Börsenjahr 2016 Die Gewinner und Verlierer im Dax

Kurscrash, Brexit, Trump-Wahl, Aufholjagd: Nach tiefem Sturz hat der Dax 2016 ein Comeback hingelegt - aber nicht alle Aktien. Die Übersicht zeigt die Tops und Flops.
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Platz 30: Eon

Während Ex-Finanzvorstand Klaus Schäfer mit dem abgespaltenen Kraftwerksbetrieb Uniper den Börsenbullen reiten darf, geht es dem Rest von Eon schlecht. Mit minus 25 Prozent Jahresperformance (Stand: 30. Dezember 2016, Xetra-Schluss) ist die Aktie das Schlusslicht im Dax - trotz des neuen Fokus auf Zukunftsgeschäft um Ökostrom und Netze. Der Konzern rechnet mit Rekordverlust und negativem Eigenkapital.

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Platz 29: Commerzbank

Einen schlechten Start erwischte auch Commerzbank-Chef Martin Zielke. Nach seinem Amtsantritt im Mai notierte die Aktie im Juli auf einem Allzeittief. Die erste Dividende seit 2007, mit der sich Vorgänger Martin Blessing gen Schweiz verabschiedete, könnte ein einmaliges Ereignis darstellen. Die Aktie verlor auf Jahressicht 24,3 Prozent.

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Platz 28: Deutsche Bank

Nicht einmal eine Dividende konnte die Führung um John Cryan und Paul Achleitner zahlen. So gesehen, untertreibt der Kursverlust von 23,4 Prozent noch das Leid der Aktionäre. Immerhin: Seit dem Rekordtief von 9,90 Euro im September, als ernsthaft über eine Notverstaatlichung geredet wurde, ist die Aktie wieder um 74 Prozent gestiegen.

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Platz 27: ProSiebenSat1

Das Fernsehen musste wohl erst aus der Mode kommen, um dann wiederentdeckt zu werden und den ersten Medienkonzern in die erste Börsenliga zu bringen. Im Jahr des Dax-Aufstiegs verbuchten die ProSieben-Aktionäre jedoch 21,7 Prozent minus. Wer jetzt kauft, bekommt dafür mit erwarteten 5,3 Prozent die höchste Dividendenrendite.

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Platz 26: Continental

Nach dem Höhenflug in den Vorjahren gab es 2016 eine Korrektur. Der Wert des Autozulieferers sank um 18 Prozent. Die Schaeffler-Familie darf sich als Großaktionäre in Hannover dennoch zu den reichsten Deutschen zählen.

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Platz 25: Lufthansa

"Lufthansa-Aktie hebt ab" zählt zu den Lieblingsklischees der Börsenjournalisten. Aber dann kommt immer ein Pilotenstreik oder etwas anderes dazwischen. Die Airline macht große Fortschritte beim Konzernumbau mit dem Billigableger Eurowings. Nach Börsenwert ist sie aber der schwächste Dax-Titel, und 2016 ging es um weitere 15,8 Prozent abwärts.

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Platz 24: Bayer

Neu-CEO Werner Baumann (hier links mit Monsanto-Chef Hugh Grant) konnte sich gleich mit dem Deal des Jahres schmücken: Für 66 Milliarden Dollar kauft Bayer die US-Firma und wird damit zur Nummer eins der globalen Agrochemie. Den Status als wertvollste deutsche Aktiengesellschaft hat der bisherige Pharmaspezialist aber verloren. Das Börsenjahr geht mit minus 14,4 Prozent zu Ende.

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Platz 23: BMW

Es gibt einen Grund, warum die Quandts die reichsten Deutschen sind - und der heißt BMW. Zum 100jährigen Jubiläum erhöhte der Autobauer seine Dividende um 10 Prozent auf 3,20 Euro je Aktie, ein Segen auch für die Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt. Da brauchen sie nicht auf den Kurs schauen, der 2016 um 9,1 Prozent nachgab. In der Oberklasse gab es einen Überholer ...

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Platz 22: Daimler

Prestigemäßig war 2016 ein gutes Jahr für die Stuttgarter. Mercedes-Benz ist erstmals seit 2005 die meistverkaufte Premiummarke, Konzernchef Dieter Zetsche konnte sich mit der Elektromarke EQ schmücken und sogar den Grünen-Parteitag bezirzen. Andererseits kriselt das wichtige Lkw-Geschäft und die vorher starke Rendite lässt nach. Mit dem Kursverlust von 8,8 Prozent wird die Daimler-Aktie wieder für Dividendenjäger attraktiv. Kein Dax-Konzern schüttet mehr Geld an die Aktionäre aus.

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Platz 21: Deutsche Börse

Die Großfusion mit der London Stock Exchange steht nach dem Brexit-Votum der Briten unter starken Zweifeln. Die offiziell "zum Umtausch eingereichten" Aktien der Deutschen Börse notieren 4,7 Prozent schwächer als im Januar 2016.

