Brasilien in der Einzelkritik Hier ist Neymar! Wo ist Fred?

Trainer Luiz Felipe Scolari hatte im Vorfeld versucht, Druck von seinem Superstar Neymar zu nehmen. Das sahen die Chilenen anders. Probleme bereitete Scolari hingegen eine Umstellung im Mittelfeld - und seine Offensive. Brasilien in der Einzelkritik.
1 / 14

Júlio César (Tor, Toronto FC): Dass der Keeper eine wichtige Rolle gegen die stürmischen Chilenen spielen würde, war schon vor Anpfiff klar gewesen. Bereits nach gut zehn Minuten hatte er auch zweimal zugegriffen. Beim Gegentreffer durch Alexis Sánchez ließen ihn seine Vordermänner im Stich, zudem musste er in der ersten Hälfte gegen die Sonne schauen. Behielt im Chaos vor seinem Tor kurz vor der Pause die Nerven und bewahrte sein Team in der 64. Minute mit einer starken Parade gegen Aranguiz vor dem Rückstand. Hatte in der Verlängerung bei Mauricio Pinilla großes Glück, dass der Ball an die Latte ging. Hielt dann den Elfmeter von eben jenem Pinilla - und den nächsten von Sánchez. Unglaublich. Sicherte seinem Team das Viertelfinale.

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP
2 / 14

Dani Alves (Abwehr, FC Barcelona): Weil sich Brasilien über seine Außenbahn bereits zwei Kontertore gefangen hatte, war lange unklar, ob Trainer Luiz Felipe Scolari ihn gegen Chile aufstellen würde. Der Verteidiger leistete sich auch gleich zu Beginn einen gefährlichen Ballverlust, konnte sich aber auf seine Abwehrkollegen verlassen. Mit seinem Fernschuss kurz vor der Pause sorgte er selbst für Torgefahr, auch sonst versuchte er immer wieder, den Ball mit schnellen Antritten nach vorne zu bringen. Das letzte bisschen Souveränität fehlte ihm zunächst, der 31-Jährige wurde paradoxerweise mit Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung sicherer.

Foto: DYLAN MARTINEZ/ REUTERS
3 / 14

Thiago Silva (Abwehr, Paris St. Germain): "Wir wollen unser Land glücklich machen", hatte der Kapitän vor dem Spiel gesagt, doch zunächst blieb er eher unauffällig. Bis er im richtigen Moment am richtigen Platz stand: Mit seinem Kopfball bereitete er nach Neymars Ecke das 1:0-Eigentor durch Jara vor. Kam vor dem Gegentreffer durch Sánchez einen Schritt zu spät – allerdings hatten zuvor schon Hulk und David Luiz geschlafen. Hatte vor allem in der zweiten Hälfte Probleme, seine Mannschaft von hinten heraus zu sortieren.

Foto: Dennis Sabangan/ dpa
4 / 14

David Luiz (Abwehr, FC Chelsea): Der Defensivmann machte in der zentralen Verteidigung einen sichereren Eindruck als zuletzt, vor allem im Spielaufbau zeigte er ein gutes Auge für kleine Löcher im chilenischen System. Ließ sich für das 1:0 feiern, obwohl er gar nicht zuletzt am Ball gewesen war. Das war seinen Mannschaftskollegen aber ziemlich egal. Wirkte selbst manchmal etwas zu abwartend, stachelte seine Mitspieler in der Schlussphase dafür umso mehr an. War in der Verlängerung einer der sichersten Brasilianer. Verwandelte den ersten Elfmeter.

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS
5 / 14

Marcelo (Abwehr, Real Madrid): Der Real-Verteidiger sorgte in der Anfangsphase für den ersten Torschuss der Brasilianer. Auch sonst glänzte er eher in der Offensive als in der eigenen Hälfte. Die meisten brasilianischen Angriffe liefen über seine Seite, er unterstützte Neymar, den die Mannschaft mit ihren Anspielen die ganze Zeit suchte. Hohe körperliche Präsenz auf dem Platz, auch noch in der Verlängerung. Brachte Brasilien mit seinem Elfmeter in Führung.

Foto: Jose Coelho/ dpa
6 / 14

Fernandinho (Mittelfeld, Manchester City, bis zur 72. Minute): Sogar sein Vater hatte sich dafür eingesetzt, dass er nach seiner Leistung im Spiel gegen Kamerun in die Startaufstellung gehöre. Scolari hörte auf ihn und die brasilianischen Medien und ließ den ManCity-Mann für Paulinho auflaufen. Das Vertrauen seines Trainers wollte er von Beginn an rechtfertigen, übernahm sich dabei allerdings. War auf seiner rechten Mittelfeldseite nicht so effektiv wie Luiz Gustavo, auch, weil das Spiel vor allem in der ersten Halbzeit über links stattfand. Danach hatte Chiles Trainer Jorge Sampaoli ihn als Schwachstelle ausgemacht, nach Wiederanpfiff versuchte es dessen Team vornehmlich über Fernandinhos Seite. Scolari reagierte und brachte 20 Minuten vor Schluss Ramires.

Foto: Buda Mendes/ Getty Images
7 / 14

Ramires (Mittelfeld, FC Chelsea, ab der 72. Minute): Der Chelsea-Spieler sollte die Lücken und Unsicherheiten beseitigen, die Fernandinho zurückgelassen hatte. Doch auch weiterhin lief das chilenische Spiel meist über diese Seite – wohl auch, weil der Gegner versuchte, Neymar möglichst selten an den Ball kommen zu lassen. War mehr damit beschäftigt, die Partie in die Verlängerung zu retten, als das Spiel aufzubauen.

