Historische Patzer Das Beste aus 56 Jahren TV-Debatte

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Das erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump am Montagabend in den USA wird ein Höhepunkt des bisherigen Wahlkampfes - möglicherweise sogar wahlentscheidend. Ein Rückblick auf Szenen aus früheren Auseinandersetzungen in den USA und anderswo, die Beobachtern zufolge die Wähler nachhaltig beindruckt und vielleicht sogar beeinflusst haben.

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Die Mutter aller TV-Debatten fand 1960 in den USA statt – und sie ist zugleich eines der meist zitierten Beispiele, um zu demonstrieren, wie viel wichtiger bei solchen Events die Optik gegenüber den Inhalten sein kann.
Im Radio klang das 1960er Duell zwischen dem seinerzeitigen Vizepräsidenten Richard Nixon (r.) und Senator John F. Kennedy mindestens ausgeglichen. Erstmals in den USA wurde die Debatte jedoch auch im Fernsehen ausgestrahlt, und da sah Nixon im wahrsten Sinne des Wortes schlecht aus. Der Republikaner hatte gerade erst einen Krankenhausaufenthalt hinter sich gebracht, wirkte abgemagert, unrasiert und schwitzte. Kennedy dagegen trat auf wie ein Dressman, jung, locker, dynamisch und gut gebräunt. Nach mehrheitlicher Meinung der Beobachter ging das TV-Duell vor allem deshalb an JFK.

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Ein folgenreiches TV-Duell gab es auch 1976 zwischen dem Demokraten Jimmy Carter (l.) und dem amtierenden Präsidenten Gerald Ford von den Republikanern. Nach einer erfolgreichen ersten Debatte brachte sich Ford in eine unglückliche Lage. Er behauptete mitten in Zeiten des Kalten Krieges: "Es gibt keine Dominanz der Sowjetunion in Osteuropa, und unter einer Regierung Ford wird es auch keine geben."
Selbst als Moderator Max Frankel von der "New York Times" ungläubig nachfragte, ob Ford dies wirklich ernst gemeint habe, beharrte der Präsident darauf: Polen, Rumänien und Jugoslawien werden von den Sowjets nicht unterdrückt. Diese Falsch-Behauptung kostete Ford schließlich die Wahl.

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1984 stach der amtierende Präsident Ronald Reagan wortgewandt und humorvoll den Demokraten Walter Mondale aus. Der damals 73jährige Reagan, im Duell auf sein hohes Alter angesprochen, sagte: "Ich werde Altersfragen in dieser Kampagne nicht thematisieren. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Opponenten nicht politisch ausschlachten." Da musste sogar der immerhin 60jährige Mondale lachen - und Reagan wurde wiedergewählt. Rund 67 Millionen Zuschauer verfolgten das Duell.

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Verhängnisvoll war 1988 eine Aussage des demokratischen Gouverneurs Michael Dukakis (r.). Er sprach sich im TV-Duell gegen die Todesstrafe aus, selbst wenn seine Frau Opfer eines Gewaltverbrechens würde. Daraufhin verlor er gegen den Republikaner George H. W. Bush.

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Legendär ist auch diese Szene aus dem Duell zwischen George W. Bush (l.) und Al Gore. Gore, der von vielen Zuschauern und Medien ohnehin als selbstgefällig und arrogant wahrgenommen wurde, versuchte Bush zu beeindrucken, indem er ihm buchstäblich auf die Pelle rückte: Während eines Redebeitrages von Bush verließt dessen demokratischer Kontrahent sein Pult und ging auf den Republikaner zu.
Nachdem Bush jedoch - abgesehen von einem lächelnden und ein wenig irritierten Nicken - nicht weiter darauf reagierte, stand Gore recht verloren auf der Bühne - ein klassisches Eigentor.

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Zuletzt trafen in den USA 2012 Präsident Barack Obama (r.) und der frühere Gouverneur aus Massachusetts, Mitt Romney, aufeinander. Beide lieferten sich drei hitzige Debatten, Romney zeigte jedoch Lücken, etwa seine Unkenntnis über die geografische Lage von Syrien, Irak und Iran. Obama dagegen präsentierte sich gewohnt selbstbewusst.

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In Deutschland gibt es das TV-Duell der Kanzlerkandidaten seit 2002, als Gerhard Schröder als erster Amtsinhaber einem solchen öffentlichen Schlagabtausch mit seinem Herausforderer zustimmte. Schröder vertraute offenbar darauf, im Fernsehen besser herüberzukommen als der bayerische CSU-Kandidat Edmund Stoiber. Letztlich punktete Schröder vor allem mit seiner klaren Haltung zum Irak-Krieg, bei dem er seinerzeit eine deutsche Beteiligung strikt ablehnte.

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Auch aus dem jüngsten bislang hierzulande veranstalteten TV-Duell, das 2013 zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück stattfand, ist vielen Zuschauern noch ein Aufreger in Erinnerung: Merkel sagte in der Sendung klipp und klar, mit ihr werde es keine Pkw-Maut geben - um genau eine solche Maut dann später als wichtiges Vorhaben in den Koalitionsvertrag zu schreiben und von Verkehrsminister Dobrindt umsetzen zu lassen. Wie es aussieht, kann inzwischen nur noch die EU das Inkrafttreten der Abgabe verhindern - und nicht nur SPIEGEL-ONLINE im Faktencheck sondern wohl auch zahlreiche Wähler kamen zu dem Schluss: In Sachen Maut hat Merkel gelogen.

Mit Material von dpa-afx

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