100 Jahre BMW Wie BMW von der Fast-Pleite zum Luxusauto-Primus aufstieg

Mit Flugzeugmotoren fingen die Bayerischen Motoren Werke an, heute produziert BMW Luxusautos in aller Welt - und feiert seinen 100. Geburtstag. Der Weg zum größten Nobelauto-Hersteller der Welt war zeitweise sehr kurvig. Die wichtigsten Stationen der Unternehmensgeschichte im Überblick.
1 / 24

BMW feiert am Montag, den 07. März 2016 sein hundertjähriges Firmenjubiläum. Der Autohersteller stoppt am Nachmittag sogar die Bänder in seinen weltweit 30 Werken, damit die Beschäftigten die Übertragung der Jubiläumsfeier in der Münchener Olympiahalle sehen können. Heute kann sich BMW als kraftstrotzender Konzern präsentieren. Doch auf dem Weg dahin geriet BMW teils heftig ins Schlittern ...

Foto: BMW
2 / 24

BMW startete zunächst in luftige Höhen: Am 7. März 1916 wurde die BMW AG ins Handelsregister eingetragen. Ursprünglich baute BMW keine Autos, sondern Flugzeugmotoren. Der Ingenieur Max Friz entwickelte einen revolutionären Motor, mit dem Flugzeuge bis über 9000 Meter aufsteigen konnten. Dumm nur, dass ...

Foto: BMW Group Archiv
3 / 24

... nach dem ersten Weltkrieg mit den Flugzeugmotoren Schluss war, weil der Versailler Vertrag Deutschland die Produktion von militärisch nutzbaren Gütern verbot. Deshalb beschlossen die Bayerischen Motoren Werke Ende der 20er-Jahre, neben dem Motorradbau in ein weiteres Geschäftsfeld einzusteigen, und zwar ...

4 / 24

...ins Automobilgeschäft, zunächst allerdings nur mit einem Lizenzprodukt - dem 3/15 PS, einen auf dem britischen Austin Seven (im Bild) basierenden Kleinwagen. Das Auto wurde im Volksmund Dixi genannt - und war mit seinen einfach zusammengenieteten Blechstücken noch ziemlich weit weg von einer Luxuskarosse.

5 / 24

Als erster eigenständiger BMW gilt der von 1933 bis 1934 gebaute BMW 303. Er hatte einen Reihensechszylinder-Motor und einen nierenförmigen Kühlergrill - Merkmale, die BMW bis heute in seinen Modellen hochhält.

6 / 24

Zwischen 1937 und 1939 baute BMW den Sportwagen 328 - ein Traumauto der damaligen Zeit. Der Wagen tat viel für BMWs Image als sportliche Marke: Ein 328 gewann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und die Mille Miglia 1940 (hier ein Bild vom Zieleinlauf).

7 / 24

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs tat sich BMW mit dem Wiederaufbau seiner Fabriken schwer. Im Jahr 1952 stellten die Bayern dann die Modelle 501 und 502 vor, die wegen ihrer ausladenden Karosserieformen den Spitznamen "Barockengel" weg hatten. BMW positionierte das Auto in der Luxusklasse - auch mit einem Preis von 11.000 Mark. Kein Wunder, dass BMW in zwölf Jahren nur 23.000 dieser Oberklasseautos verkaufen konnte.

8 / 24

Die Volksmassen sollte hingegen ein winziges BMW-Gefährt bewegen: Der Kabinenroller Isetta, das weniger als 3000 Mark kostete. Das auch "Knutschkugel" genannte Auto war keine BMW-Eigenentwicklung, sondern eine Lizenz der italienischen Firma Iso Rivolta. Das Problem dabei war nur: Zwischen dem "Barockengel" und der "Knutschkugel" klaffte eine gehörige Lücke ...

9 / 24

... in der Modellpalette von BMW, die das Unternehmen fast zum Kentern gebracht hätte: Ende der 1950er schrieb BMW hohe Verluste. Daimler hätte BMW beinahe übernommen, doch das Angebot scheiterte. Zuletzt stieg der Bad Homburger Industrielle im großen Stil bei BMW ein - seine Nachkommen sind bis heute BMWs Hauptaktionäre. Das Bild zeigt Herbert Quandt (2. v. l.) im Jahr 1970 mit BMW-Chef Eberhard von Kuenheim und Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel.

10 / 24

Quandt sanierte das Unternehmen - und bald war Geld für eine dringend benötigte Neuentwicklung da. Anfang der 1960er-Jahre verlangten solvente Deutsche größere Autos mit mehr Prestige. BMW gab ihnen die sogenannte Neue Klasse mit dem Modell 1500, das als sportlicher Mittelklasse-Wagen zum Bestseller wurde.

11 / 24

Auf der IAA stellten die Münchner 1972 einen Vierzylinder vor, den BMW 520 - eines der ersten Projekte des BMW-Chefs Eberhard von Kuenheim, der das Unternehmen von 1970 bis 1993 leitete. "Dabei kennzeichnet die erste Ziffer den Wagentyp, die zweite und dritte den Motorhubraum", erklärte das Unternehmen in einem Werbeprospekt die neue Nomenklatur. Dieses Zahlensystem hat BMW bis heute beibehalten.