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Platz 20: Beiersdorf

Wenn sie eine Aktie suchen, mit der Sie ruhig schlafen können ... die gibt es nicht. Aber es gibt die Anteilsscheine des Nivea- und Tesa-Konzerns aus Hamburg, die 2016 zwar unterm Strich 4,2 Prozent verloren, aber praktisch gar nicht auf und ab schwankten. Kurstechnisch eine "Seitwärtsbewegung", wenn auch auf hohem Niveau: der Börsenwert ist 27-mal so hoch wie der erwartete Jahresgewinn.

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Platz 19: Allianz

Wenn er dürfte, würde Oliver Bäte das Geld der Allianz-Versicherten wohl hauptsächlich in Allianz-Aktien anlegen. Dann bräuchte er nicht über Niedrigzinsen maulen, denn seine eigenen Titel versprechen nach einem Kursverlust um 4 Prozent in Bätes erstem vollen Amtsjahr als Konzernchef eine attraktive Dividendenrendite von 4,7 Prozent. Mehr als drei Milliarden Euro jährlich bleiben für die Aktionäre übrig.

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Platz 18: Munich Re

Der dienstälteste Chef eines Dax-Konzerns tritt im kommenden April ab. Rückversicherer Nikolaus von Bomhard ist eine Ikone der konservativen Geldelite. Mag der Firmenwert im abgelaufenen Jahr auch um 2,7 Prozent gesunken sein, seit Bomhards Amtsantritt ist er um 87 Prozent gewachsen - die stets üppige Dividende nicht mitgerechnet.

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Platz 17: Deutsche Telekom

20 Jahre nach dem Börsengang notiert die T-Aktie, die Millionen Deutschen das Aktieninvestment ein für allemal verleidet hat, höher als damals - trotz eines Minus von 2 Prozent auf Jahressicht. Einen weiteren Geldsegen verheißt der doch wieder mögliche Verkauf der US-Tochter T-Mobile von Managerrebell John Legere - der hier nicht etwa gegen börsengehandelte Fonds (Exchange-Traded Funds, ETF) Stimmung macht, sondern gegen Gebühren beim vorzeitigen Vertragswechsel (Early Termination Fees, ebenso ETF).

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Platz 16: Volkswagen

Relativer Gewinner unter den Autoherstellern ist der Konzern, der sich in mehrerer Hinsicht vom Dieselgate-Crash des Jahres 2015 erholen muss. Erfolgsverwöhnt wie früher ist Volkswagen noch lange nicht, sortiert sich aber allmählich neu. Für die Performance der Vorzugsaktien bedeutet das minus 0,3 Prozent auf Jahressicht.

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Platz 15: RWE

Als größter Verlierer des Vorjahres mit damals 54 Prozent Wertverlust ist es schon ein Erfolg, im Mittelfeld der Dax-Skala zu landen - verglichen mit Wettbewerber Eon, umso mehr. RWE brachte die Ökostrom-Tochter Innogy mit erfolgreicher Kapitalerhöhung an die Börse - das größte IPO im Land seit 2000. Der Mutterkonzern schaffte es trotz Dividendenausfall in die Gewinnerhälfte mit plus 0,9 Prozent.

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Platz 14: Fresenius Medical Care

Im August markierte die Aktie des Dialysespezialisten ein Allzeithoch. Das Unternehmen, das weit überwiegend in den USA Geschäfte macht, steht vor großer Unsicherheit, weil Präsident Trump die Krankenversicherung Obamacare abwickeln will. Für 2016 steht die FMC-Aktie 3,5 Prozent im Plus - leicht hinter den 6,9 Prozent Jahresgewinn für den Dax, in den allerdings neben den Aktienkursen auch die ausgezahlten Dividenden eingerechnet werden.

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Platz 13: Vonovia

Als Deutschlands größter Vermieter setzt der 2015 in den Dax aufgenommene Wohnungskonzern Vonovia seinen Wachstumskonzern fort. Beim Übernahmeziel Deutsche Wohnen blitzte das Bochumer Unternehmen zwar ab, verleibte sich stattdessen aber die kleinere Conwert ein. Die Aktie gewann 8,2 Prozent.

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Platz 12: Henkel

Der langjährige Henkel-Chef Kasper Rorsted verabschiedete sich mit einem Rekordhoch der Aktie - in Richtung eines anderen Dax-Konzerns, auf den wir noch zu sprechen kommen. Nachfolger Hans van Bylen stärkte die Waschmittelsparte mit dem US-Zukauf Sun Products. Die Henkel-Aktie verbuchte 9,7 Prozent Plus.

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Platz 11: Merck

Etwas ruhigere Bahnen als zuvor zog der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern, der 2014 das Dax-Ranking angeführt und die Multi-Milliarden-Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich eingefädelt hatte. Die beginnt sich jetzt in steigenden Gewinnen auszuzahlen. Die Merck-Aktionäre haben davon 10,7 Prozent Kursplus.

