aus "Anshu's Army". Colin Fan musste als Co-Chef des Investmentbankings zeitweise auch noch auf Millionenboni verzichten, weil er mit privatem Geld am so genannten Axa-Deal beteiligt war, der Kreditrisiken der Bank an einen Hedgefonds in Monaco ausgelagert hatte - für Fan und Partner hochlukrativ. Das Geld klagte der Chinese jetzt in London ein - und einigte sich mit der Deutschen Bank in einem Vergleich auf eine Zahlung von 6 Millionen Dollar.

Seiner Karriere hat die Auseinandersetzung nicht geschadet: Seit September 2017 ist Fan Managing Partner der Softbank Investment Advisers in Kalifornien, die für den japanischen Technologiekonzern einen 100-Milliarden-Dollar-Fonds betreuen, der in Zukunftstechnik investiert. Auch Apple und der saudi-arabische Staatsfonds vertrauen ihm Milliarden an.

Foto: © Danny Moloshok / Reuters/ REUTERS
12 / 14

Zeitgleich musst Michele Faissola gehen, schon seit 1995 im Jain-Gefolge in der Deutschen Bank. Der Italiener hatte Karriere im Investmentbanking gemacht und war während des Libor-Skandals für Zinsgeschäfte zuständig, ab 2012 führte er die inzwischen teilweise an die Börse gebrachte Vermögensverwaltung.

Faissola ist der Bank erhalten geblieben, als "Spinne im Netz", wie das manager magazin schreibt. Er berät die Großaktionäre aus der katarischen Herrscherfamilie al-Thani, für die Anwalt Stefan Simon im Aufsichtsrat sitzt, der Faissola gegenüber der Bankenaufsicht Bafin vertrat. In einem Mailänder Prozess um die Verschleierung von Bilanzproblemen der weltältesten Bank Monte dei Paschi di Siena steht er gemeinsam mit seinem Ex-Arbeitgeber unter Anklage.

Foto: DWS
13 / 14

Schon zum 1. Juli 2015 verließ Privat- und Geschäftskundenvorstand Rainer Neske die Bank; im Amt folgte ihm ein gewisser Christian Sewing. Neske hatte sich ähnlich wie zuletzt Schenck Hoffnung auf den Chefposten gemacht und musste für John Cryan Platz machen. Die Abspaltung der Postbank hatte der Veteran des Retailbankings, seit 1990 im Konzern und seit 2009 im Vorstand, mitgetragen - den Abbau der etablierten "blauen Bank" aber nicht. Seit 2016 ist Neske, dessen Abschied viele Traditionalisten betrauerten, Chef der Landesbank Baden-Württemberg. Den westfälischen Landsmann Sewing trifft er noch im Präsidium des CDU-Wirtschaftsrats.

Foto: Getty Images/ Getty Images News/Getty Images
14 / 14

Während sein Co-Chef Jürgen Fitschen noch etwas bleiben durfte, wurde die Symbolfigur der Investmentbanker zur Jahresmitte 2015 nach drei Jahren an der Bankspitze kurzfristig abberufen. Anshu Jain hatte die Kapitalmarktsparte seit den Anfängen Mitte der 90er Jahre mit aufgebaut, im Vorstand saß der indischstämmige Londoner wie Neske und Fitschen ab 2009. Sein Ruf als "Rainmaker" wurde zum Makel, so richtig große neue Jobs konnte er nach dem Abgang aus Frankfurt nicht angeln. Seit 2016 ist Jain Berater der Social Finance Inc. in San Francisco, im Jahr darauf wurde er President des Brokers Cantor Fitzgerald, ohne eine operative Rolle.

Foto: Michael Probst/ ASSOCIATED PRESS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.