12 / 24

BMWs 02-Reihe, bis dahin das Einstiegsmodell der Bayern, war Mitte der Siebziger in die Jahre gekommen. Ein sportliches, nicht zu großes Nachfolgemodell musste her: Diese Aufgabe übernahm ab 1975 der erste 3er-BMW. Die ausgeprägte Keilform des Wagens polarisierte zunächst. Doch nach sechs Jahren waren bereits eine Million Dreier auf der Straße, was den Wagen zum erfolgreichsten Modell der Unternehmensgeschichte machte.

13 / 24

Nachfolger der sogenannten Großen Klasse wird 1977 der 7er. Anfangs war die Oberklasselimousine aus heutiger Sicht noch durchaus moderat motorisiert, das Auto hatte weniger als 200 PS. Doch im Zuge des automobilen Wettrüstens der Achtziger wurde auch der 7er zum PS-Riesen: Die zweite Generation des Fahrzeugs gab es mit Zwölfzylinder-Aggregat, fünf Litern Hubraum und 300 PS.

14 / 24

Anfang der Neunziger wollte BMW unter der Ägide von Bernd Pischetsrieder ein Volumenhersteller werden und kaufte 1994 den Autokonzern Rover (Rover, MG, Mini, Land Rover). Dessen Verluste bekamen die Münchener nie in den Griff, Pischetsrieder (rechts im Bild mit Rover-Chef Dick Evans) musste abtreten. Rover wurde für ein paar symbolische Pfund verkauft - nur eine Marke blieb den Bayern, und die ...

Foto: epa Gerrry Penny/ picture-alliance/ dpa
15 / 24

... wurde zum einzigen Lichtblick des Rover-Desasters: Der britische Kleinwagen Mini wurde von BMW als Lifestyle-Marke erfolgreich reanimiert. Der Premium-Kleinwagen gilt in der Branche als Vorbild, etliche andere Hersteller versuchen das Konzept nachzuahmen.

16 / 24

Und noch eine britische Automarke anderen Kalibers legte sich BMW zu: 1999 kauften die Bayern die Edelmarke Rolls-Royce, die Markenrechte bekam BMW-Chef Helmut Panke aber erst 2003 - nach einem längeren rechtlichen Scharmützel mit Volkswagen.

17 / 24

Unter Pankes Ägide stieß BMW 2004 auch in die Kompaktklasse vor - mit dem 1er-BMW. Bereits fünf Jahre davor hatte BMW sich erstmals an eine für die Bayern neue Fahrzeugklasse gewagt: Ins SUV-Segment mit dem bulligen X5.

18 / 24

Im Jahr 2006 wurde Norbert Reithofer BMW-Chef. Er übernahm ein Unternehmen, dessen Renditen seit einigen Jahren unter Druck waren - und griff durch. Mit neuen Modellen, einem Sparprogramm und einem Fokus auf mehr Nachhaltigkeit brachte er BMW auf die Überholspur. Aus der Formel 1 verabschiedete sich BMW unter anderem auch aus Umweltgründen. Die Renditen stimmten nach einigen Jahren wieder, deshalb ...

Foto: A3399 Arne Dedert/ dpa
19 / 24

... konnte sich Reithofer auch so teure Versuchsballone wie das Elektroauto i3 leisten, dessen Chassis zum Großteil aus Karbon besteht - und das in einem eigenen Werk nahe Leipzig gebaut wird. Zwar verkauft sich der i3 nicht so gut wie von BMW erhofft, aber ...

Foto: BMW
20 / 24

... mit dem Karbon-Flitzer i3 hat BMW ein gewichtiges Pfund, mit dem sich auch außerhalb der Autobranche wuchern lässt. So verhandelten BMW und der Technologiekonzern Apple Ende 2014 über eine Kooperation, wie manager magazin berichtete. Apple erwägte, die i3-Plattform für ein eigenes Autoprojekt zu nutzen. Die Verhandlungen wurden vorerst ergebnislos abgebrochen, BMW und Apple wollten aber im Gespräch bleiben.

Foto: Toru Hanai/ REUTERS
21 / 24

Aber auch die Bleifuß-Fraktion vernachlässigte Reithofer nicht. Den etwas Progressiveren bot er äußerlich durchaus verwegene Modelle wie den X6 an, einer Kreuzung aus SUV und Coupé. Das Auto, oft wegen seiner Wuchtigkeit belächelt, verkauft sich bei den Dicke-Schlappen-Fans gut.

22 / 24

Heute ist BMW der größte Premiumhersteller der Welt, weltweit verkaufen die Bayern mehr als zwei Millionen Fahrzeuge. Neben Limousinen aller Größenklassen haben sie auch Geländewagen in Kompakt- und Großform sowie Sportwagen der Z-Serie im Programm. Im Mai 2015 ...

23 / 24

... trat Harald Krüger (im Bild bei der Präsentation des neuen 7er-BMWs) die Nachfolge von Reithofer an, der in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Krüger hat einiges vor sich: Das wirtschaftliche Umfeld ist wenig stabil, in China wachsen die Bayern langsamer als früher. Zudem ...

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP
24 / 24

... muss der neue BMW-Chef die Digitalisierung der Autos vorantreiben, Kunden die Vorteile des autonomen Fahrens schmackhaft machen - und sie für Elektroautos begeistern, die sich bisher nur schwer verkaufen lassen. Alles keine einfachen Aufgaben - aber immerhin geht sein Unternehmen gut gerüstet in die Zukunft. Und in den nächsten Monaten sind zur Auflockerung mehrere Geburtstagsparties für den 100-Jahre-Jubilar BMW angesetzt.

Recherche und Bildergalerie-Texte: Wilfried Eckl-Dorna

Foto: DPA