Chronologie der Übernahme Wie VW sich Porsche einverleibte

Der ungleich kleinere Sportwagenhersteller Porsche versuchte 2008, den Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Doch Porsche übernahm sich und wurde selbst geschluckt. Die Chronik des Wegs von Porsche zur zwöften Marke im Wolfsburger VW-Konzern.
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25. September 2005: Porsche beteiligt sich mit rund 20 Prozent an VW. Porsche begründet den Einstieg mit gemeinsamen Projekten beider Firmen, wie etwa dem Bau des Geländewagens Cayenne.

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26. Oktober 2008: Porsche kündigt an, seinen Anteil an VW im Jahr 2008 auf 50 Prozent und im Jahr 2009 auf 75 Prozent aufstocken zu wollen und einen Beherrschungsvertrag anzustreben. Der Sportwagenbauer hält zu diesem Zeitpunkt 42,6 Prozent der VW-Stammaktien sowie zusätzliche 31,5 Prozent in Optionen.

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25. März 2009: Porsche sichert sich zur Aufstockung seiner Anteile bei Volkswagen eine neue Kreditlinie von zehn Milliarden Euro.

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6. Mai 2009: Nach einem Treffen der Eigentümerfamilien verzichtet der überschuldete Sportwagenbauer auf eine Übernahme von Volkswagen und will mit dem Wolfsburger Unternehmen stattdessen einen gemeinsamen Konzern gründen.

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23. Juli 2009: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verlässt das Unternehmen. Seine Nachfolge bei der Porsche AG tritt der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht an. Der Porsche-Aufsichtsrat beschließt eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro. Ziel sei es, die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus Porsche und Volkswagen zu schaffen.

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20. August 2009: Die Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume des Sportwagenherstellers in Stuttgart-Zuffenhausen. Ermittelt wird gegen Wiedeking und den ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Später kam heraus, dass auch Privaträume der beiden Manager durchsucht wurden. Zudem gab es Durchsuchungen bei der Maple Bank in Frankfurt, über die Porsche den Einstieg beim VW-Konzern abwickelte.

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25. Januar 2010: Eine Gruppe von Investmentfonds reicht bei einem Bundesgericht in New York Klage gegen die Porsche Automobil Holding sowie Wiedeking und Härter ein. Sie werfen Porsche vor, im Zuge der versuchten Übernahme von Volkswagen die Investoren getäuscht und belogen zu haben und fordern Schadenersatz für entstandene Verluste von mehr als zwei Milliarden Dollar

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29. April 2010: Weitere Investoren schließen sich der Klage in den USA an. Insgesamt beteiligen sich nun 35 Investoren.

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17. November 2010: Das Oberlandesgericht Stuttgart weist die Klage zweier Aktionäre gegen die Beschlüsse der Porsche-Hauptversammlung 2009 ab und bestätigt damit ein Urteil des Landgerichts. Nach Ansicht der Kläger wurden die Aktionäre nicht ausreichend über riskante Wertpapiergeschäfte im Zuge der damals geplanten VW-Übernahme informiert.

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30. Dezember 2010: Das New Yorker Gericht weist die Sammelklage in erster Instanz ab.

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8. September 2011: VW und Porsche teilen mit, dass die angestrebte Verschmelzung bis Ende des Jahres wegen der anhängigen Klagen nicht zu erreichen sei.

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4. November 2011: Die abgesagte Fusion hat Folgen für die Bilanz: Die Porsche Holding muss die Optionsvereinbarung zwischen Porsche und VW auf die restlichen Porsche-Anteile neu bewerten und in den ersten neun Monaten einen Sondereffekt von minus 3,7 Milliarden Euro verbuchen. VW dagegen kann die Summe als Gewinn verbuchen.

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29. Februar 2012: Nach einem Urteil des OLG Stuttgart hat Ferdinand Piech seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt, weil er sich keine Klarheit über die Optionsgeschäfte beim Übernahmeversuch verschafft habe. Piech weist den Vorwurf zurück.

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6. März 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt gegen drei Verantwortliche der Porsche Automobil Holding Anklage wegen des Verdachts des Kreditbetrugs. Darunter ist auch Härter. Ihnen wird vorgeworfen, bei Verhandlungen über eine Anschlussfinanzierung für einen Zehn-Milliarden-Euro-Kredit gegenüber einem beteiligten Kreditinstitut falsche Angaben über die von Porsche gehaltenen Optionen auf VW-Stammaktien gemacht zu haben.

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9. Juni 2012: Es wird bekannt, dass VW einen Weg gefunden hat, Porsche bereits in diesem Jahr steuerfrei zu übernehmen. Durch die Überlassung einer einzelnen Stammaktie gilt der Kauf als Umstrukturierung in einem Konzern. Dadurch wird die Steuerpflicht vermieden. VW kann 1,5 Milliarden Euro an Steuern sparen, die sonst erst bei einer Übernahme nach 2014 entfallen wären.

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27. Juni 2012: In Braunschweig beginnt der erste deutsche Schadenersatzprozess wegen der Kurskapriolen 2008. Insgesamt fordern Anleger in fünf Klagen über vier Milliarden Euro von Porsche und Volkswagen. Das Gericht legt die Hürden für die Kläger jedoch hoch. Eine Verurteilung wegen sittenwidriger Geschäfte wäre «ein schwieriger Akt», sagte der Vorsitzende Richter Stefan Puhle. Eine Entscheidung wird am 19. September erwartet.

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4. Juli 2012: Beide Unternehmen teilen mit, dass VW bereits zum August die zweite Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts übernimmt und dafür 4,46 Milliarden Euro und eine Aktie zahlt.

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