Commerzbank-Mission accomplished? Das hat Martin Blessing geleistet

Mit einem Milliardengewinn verabschiedet sich Commerzbank-Chef Martin Blessing. Begonnen hat er mit einem der schwersten Krisenfälle. Ein Rückblick.
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Er sagte zum zum Abschied leise "Dividende": Martin Blessing wollte seinen Vertrag als Commerzbank-Chef nicht verlängern lassen, seit Mai ist Martin Zielke Chef bei Deutschlands zweitgrößter Bank. Blessing konnte sich auf der Hauptversammlung der Commerzbank noch mit einer Ausschüttung von 20 Cent je Aktie verabschieden - die erste Dividende in seiner achtjährigen Amtszeit. Nun zieht es Blessing nach Zürich in den Vorstand der Schweizer Großbank UBS. Seine Bilanz bei der Commerzbank ist durchwachsen ...

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Solange Blessing an der Spitze der Bank stand, herrschte die Krise. Ursache und Wirkung sollte man hier nicht verwechseln. Jedenfalls steht in Summe der Jahre 2008 bis 2015 noch immer ein Konzernverlust von 648 Millionen Euro zu Buche.

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Gleich zu Beginn seiner Amtszeit konnte Blessing sich als Macher präsentieren. Die im September 2008 verkündete Übernahme der Dresdner Bank ließ ihn von einem "zweiten nationalen Champion" (angenommen, die Deutsche Bank sei der erste) fabulieren. Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter (links) war bald weg. Am meisten freute sich über den Deal Allianz-Chef Michael Diekmann (rechts), der die verlustträchtige Dresdner auf den letzten Drücker los wurde. Einer musste die Aufräumarbeit machen, und der stand hier im Bild in der Mitte.

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September 2008? Ja, *der* September 2008. Zwei Wochen nach dem Deal in Frankfurt war Lehman Brothers pleite und die Finanzkrise bekam erst richtig Wucht. Die Commerzbank selbst hatte schon einen Milliardenbetrag an Subprime-Papieren im US-Immobilienmarkt im Feuer, und die gerade übernommene Dresdner noch viel mehr.

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Die Krise beschleunigte die Übernahme noch, aber aus eigener Kraft hätte die Commerzbank den Deal zweifellos nicht überleben können. Als Retter kam der Staat mit bis zu 18,2 Milliarden Euro Kapital - damals wie heute ein Vielfaches des Börsenwerts, und das für nur ein Viertel der Stimmrechte. Der Großteil davon, der als Stille Einlage floss, ist inzwischen wieder beglichen. Der Exit, wie ihn der Fingerzeig Blessings gegenüber Finanzminister Wolfgang Schäuble hier andeutet, ist aber ...

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... immer noch nicht vollzogen. Der Bund ist über seinen Bankenrettungsfonds Soffin mit gut 15 Prozent weiter der größte Aktionär der Commerzbank. Da er sich zum heutigen Kurs nur mit Verlust herausziehen könnte, wird er es wohl auch noch eine Weile über Blessings Abtritt hinaus bleiben.

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Das böse Wort vom "Staatsbanker" Blessing hört man inzwischen seltener. Es hat aber kaum an Wahrheitsgehalt eingebüßt. Dem Steuervolk konnte die Commerzbank noch manch ein Schnippchen schlagen, zum Beispiel indem sie 2010 zugleich einen Milliardengewinn (nach den internationalen Bilanzregeln IFRS) und einen ebensolchen -verlust (nach dem deutschen HGB-Abschluss) auswies. Letzteres diente als Grund, keine Dividende auf die stille Einlage des Staats zu zahlen. Aber ...

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... als Bedingung der Staatshilfe blieb Blessings Gehalt jahrelang auf 500.000 Euro gedeckelt und wurde auch danach nicht in früher von Bankchefs gekannte Höhen gehievt. Zuletzt blockierte der Bund 2015 Blessings Pläne, wenigstens seine Topleute mit höheren Boni zu bedenken: "nicht ausreichend begründet". Autsch.

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Gelungen ist die Integration der Dresdner Bank - auch wenn von den ursprünglichen Ambitionen keine Rede mehr sein kann. Gemessen an der Bilanzsumme, ist die Commerzbank heute kleiner als vor der Übernahme. Trotz des höchsten Turms am Frankfurter Himmel spielt die Commerzbank eher in einer Liga mit KfW und DZ als mit der Deutschen Bank. Mehr Marktbereinigung als nationaler Champion also.

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Das Dresdner-Logo, als "grünes Band der Sympathie" bekannt, wurde 2009 mit dem Commerzbank-Gelb vereint.

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Der neue Markenauftritt steht für ein moderneres und einfacheres Image ...

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... wie auch in den verbliebenen Filialen zu sehen. Blessing verpasste der Commerzbank eine ziemlich klare Strategie mit Fokus auf die deutschen Privatkunden ...

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... vor allem aber die hiesigen Unternehmen, wofür die Kernsparte "Mittelstandsbank" steht. Auch aus Not, zugegeben. Beispielsweise bei dem zeitweise akut pleitebedrohten Autozulieferer Schaeffler ging es um mehr als fünf Milliarden Euro der Commerzbank. Das Engagement für die Rettung zahlte sich, wie in vielen ähnlichen Fällen, für beide Seiten aus.

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Aus anderen Feldern musste sich die Commerzbank - auch auf Druck der EU-Kommission als Auflage für die Genehmigung der Staatshilfe - zurückziehen. Dazu gehört der Immobilienfinanzierer Eurohypo, dessen Komplettübernahme Blessing als Vorstand 2005 noch mitbetrieben hatte, und den er dann teuer abwickelte.

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Etwas überraschend kam 2012 die strategische Wende, die Schiffsbank nicht mehr als Kerngeschäft zu betrachten und zur Abwicklung freizugeben. Aber auch dieser Schritt zahlte sich angesichts der fortgesetzten Branchenkrise aus.

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Die interne Bad Bank ist zwar noch nicht komplett abgewickelt, könnte aber bis zum Ende von Blessings Amtszeit in die Nähe dieses Ziels kommen.

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Mit seinem eher bescheidenen Auftreten setzte Martin Blessing in den vergangenen Jahren einen neuen Ton in der Bankerszene. Gleichwohl konnte er selbst auch schnoddrig auftreten ...

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... bestes Beispiel: Aus der Führung des deutschen Bankenverbands zog er sich 2013 zurück, was als Affront gewertet wurde. Lieber spielte er auf internationaler Bühne, obwohl die Commerzbank geschäftlich fast voll nationalisiert wurde. Nur in Polen blieb eine nennenswerte Auslandstochter (die in der Ukraine wurde gerade noch rechtzeitig verkauft).

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... der Aktienkurs, der nach einigen Zwischenhochs immer weiter treppab weist. Zudem wurde das Kapital der Aktionäre durch zahlreiche Kapitalerhöhungen stark verwässert. Keine Frage: Für Investoren war Blessings Amtszeit ein großes Trauerspiel.

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