Bill Gross will Bunds shorten Die Sprüche der Investmentgurus - und wie klug sie wirklich sind

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So wie Bond-Experte Bill Gross, der in dieser Woche dazu riet, deutsche Staatsanleihen zu "shorten", also auf deren Kursverluste zu setzen, machen immer wieder sogenannte Starinvestoren oder "Investmentgurus" knackige Sprüche zu bestimmten Assetklassen oder Marktsegmenten. Und regelmäßig schaffen sie es damit in die Schlagzeilen.

Dabei spielt meist eine gehörige Portion Eigeninteresse eine Rolle. Nicht selten sind die Depots der "Sprücheklopfer" so aufgestellt, dass die erhoffte Marktreaktion ihnen in die Karten spielt. Vom PR-Effekt ganz zu schweigen.

Aber sind diese Markteinschätzungen wirklich immer so schlau? Benötigen die Experten tatsächlich ihren ganzen Sachverstand für die Aussagen - oder sind es nicht oft Plattitüden, die ebenso jeder halbwegs interessierte Privatanleger am Stammtisch hätte raushauen können? Wir machen den Check!

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Sehr häufig funktionieren die Ratschläge der Fachleute nach einem einfachen Muster: Man nehme eine Assetklasse oder einen Markt, der zuletzt starke Verluste verzeichnet hat, und rate zum Einstieg. Oder eben umgekehrt. Frei nach dem Motto: Das Leben ist ein Kreislauf, es geht immer auf und ab.

Ein gutes Beispiel dafür: Im Januar dieses Jahres bezeichnete Robert Shiller griechische Aktien als möglicherweise "spektakuläres Investment". Damit schaffte es der US-Ökonom und Nobelpreisträger beinahe in die Hauptnachrichten.

Was man aber dazu wissen muss: Der griechische Aktienmarkt war in den davorliegenden Jahren bereits um rund 70 Prozent eingestürzt. Als Shiller seine Aussage machte, hatte in Athen gerade die linke Syriza-Regierung die Macht übernommen und mit ersten Ankündigungen für weitere 10 Prozent Kursverluste gesorgt. "Spektakulär" mag angesichts dessen vielleicht ein Investment in griechische Aktien erscheinen. Die Erkenntnis von Robert Shiller dagegen verdiente dieses Prädikat kaum.

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Erst kürzlich gelang Mark Mobius eine ähnlich messerscharfe Analyse. Der Portfoliomanager von Franklin Templeton gilt als ausgewiesener Experte für Investments in Schwellenländern, was seinem Urteil zum chinesischen Aktienmarkt zusätzliches Gewicht verleiht. Das ist allerdings auch nötig, denn ansonsten gibt es aktuell keinen großen Unterschied zwischen Mobius' Meinung zu diesem Markt und jener irgendeines x-beliebigen anderen Beobachters.

Chinesische Aktien seien zu stark gestiegen, sagte Mobius zu Journalisten in Hongkong. Und gemessen an der Berichterstattung darüber schrieben die Medienleute offenbar eifrig mit. Eine Korrektur sei daher gut möglich, so Mobius.

Auch in diesem Fall hilft ein Blick ...

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... auf den Kurschart der chinesischen Börse, um zu erkennen, wie viel Fachwissen für eine solche Einschätzung erforderlich ist. Tatsächlich gibt es kaum ein Medium, welches in jüngerer Zeit nicht über die Rückschlagsgefahr am Aktienmarkt der Volksrepublik berichtet hätte, das manager magazin inklusive.

Mobius fügte immerhin noch hinzu, es könne sich um die Korrektur um 20 Prozent handeln. Auch das ist allerdings eine beliebte Technik der "Investmentgurus": So eine genaue Angabe erzeugt den Anschein besonderer Expertise und präziser Festlegung. Denn später wird über etwaige Abweichungen ohnehin großzügig hinweggesehen.

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Beliebt ist auch die Methode "Der-Ball-Ist-Rund": Man suche sich eine Erkenntnis, die längst weithin bekannt und unstrittig ist, und äußere sie in einem Tonfall, als habe man gerade Leben auf dem Jupiter entdeckt. Das funktioniert zum Beispiel schon seit einigen Jahren ganz wunderbar mit dem Satz: "Griechenland ist pleite."

Jeder, der in Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft etwas auf sich hält, hat diesen Satz in den vergangenen Jahren irgendwann einmal in eine Kamera gesagt. Und wenn wir sagen "jeder", dann meinen wir auch wirklich JEDER!  (Ausgenommen sind selbstverständlich all jene, die eine verantwortliche Position bei der sogenannten Euro-Rettung innehaben. Die dürfen das nur denken, niemals jedoch aussprechen.)

Das man die Medien auf diese Weise erfreuen kann, hat sich offensichtlich sogar bis ins ferne Thailand herumgesprochen, wo Marc Faber lebt, der von einigen Guru-haft verehrte Investmentprophet mit eher pessimistischer Grundhaltung ("Dr. Doom"). "Let's face reality, Greece is bankrupt", war vor wenigen Tagen die zentrale Aussage, mit der der US-Sender CNBC ein Interview mit Faber aufmachte .

Wer bei Google "Griechenland" eingibt, erhält übrigens als ersten Vorschlag zur Vervollständigung: "ist pleite".

