New York in der Calatrava-Falle Eine Haltestelle für vier Milliarden Dollar

Kostenexplosion bei öffentlichen Großbauten, das können nicht nur die Deutschen. New York erlebt ein Debakel mit der Bahnstation für das neue World Trade Center - nicht das einzige unter Beteiligung von Stararchitekt Santiago Calatrava ...
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Ein eleganter Schwung, strahlendes Weiß, ein an eine Tiergestalt erinnerndes Gerippe aus Stahlbeton: So kennt man die Entwürfe des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Wie ein Vogel soll der Eingangsbereich der Bahnstation am neuen World Trade Center in New York ...

Foto: Santiago Calatrava
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... seine Flügel öffnen und schließen können. Aus Sicherheitsgründen musste die Zahl der Rippen allerdings verdoppelt werden, sodass die Struktur namens "The Oculus" nicht mehr ganz so leicht wirkt. Das ist längst nicht der einzige Grund, warum die Kosten des Projekts ...

Foto: Santiago Calatrava
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... in zehn Jahren von geschätzten zwei Milliarden Dollar sich auf knapp vier Milliarden Dollar verdoppelten - Stand heute laut "New York Times". Die Eröffnung ist für 2015 geplant. Vom Passagieraufkommen her ...

Foto: Santiago Calatrava
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... dürfte es dann nicht viel voller werden als in Calatravas Entwürfen. Die existierende provisorische Station der Vorortline "Path" bewältigt 30.000 Fahrgäste täglich. Die säulenlose Halle von "The Oculus" wird hauptsächlich für ein Einkaufszentrum gebraucht.

Foto: Santiago Calatrava
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Den Bau erschwerten Wünsche von Politikern. So verlangte der damalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 müsse die Gedenkstätte am Ground Zero fertig sein. Für die darunter liegende Station hieß das: Erst das Dach bauen, dann den Rest. Zudem musste zum Aufpreis von 355 Millionen Dollar um eine bestehende U-Bahn-Linie herum gebaut werden, deren Betrieb nicht unterbrochen werden durfte.

Foto: Joe Woolhead
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Doch auch Architekt Calatrava erhöhte die Rechnung mit Sonderwünschen. Die für seinen Entwurf nötigen Stahlelemente konnten nur von spezialisierten Herstellern aus Italien und Spanien bezogen werden. So schön wie sein Entwurf wird der fertige Bahnhof dennoch nicht: Um den Brandschutzüberzug der Säulen im Zwischengeschoss zu glätten, fehlte das Geld.

Foto: Joe Woolhead
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Das nebenan stehende One World Trade Center, im November als höchstes Bauwerk Amerikas eröffnet, hat sich ebenfalls verteuert - aber vergleichsweise moderat: von 3,1 auf 3,9 Milliarden Dollar. Die Bahnstation im Keller dürfte den Prestigebau übertrumpfen.

Foto: Andrew Burton/ AFP
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Ebenfalls im November ging nebenan bereits eine ähnlich spektakuläre Haltestelle mit angeschlossenem Einkaufszentrum in Betrieb. Den Knotenpunkt Fulton Center mit vier einzelnen Haltestellen passieren gleich zehn Linien der städtischen U-Bahn, die Station kostete 1,4 Milliarden Dollar.

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS
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Ansonsten tritt die Subway, das 150 Jahre alte Hauptverkehrsmittel New Yorks, weitaus weniger glamourös auf. Gut passt der Milliardenbau am World Trade Center dagegen ...

Foto: Getty Images
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... zu den sonstigen Werken Calatravas, wie dem Kunstmuseum der US-Stadt Milwaukee, dessen Dach sich ebenfalls öffnet und schließt - mit Sonnenauf- und -untergang. In New York gab es Bedenken über die aufwändige Technik. Doch als Kinder in Milwaukee der Dachschließung applaudierten, sagte ein Behördenchef dem Architekten laut "Times": "Gut, Santiago, Sie bekommen Ihre verdammten Flügel."

Foto: Corbis
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Architekturkritiker merken an, dass Calatrava-Bauten zunehmen zu gleichförmigen, weltweit eingesetzten Handelswaren wären, ohne dem Ort noch etwas Besonderes zu bieten. Brücken wie diese in Sevilla stehen auch in Buenos Aires, Dallas, Rotterdam oder Bilbao. Gemeinsam ist vielen der Bauten auch, dass sie unpraktisch sind und viel teurer als versprochen ...

Foto: Mondadori via Getty Images
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Seiner Heimat Valencia hat Calatrava eine ganz neue "Stadt der Künste und Wissenschaften" rund um den Palau de les Arts beschert. Heute gilt das Milliardenprojekt in der höchstverschuldeten Region Spaniens als Sinnbild für die Fehlentwicklungen vor der Immobilienkrise. Das Bild entstand 2005 vor der Eröffnung des Kunstpalastes, inzwischen strahlt die Fassade nicht mehr so und das Gebäude musste zwischenzeitlich geschlossen werden. Einer der vier Opernsäle wurde ohnehin nie genutzt, andere leiden unter schlechter Akustik. Die Stadt verklagt ihren berühmten Sohn Calatrava.

Foto: REUTERS
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Im schwedischen Malmö hinterließ Calatrava den "Turning Torso", den höchsten Turm Skandinaviens. Gedacht als "sozialdemokratischer Turm" für ein städtisches Wohnprojekt, kostete der Torso die örtliche Baugenossenschaft dreimal so viel wie geplant - den Eignern blieb nichts anderes übrig, als die Wohnungen doch als Luxusobjekte zu vermarkten.

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Zu den Städten, die gegen Calatrava vor Gericht ziehen, zählt auch Venedig. Die Ponte della Costituzione über den Canal Grande ist nicht nur ästhetisch umstritten. Sie gilt auch als überaus rutschig und instabil auf Venedigs Untergrund. Ständig müssen die handgemachten Bodenplatten ausgetauscht werden, die Kosten haben sich vervielfacht.

Foto: © Manuel Silvestri / Reuters/ REUTERS
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