Norwegen, Schweiz, Kanada oder einfach nur WTO Vier Modelle für die britisch-europäische Zukunft

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat für Dienstag Details zu ihren Brexit-Plänen angekündigt. Diese Modelle werden derzeit diskutiert.
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Das "Leave"-Lager feiert. Doch was genau das Brexit-Votum für das zukünftige Verhältnis Großbritanniens zur EU bedeutet, ist unklar. Noch im Frühjahr 2017 dürfte die britische Regierung dem Europäischen Rat ihren Austrittswillen bekunden. Beide Seiten haben dann nach Artikel 50 des EU-Vertrags zwei Jahre Zeit, sich auf ein Abkommen zu einigen. Danach würden alle europäischen Verträge ihre Gültigkeit für die Briten einfach verlieren.

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Den Zugang zum Binnenmarkt will die britische Wirtschaft bislang nicht riskieren. Ein Vorbild wäre Norwegen, das sich in einer Volksabstimmung gegen den EU-Beitritt entschied - aber Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum ist. Das bedeutet kein Stimmrecht in den EU-Organen, aber Übernahme aller Regeln, auch zur Einwanderung. Sogar in die Regionalförderung der armen EU-Staaten zahlt Norwegen große Summen ein. Die "Leave"-Kampagne schloss die norwegische Option frühzeitig aus, daran hat sich bis heute nichts geändert.

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Der britische Finanzminister Philip Hammond hat vor der Rede seiner Chefin Theresa May schon mal selbstbewusstere Töne angeschlagen. Sollte die EU Großbritannien den Zugang zum Binnenmarkt verweigern, werde Großbritannien Alternativen entwickeln. "Das britische Volk wird sich nicht niederlegen und sagen: 'Was für ein Jammer, wir sind verwundet.' Wir werden unser Modell ändern, und wir werden zurückkommen, und wir werden uns dem Wettbewerb stellen", sagte er Mitte Januar der "Welt am Sonntag".

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Etwas freier ist die Beziehung der Schweiz zur EU, von der sie rundum umgeben und mit der sie noch enger verflochten ist als die Briten. Um die Teilnahme der Schweizer am Binnenmarkt zu erleichtern, sind rund 120 einzelne Abkommen nötig, die ständig angepasst werden müssen - und auch die Schweizer überweisen Geld an die EU, wenn auch weniger als die Norweger. EU-Diplomaten halten es für unwahrscheinlich, dass die Union sich nochmals auf ein so komplexes Gebilde einlassen würde. Deshalb hat May auch diese Option gleich ausgeräumt.

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Die Türkei beklagt sich oft, seit Jahrzehnten mit dem Status als EU-Beitrittskandidat an der Nase herumgeführt zu werden. Immerhin ist Erdogans Staat Teil der Zollunion mit Europa. Zwischen der EU und der Türkei können Waren also zollfrei gehandelt werden, dafür gilt gegenüber Drittstaaten der von der EU verhängte Außenzoll. Das Minimalprogramm der Integration, könnte man meinen. Doch auch diese Option schließt Theresa May nun aus.

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Das Wunschbild vieler Brexiteers ist eine privilegierte Partnerschaft mit der EU durch ein Handelsabkommen - so wie das mit Kanada verabredete Ceta. In dem Interview mit der "Welt am Sonntag" brachte Finanzminister Philip Hammond explizit dieses Handelsabkommen ins Gespräch, genauso wie das jüngste Abkommen der EU mit Südkorea. Wichtig für die Londoner City als größtem europäischem Finanzzentrum wäre allerdings, dass anders als bei Ceta auch Dienstleistungen geregelt werden. Ohnehin ist der Appetit der Europäer auf derartige Abkommen derzeit gering - und jeder der 27 Rest-Staaten kann ein Veto einlegen.

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Wenn alles schiefläuft, würde der EU-Handel, der noch 40 Prozent des britischen Außengeschäfts ausmacht, wohl trotzdem nicht komplett zusammenbrechen. Zumindest die Regeln der Welthandelsorganisation gelten weiterhin für beide Seiten. Als Vorbild könnte man Überseestaaten wie Neuseeland ansehen, ein Sehnsuchtsort vieler Briten - außer vielleicht der Londoner Banker, die um ihre EU-"Passporting"-Rechte fürchten.

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