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Eine andere Strategie hat der Amerikaner Jim Rogers nahezu zur Perfektion entwickelt: das Prinzip "Gebetsmühle". Rohstoffe, Rohstoffe, Rohstoffe, so lautet das Credo des - richtig - "Rohstoff-Gurus". Gerüchten zufolge hat Rogers schon sein erstes Taschengeld in Rohstoffe investiert. Und gefühlt trommelt der 72jährige auch schon ungefähr solange bei jeder sich bietenden Gelegenheit für dieses Investment.

Mit dem immer gleichen Grundtenor (knapper werdende Ressourcen etc.) ändert Rogers dabei je nach aktueller Marktlage die Argumentation. So liegt er immer richtig: Geht es mit den Preisen abwärts, empfiehlt sich ein Einstieg, denn es steht ja ein Comeback bevor. Und steigen die Preise, hat es der Fachmann doch schon immer gewusst.

Übrigens: In einem Interview mit dem "Handelsblatt"  aus dem Jahr 2012, in dem Rogers abwechslungshalber mal zu Agrarrohstoffen rät, stellt er überraschenderweise auch fest: "Griechenland ist ganz klar pleite".

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So viel gleich vorweg: Ökonom Thomas Straubhaar wird hier nur stellvertretend gezeigt für eine Vielzahl weiterer Vertreter seiner Zunft. Gemeint sind all jene, die seit Jahren einen Anstieg der Inflation ankündigen, ohne dass davon bislang etwas zu bemerken wäre.

Die Inflations-Propheten können einem dabei beinahe leid tun. Anderswo geben sogenannte Experten als Prognosen verkleidete Selbstverständlichkeiten von sich und haben damit Erfolg. Die Volkswirte dagegen, die ein Ansteigen der Teuerungsrate vorhersagen, berufen sich dabei auf profunde wissenschaftliche Theorie (wachsende Geldmenge). Dieses Wissen dürfte kaum so einfach bei Jedermann präsent sein.

Doch der Lohn dafür fällt enttäuschend aus: Die Vorhersage will einfach nicht Realität werden.

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Mangelndes Fachwissen wollen wir Jim O'Neill ebenfalls nicht unterstellen. Der Mann gilt als erfolgreich darin, Marktentwicklungen zu antizipieren und daraus Profit zu schlagen. Doch auch mit seiner Treffsicherheit ist es nicht so weit her, wie viele vielleicht glauben.

2001 setzte er als Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs den Begriff BRIC in die Welt, der seither untrennbar mit dem Namen O'Neills verbunden ist. Gemeint sind die vier Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, denen der Ökonom vorhersagte, dass sie innerhalb der kommenden Jahre die G8-Staaten überholen könnten.

Tatsächlich haben sich die BRICs eine Zeit lang recht gut entwickelt. Von O'Neills vorhergesagtem Überholmanöver sind sie aber noch weit entfernt, wie der Altmeister inzwischen selbst einräumen muss.

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Zur Abwechslung mal ein positives Beispiel gefällig? Auch Milliardär und Hedgefonds-Altmeister George Soros ist ein gern gesehener Gast in den Schlagzeilen. Der 84jährige hat dabei vielen seiner Kollegen allerdings eins voraus: seine Trefferquote.

Eine der Grundlagen dafür legte Soros Anfang der 1990er Jahre, als er einen Kursrückgang des britischen Pfunds ankündigte und begann, gegen die Währung zu wetten. Die Prognose bewahrheitete sich und Soros verdiente Milliarden. Seither ist er an den Märkten der Mann, "der die Bank of England geknackt hat".

Die jüngste Ankündigung des gebürtigen Ungarn ist für Privatinvestoren allerdings nicht allzu wertvoll: Er würde eine Milliarde Dollar in der Ukraine investieren, wenn das Land ausreichend durch westliche Länder unterstützt würde, so Soros. Für Privatleute hierzulande dürfte es gegenwärtig aber kaum vernünftige Möglichkeiten geben, Geld gezielt in der Ukraine zu investieren.

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Wie man am besten vermeidet, mit Ratschlägen und Prognosen öffentlich auf die Nase zu fallen, zeigt Multimilliardär und Investmentstar Warren Buffett: Man setzt solche Äußerungen gar nicht erst in die Welt.

Buffett ist zwar häufig in den Schlagzeilen zu finden. Zu aktuellen Marktentwicklungen oder Aussichten äußert er sich aber nur selten. Damit steht er im Einklang zu seiner Investmentstrategie, die auf der Auswertung von Fundamentaldaten beruht.

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Und dann war da ja noch Bill Gross: Dessen Ratschlag von dieser Woche, gegen Bundesanleihen zu wetten, entpuppt sich bei genauer Betrachtung ebenfalls als ziemlicher No-Brainer. Die Kurse der Papiere sind aufgrund der Geldflut an den Finanzmärkten enorm gestiegen, die Renditen befinden sich im Keller. Es erfordert also nicht viel Sachverstand vorherzusagen, dass sich diese Entwicklung umkehren dürfte, sobald sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern.

Tatsächlich ergänzte Gross noch, die Wette sei erst zu empfehlen, wenn die Europäische Zentralbank ihre konjunkturstützenden Anleihekäufe beendet habe.

Übersetzt lautet der Ratschlag also auch in diesem Fall nicht viel mehr als: Holen Sie zum Ende des Sommers die warmen Sachen aus dem Schrank. Es könnte kühler werden.

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