Foto: Jeff Gross/ Getty Images
8 / 14

Luiz Gustavo (Mittelfeld, VfL Wolfsburg): Der Sechser hatte am Tag zuvor das Training abbrechen müssen, doch rechtzeitig zu diesem wichtigen Einsatz war er wieder fit. Sein Tempodribbling bescherte Brasilien nach einer knappen Viertelstunde den ersten Freistoß vor Bravos Tor, und auch sonst war der 26-Jährige in der Zentrale ein Mitgrund für das schnelle Umschaltspiel seiner Mannschaft. Verlor seine Konzentration auch nach den regulären 90 Minuten nicht. Für ein Foul an Arturo Vidal sah er Gelb und wird Brasilien im Viertelfinale fehlen.

Foto: Getty Images
9 / 14

Hulk (Mittelfeld, Zenit St. Petersburg): Gegen die körperlich starken Chilenen sollte der mächtige Angreifer von Zenit St. Petersburg aushelfen; Scolari hatte im Vorfeld extra Kopfbälle und hohe Flanken üben lassen, um die Chile-Abwehr überwinden zu können. Startete nach knapp vier Minuten das erste Mal auf der linken Seite durch, blieb aber in der chilenischen Abwehr hängen. Wenig später versuchte er es direkt, der ungefährliche Schuss landete aber in den Armen von Claudio Bravo. Weil es so nicht klappte, wollte er von Schiedsrichter Howard Webb gern einen Elfmeter haben, aber der Brite blieb souverän. Leistete sich einen groben Fehler, als er einen unachtsamen Pass an der eigenen Eckfahne auf Vargas spielte – 1:1. Sah für sein Handspiel vor dem nicht gegebenen Treffer Gelb, eine korrekte, aber harte Entscheidung von Webb. Fand auch in der Verlängerung noch Kraftreserven. Scheiterte mit seinem Elfmeter an Bravo.

Foto: Buda Mendes/ Getty Images
10 / 14

Oscar (Mittelfeld, FC Chelsea, bis zur 106. Minute): Noch kurz vor der WM war der 22-Jährige für seine mäßigen Auftritte in der Vorbereitung heftig kritisiert worden - dann war er im Eröffnungsspiel gegen Kroatien einer der stärksten Brasilianer auf dem Platz. Auch gegen Chile war der Offensivspieler vom FC Chelsea sich für nichts zu schade und war mitverantwortlich für das enorme Pressing seiner Mannschaft. Versuchte sich im Doppeltricksen mit Neymar, wenn auch nicht ganz so gewitzt. Vertändelte mehrere Bälle im gegnerischen Strafraum, auch sein Kopfball auf Bravo in der Verlängerung war zu harmlos. Musste die zweite Hälfte der Verlängerung von der Bank aus sehen.

Foto: AP/dpa
11 / 14

Willian (Mittelfeld, FC Chelsea, ab der 106. Minute/Archiv): Ersetzte zur zweiten Hälfte der Verlängerung seinen Londoner Teamkollegen Oscar. Setzte seinen Elfmeter neben Bravos Tor.

Foto: PEDRO UGARTE/ AFP
12 / 14

Neymar (Mittelfeld, FC Barcelona): Scolari hatte versucht, im Vorfeld Druck von dem 22-Jährigen zu nehmen – aber Chile war von Beginn an auf das Gegenteil bedacht. Schon nach wenigen Minuten wurde der Barcelona-Star gefoult und musste behandelt werden, immer wieder griff er sich danach ans Knie. Seinen spielerischen Fähigkeiten tat das aber keinen Abbruch, gerne nahm er es im gegnerischen Strafraum mit vier Chilenen auf und ließ sie über seine Kunstfertigkeit staunen. Schaffte es mehrfach, in den Strafraum einzudringen, dort fehlte es ihm allerdings an Glück und Präzision. Bereitete mit seiner Ecke den Führungstreffer vor und spielte auch danach etliche Chancen heraus, machen konnten weder er noch seine Kollegen etwas daraus. Stach in der zweiten Hälfte weniger hervor, und sofort sackte das Spiel seiner Mannschaft sichtbar in sich zusammen. Trat zum entscheidenden Elfmeter an - und versenkte. Druck? Nö.

Foto: Buda Mendes/ Getty Images
13 / 14

Fred (Sturm, Luminense, bis zur 64. Minute): Kritiker behaupten, Fred sei einer der schlechtesten brasilianischen Mittelstürmer der vergangenen Jahrzehnte. Nachdem er gegen Kamerun getroffen hatte, war es gegen Chile erneut nicht er, der für echte Gefahr sorgte. Immer wieder verlor er Bälle, das Spiel nach hinten schien ihn nicht wirklich zu interessieren. Eine hervorragend herausgearbeitete Vorlage von Neymar schoss er in der 36. Minute aus kurzer Entfernung übers Tor. Litt aber auch darunter, dass Chiles Gary Medel ihn extrem eng deckte – und seine Mannschaft lieber Neymar bediente als ihn. Scolari schickte ihn in der 63. Minute vom Platz.

Foto: MARTIN BERNETTI/ AFP
14 / 14

Jô (Sturm, Atlético Mineiro, ab der 64. Minute): Auch Freds Ersatzmann gilt in Brasilien nicht gerade als herausragender Mittelstürmer. Aber nach der schwachen Vorstellung Freds könnte es mit Jô nur besser werden, dachte sich Scolari offenbar. Doch auch der Stürmer von Atletico Mineiro zeichnete sich nicht gerade durch ausgeprägten Torinstinkt aus. An einer gut platzierten Hereingabe von Hulk stolperte er vorbei.

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS