Gewinnwarnungen und Autohalden Der Herbst der deutschen Autoindustrie

Eine Gewinnwarnung jagt die nächste, die flaue Produktion treibt sogar das deutsche BIP ins Minus - die Vorzeigebranche Nummer eins liefert schlechte Nachrichten. Der Überblick.
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Der Autozulieferer Continental hat schon zweimal in diesem Jahr seine Gewinnprognose nach unten korrigiert - und diese Anfang November nochmals unter Vorbehalt gestellt. Der Aktienwert des langjährigen Börsendarlings ist seit dem Frühsommer um ein Drittel gefallen. Der Vorstand sieht die eigene Führung "auf dem falschen Gleis" - kann aber auf äußere Gründe verweisen: "Seit knapp zehn Jahren haben wir im abgelaufenen Quartal zum ersten Mal einen substanziellen Rückgang der weltweiten Fahrzeugproduktion gesehen", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer.

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Tatsächlich ist Continental nicht allein. Der Volkswagen-Konzern hat seit dem Sommer tausende Autos in Deutschland auf Halde produziert. Zu Nachfrageschwäche im wichtigsten Markt China kommt in der Heimat ein Problem namens WLTP: Schon seit einem Jahr gilt der neue Standard, um realistische Verbrauchs- und Abgasdaten zu messen - doch bis heute kommen die Hersteller nicht mit der Zulassung nach WLTP für alle Modelle hinterher. Der Absatz in Deutschland war im Oktober knapp 12 Prozent geringer als im Vorjahr. Der Rückgang soll noch mindestens bis Dezember weitergehen.

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Besonders hart trifft es die Tochterfirma Audi, einst die Kraftmaschine des wichtigsten deutschen Konzerns. Für Europa meldet der Premiumhersteller im Oktober sogar einen Absatzrückgang um 53 Prozent. Eine Geldbuße wegen des Abgasskandals lieferte Mitte Oktober nur den Auslöser, um den Aktionären mitzuteilen, man werde die zuvor verkündeten Ziele für das Geschäftsjahr "deutlich unterschreiten".

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Der Wettbewerber BMW hatte bereits Ende September gewarnt, der Vorsteuergewinn werde in diesem Jahr wohl schrumpfen. Die Münchener halten sich zwar zugute, die WLTP-Umstellung früh hinbekommen zu haben. Dafür habe aber in der Branche der Überhang noch nicht WLTP-geprüfter Neuwagen zu einer Rabattschlacht geführt. Der könne sich BMW ebenso wenig entziehen wie den Turbulenzen im globalen Handelskonflikt.

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Noch-Daimler-Chef Dieter Zetsche scheint auch nicht auf Kurs, sich auf dem Höhepunkt seines Erfolgs zu verabschieden. Daimler gab schon im Juni eine Gewinnwarnung ab, und im Oktober nochmal. Im dritten Quartal schrumpfte der Betriebsgewinn der Pkw-Sparte um mehr als ein Drittel. Der Rückruf von Diesel-Autos wird teuer - und die schöne neue Elektro-Welt gibt es bisher nur in Ansätzen.

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Familie Schaeffler ist von der Spitze der reichsten Deutschen auf Platz sechs im manager-magazin-Ranking gerutscht. Die eigene Firma, zur Hälfte auch noch an Continental beteiligt, hat im Jahresverlauf fast die Hälfte an Börsenwert eingebüßt. Ende Oktober kam von Schaeffler die zweite Gewinnwarnung des Jahres, mit Verweis vor allem auf den schwachen Automarkt in China.

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Die Probleme gehen weit über die ganz großen Akteure hinaus (Bosch als größter Zulieferer ist nicht börsennotiert und muss daher keine kurzfristigen Warnungen abgeben). Der SDax-Konzern Leoni aber kappte Ende Oktober seine Gewinnprognose. Gründe: Schwacher Automarkt in China, Handelskonflikte und das WLTP-Problem.

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Laut dem Branchenverband VDA produzierte die deutsche Autoindustrie von Juli bis September keine 1,1 Millionen Pkw - fast ein Fünftel weniger als im selben Zeitraum 2017. Das schlägt sich sogar in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nieder: Ökonomen schätzen, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal leicht geschrumpft ist. Im Gesamtjahr dürfte es zwar noch klar wachsen, aber nicht mehr so stark wie bisher erwartet. Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft erwartet, dass die geringere Autoproduktion nicht später nachgeholt wird.

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