Murdoch spielt Game of Thrones Die größten Firmen-Deals im Juli

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen läuft auf Hochtouren. Mehrere Milliarden-Deals wurden im Juli angekündigt, einige davon mit deutscher Beteiligung. Ein Überblick.
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Aromenhersteller Wild Flavors geht an ADM

Deal: Der Aromenhersteller Wild Flavors, mit Wurzeln in Heidelberg und seit einigen Jahren in der Schweizer Steueroase Zug registriert, geht an den US-Konzern Archer Daniels Midland, der eher auf den Handel mit Agrarrohstoffen spezialisiert ist. Ein japanischer Mitbieter unterlag. Neben Wild persönlich kassiert auch der Finanzinvestor KKR. Da im Juli etliche Milliardendeals angekündigt wurden, reicht es im Ranking der größten Fusionen und Übernahmen weltweit laut Daten von Thomson Reuters nur für Platz 16.

Wert: 2,3 Milliarden Euro

Foto: AP/dpa
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Italiener räumen Einarmige Banditen ab

Deal: Das Glücksspiel scheint es den Firmenjägern angetan zu haben. Schon im Juni gab es einen Groß-Deal um Online-Poker. Nun hat GTech aus Italien, Weltmarktführer im Lotteriegeschäft, sich International Game Technology gesichert. Die Firma aus dem Las-Vegas-Staat Nevada stellt Spielautomaten wie Einarmige Banditen her. Es ist die größte Übernahme durch ein italienisches Unternehmen in diesem Jahr, noch vor dem Fiat-Chrysler-Deal - global im Juli aber nur Rang 10.

Wert: 4,54 Milliarden Euro

Foto: Sam Kang Li/ AP
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Chemieindustrie im Lithium-Rausch

Deal: Der US-Chemiekonzern Rockwood ist zum weltgrößten Produzenten von Lithium aufgestiegen, auch aus vor Jahren gekauften Resten der deutschen Metallgesellschaft. Jetzt gibt es einen Run auf den Rohstoff, der vor allem in Lithium-Ionen-Akkus eingesetzt wird, die neben allerlei tragbaren Rechnern in Zukunft auch Autos antreiben sollen. Der ursprünglich auf Benzinprodukte spezialisierte Wettbewerber Albemarle versucht seit Jahren, eigenen Lithiumabbau in Gang zu bekommen. Der Kauf von Rockwood würde das entscheidend beschleunigen.

Wert: 4,54 Milliarden Euro

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Chinas Börsenbroker fusionieren

Deal: Die Börseneuphorie der vergangenen Jahre hat das chinesische Volk wieder verlassen. Jetzt sind bei den Aktienbrokern Größenvorteile gefragt. Shenyin & Wanguo aus Shanghai übernimmt den Branchenpionier Hongyuan Securities aus Peking.

Wert: 4,76 Milliarden Euro

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Bell will Aktionäre loswerden

Deal: Der Name Bell geht auf den Erfinder Alexander Graham Bell zurück, der das Telefon vermarktete. Seine nordamerikanische Monopolgesellschaft wurde später zerschlagen, AT&T oder Verizon sind immer noch riesige Überbleibsel. In Kanada ist Bell vor allem von Bell Canada vertreten. Die will nun mit ihren Beteiligungen aufräumen und die in den Atlantikprovinzen operierende Regionalgesellschaft Bell Aliant von der Börse nehmen. Die Dividenden sollen für Investitionen ins Breitbandnetz und die Abwehr vom Staat geförderter neuer Wettbewerber gesteckt werden, statt sie mit Minderheitseignern zu teilen und denen auch noch zeitweise sinkende Margen zu erklären.

Wert: 4,76 Milliarden Euro

Foto: REUTERS
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Amerikas Discounter haben es schwer

Deal: In der Großen Rezession ab 2007 waren Ein-Dollar-Läden in den USA schwer angesagt. Jetzt brechen ihnen aber die Umsätze weg. Nicht, weil die Kundschaft plötzlich reich geworden wäre - im Gegenteil: Die ärmsten Amerikaner werden selbst im Aufschwung noch ärmer, sodass sie sogar ihre Einkäufe beim Discounter einschränken. Im Preiskampf mit Riesen wie Wal-Mart schließen sich jetzt die Ketten Dollar Tree und Family Dollar Stores zusammen.

Wert: 6,7 Milliarden Euro

Foto: AFP
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Murdoch verschiebt Bezahlsender Sky

Deal: Eine Beteiligung wird innerhalb des Medienreichs von Rupert Murdoch verschoben. Dessen Konzern 21st Century Fox verkauft den Bezahlsender Sky Italia komplett und seinen Mehrheitsanteil an Sky Deutschland an die eigene britische Tochter BSkyB, vermittelt über ein Vehikel namens "Kronen tausend985 GmbH". Der Sinn der Aktion? Wird sich erst an der Spitze des Übernahmerankings erschließen.

Wert: 7 Milliarden Euro

Foto: Patrick Seeger/ dpa
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Ein europäischer Riese für Einkaufszentren

Deal: Franzosen und Niederländer scheinen in der Immobilienentwicklung gut zusammenzupassen. Im Geschäft mit Gewerbeimmobilien, vor allem Einkaufszentren, hat sich Unibail-Rodamco als Marktführer etabliert. Jetzt entsteht ein neuer, ähnlich großer Konzern, der voll auf Malls spezialisiert ist. Der französische Konsumtempelbetreiber Klépierre will den niederländischen Wettbewerber Corio kaufen. Die Aktionäre beider Seiten sind begeistert, zumal die Holländer einen kräftigen Aufschlag auf ihren Aktienkurs bekommen.

Wert: 7,1 Milliarden Euro

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Zug um Zug auf dem Zigarettenmarkt

Deal: Der US-Tabakkonzern Reynolds, bekannt für Marken wie Camel, steht gleich dreimal auf der Thomson-Reuters-Liste für Juli. Von den britischen Wettbewerbern Imperial Tobacco und British American Tobacco, letzterer bereits Reynolds-Großaktionär, fließt Geld für Anteile. Das hilft Reynolds bei einem bedeutend größeren Gebot für den US-Rivalen Lorillard. Der hat neben der Marke Newport auch elektronische Zigaretten im Programm, die Rauchern beim Entzug vom Nikotin und den Konzernen beim Entzug von den langfristig schwindenden Zigarettenerlösen helfen sollen. Genug Cash werfen die offenbar noch ab.

Wert: 20,2 Milliarden Euro

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS
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Frankreichs Telefonrebell wirbt um Telekom-Tochter

Deal: Xavier Niel ist einer der reichsten Franzosen, und einer der schillerndsten Unternehmer. Mit seiner Firma Iliad profiliert er sich als Robin Hood der Mobilfunkkunden, weil er die Preise der etablierten Anbieter bricht. Zum Monatsende hat er Interesse an T-Mobile USA bekundet. Die Deutsche Telekom will die US-Mobilfunktochter seit langem loswerden, frühere Deals scheiterten aber an den Kartellwächtern. Deshalb wagt sich auch Wettbewerber Sprint nicht aus der Deckung, der dem Vernehmen nach mehr bieten würde als Iliad.

Wert: 24,3 Milliarden Euro

Foto: RICK WILKING/ REUTERS
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Rupert Murdoch spielt das "Game of Thrones"

Deal: Hier löst sich das Rätsel um den bereits erwähnten Handel mit Sky TV auf. Eigner Rupert Murdoch braucht Geld, das die Tochtergesellschaft BSkyB hat, in den Kassen des Konzerns 21st Century Fox. Der umgarnt den Rivalen Time Warner. Es wäre der größte Medien-Deal seit dem Jahr 2000, als Time Warner das damals völlig überbewertete America Online kaufte. Noch ziert sich der vergleichsweise liberal ausgerichtete Wettbewerber gegenüber dem erzkonservativen Angreifer. Um Ideologie geht es dabei aber weniger als um Geld. Mit Hilfe der Verschiebung von Sky Deutschland könnte Murdoch sein Gebot aufstocken. Ein Zug wie aus der Serie "Game of Thrones" des Time-Warner-Senders HBO.

Wert: 70 Milliarden Euro

Foto: ADRIAN SANCHEZ-GONZALEZ/ AFP
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