30 Jahre nach dem Mauerfall Diese Dax-Vorstände stammen aus dem Osten

Im 30. Jubiläumsjahr des Mauerfalls ist die Ost-West-Debatte so lebendig wie eh und je. Mit VW-Vorstand Hiltrud Werner hat sich jetzt eine der wenigen Ostdeutschen eingeschaltet, die in die Führung der deutschen Wirtschaft vorgedrungen sind.
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Volkswagen-Rechtsvorstand Hiltrud Werner (52) hat in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in die Ost-West-Debatte eingeschaltet - mit für eine Topmanagerin bemerkenswerten Worten. "Die Jahre nach der Wiedervereinigung waren eine systematische Deindustrialisierung der DDR", beklagt Werner. Die Treuhand habe "das Volkseigentum teils verramscht", manche Abenteurer aus dem Westen "ihren Reibach gemacht" - und so langfristig die Saat für die AfD gelegt, die "zunehmend zum Problem, auch in den Betrieben" werde. Zugleich stellt sie fest: "Auch jeder DDR-Bürger hat die Verantwortung für seine Biografie". Werner selbst, in Thüringen geschulte Textilfacharbeiterin, schloss ihr Ökonomiestudium an der Uni Halle-Wittenberg gerade rechtzeitig zur Wende ab, um Karriere in Westkonzernen zu machen.

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Unter den 195 Dax-Vorständen sind Ostdeutsche nach wie vor rar. Zu den prominentesten Gesichtern zählt Hauke Stars (51), bei der Deutschen Börse für den Bereich Cash Market und Personal verantwortlich. Die gebürtige Merseburgerin wuchs als Tochter eines Direktors eines Volkseigenen Betriebs in Potsdam auf und studierte Informatik in Magdeburg, bevor sie via England das Weite in Konzernen wie Bertelsmann oder Thyssenkrupp suchte. Besonders junge, weibliche Talente sind zu Millionen aus dem Osten abgewandert und kaum je zurückgekehrt.

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Eine neue Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle sieht den Rückstand vor allem in fehlenden Konzernzentralen begründet: "Woran es in den Neuen Ländern mangelt, sind große Unternehmen mit strategischen Unternehmensfunktionen, also vor allem mit Forschung und Entwicklung." Da muss man schon nach Düsseldorf wie Kathrin Menges (54), Personalvorstand von Henkel. Die gebürtige Pritzwalkerin hatte noch 1988 in Potsdam den Abschluss als Diplomlehrer gemacht, war aber bald zur Bankgesellschaft Berlin gewechselt. Die Frauenquote unter den Ost-Vorständen ist immerhin herausragend ...

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... denn neben diesen drei Frauen findet sich nach aktueller Zählung des manager magazins nur ein ostdeutscher Mann in den Dax-Vorständen: Torsten Jeworrek (57), der bei der Munich Re das Rückversicherungsgeschäft leitet. Der Mathematiker aus Oschersleben hatte sich noch 1989 in München beworben und wurde später vom "Handelsblatt" als "Pionier der Einheit" gefeiert. Doch es folgten wenige nach. Ein paar Dax-Konzerne wie Telekom oder SAP veröffentlichen die Herkunft ihrer Manager nicht. Theoretisch könnte es also sein, dass wir noch Vorstände mit Ost-Biografie übersehen haben. Praktisch spricht jedoch viel dafür, dass sie als Diversity-Faktor noch hinter Schweden oder Spaniern rangieren.

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Die Dax-Konzerne sitzen allesamt im Westen. Auch unter den 500 umsatzstärksten Unternehmen laut Ranking der "Welt" finden sich nur 16 in den fünf nicht mehr ganz so neuen Ländern - angeführt von der Leipziger Verbundnetz Gas auf Platz 99. Auch die übrigen Ost-Vertreter sind oft Energie- und Versorgungsbetriebe, zumeist entweder in kommunaler Hand oder als Kapitalbeteiligung westlicher Konzerne.

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Volkswagen selbst investiert immerhin stark in die ostdeutsche Produktion - auch wenn die Wirtschaftsforscher des IWH feststellen, an Sachkapital mangele es dort gar nicht mehr. Know-how wird jedoch ebenfalls aufgebaut, wenn das Zwickauer Werk als erstes im Konzern komplett auf E-Autos umgestellt wird. Lesen Sie unsere Reportage vom wohl wichtigsten Projekt der deutschen Autoindustrie.

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