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Platz 10: Fresenius

200.000 Beschäftigte, in zehn Jahren vervierfachter Börsenwert - der unglaubliche Aufstieg des Bad Homburger Unternehmens zum führenden Gesundheitskonzern war die richtige Referenz, um Ulf Schneider für den Chefposten beim Weltkonzern Nestlé zu empfehlen. Nachfolger Stephan Sturm macht den nebenbei größten Krankenhausbetreiber Deutschlands auch noch zu selbigem in Spanien. Die Aktie, im Vorjahr zweitstärkster Wert im Dax, legt immerhin weitere 12,6 Prozent zu und markierte am letzten Handelstag des Jahres noch ein Rekordhoch.

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Platz 9: SAP

Deutschlands wertvollster Konzern an der Börse ist der Spezialist für Firmensoftware - momentan der einzige, der auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 100 Milliarden Euro kommt. Den historischen Höchststand hat Bill McDermotts Firma Ende Dezember erreicht, mit plus 12,9 Prozent seit Januar.

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Platz 8: Linde

Kurz vor Jahresende kam doch noch der Durchbruch zur zuvor peinlicherweise abgesagten Fusion mit Praxair - die eigentlich eher einem Verkauf des Münchener Industriegasekonzerns an die Amerikaner gleichkommt. Damit regiert Patriarch Wolfgang Reitzle durch, nach einem kurzen und glücklosen Interregnum Wolfgang Bücheles. CEO Aldo Belloni dient nur als Platzhalter, und wird sich die 16,6 Prozent Kursgewinn wohl auch nicht anrechnen.

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Platz 7: HeidelbergCement

Kurz nach der US-Wahl markierte die Aktie des Baustoffherstellers ein Acht-Jahres-Hoch. Konzernchef Bernd Scheifele hatte dezent erwähnt, für einen Mauerbau an der mexikanischen Grenze bereits die passenden Zementwerke zu besitzen. Wichtiger für die Performance von plus 17,2 Prozent im Jahr 2016 war wohl die Integration des übernommenen Wettbewerbers Italcementi - während sich die großen Rivalen Holcim und Lafarge mit einer Megafusion abplagen.

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Platz 6: Deutsche Post

Der Logistikkonzern zählt schon seit einigen Jahren zu den großen Gewinnern im Dax, begleitet vom Paketboom dank Online-Handel. Die zuvor viel geschmähte "Aktie Gelb" legte im Weihnachtsgeschäft nochmals eine Rally auf Rekordhoch hin - auf Jahressicht gewann sie 20 Prozent.

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Platz 5: Infineon

Im Vorjahr kam der Chiphersteller bereits als drittstärkster Dax-Wert aufs Treppchen, 2016 strebte der Aktienkurs weiter nach oben - um 22,3 Prozent. Im November wurde zwischenzeitlich mit gut 17 Euro der höchste Stand seit 2002 erreicht - im Vergleich zur Beinahe-Pleite von 2009 eine irrsinnige Comeback-Geschichte.

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Platz 4: Thyssenkrupp

Mit plus 23,4 Prozent ist der Industriekonzern, der sein Geld vor allem mit Aufzügen und Anlagenbau verdient, auch so ein Comeback Kid. Seit dem Jahrestief von Februar beträgt der Kursgewinn sogar 80 Prozent. Weiterhin ungewiss ist die Zukunft der Stahlsparte, des eigentlichen Kerns des Ruhr-Konzerns. Gespräche über einen Zusammenschluss mit dem indischen Tata-Konglomerat schleppen sich hin.

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Platz 3: BASF

Während sich die Wettbewerber in Megafusionen wie Dow-Dupont, Chemchina-Syngenta oder Bayer-Monsanto überbieten, hat sich der Branchenführer aus Ludwigshafen nur die kleine Chemetall genehmigt. Das lenkt weniger vom organischen Wachstum in der wieder anziehenden Konjunktur mit anorganischer Chemie ab. Der Aktienkurs stieg um beachtliche 25 Prozent.

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Platz 2: Siemens

Joe Kaesers Konzern läuft auf Turbo, mit neuer Zentrale in München, milliardenschweren Zukäufen in Windkraft und Industriesoftware (diesmal nicht der geplagten Öl- und Gasbranche), und dem höchsten Börsenwert seit dem Jahr 2000 - fast 100 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresschluss sind das plus 30 Prozent. Das zehnjährige Jubiläum des Skandals um Schwarze Kassen geriet darüber fast in Vergessenheit.

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Platz 1: Adidas

Kasper Rorsted hat sich bei Henkel um den Shareholder Value verdient gemacht. Seit Oktober soll er gleiches bei Adidas versuchen. Die Hürde dafür hängt allerdings außergewöhnlich hoch. Unter Vorgänger Herbert Hainer war der Börsenwert von 3 Milliarden auf 30 Milliarden Euro gestiegen. Der Sportartikler wird jetzt mit dem 30-Fachen des Jahresgewinns bewertet. Obwohl als Dax-Verlierer aus dem WM-Jahr 2014 gegangen, hat Adidas 2015 und 2016 zweimal infolge die stärkste Performance abgeliefert. Diesmal waren es 67 Prozent Kursgewinn. Und selbst am letzten Handelstag blieb Adidas der Tagesgewinner.

Stand: 30. Dezember, Xetra-Schluss

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