Bayer will Monsanto übernehmen Die fünf zentralen Fragen zum Flirt der Chemie-Riesen

Bayer lotet derzeit eine Übernahme des Saatgut-Spezialisten Monsanto aus. Gelingt das, entstünde ein globales Schwergewicht. Die 5 zentralen Fragen dazu.
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Wie groß ist Monsanto? Monsanto war an der Börse laut dpa zuletzt rund 42 Milliarden Dollar wert, rund 37 Milliarden Euro. Bayer bringt mehr als das Doppelte auf die Waage, schreibt Reuters.

Noch am Mittwoch hatte Monsanto-Manager Brett Begemann Medienberichte über eine mögliche Übernahme durch die deutschen Rivalen Bayer oder BASF als "wilde Spekulationen" zurückgewiesen, "an denen nichts dran ist".

Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 21.200 Menschen, fast die Hälfte davon in den USA. Der Saatgutkonzern ist in 66 Ländern vertreten - auch in Deutschland.

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Was spräche für den Deal? Für ein Zusammengehen spricht, dass Monsanto in den USA stärker aufgestellt ist, Bayer in Europa und Asien. Das könnte den Unternehmen auch bessere Karten bei den Wettbewerbshütern bescheren.

Mit Monsanto würde das Agrargeschäft bei Bayer eine viel größere Rolle spielen. Der US-Konzern erlöst im Jahr rund 15 Milliarden Dollar (gut 13 Milliarden Euro) mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Bayer kam im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Umsatz von 46,3 Milliarden Euro, so dpa.

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Gibt es Kritik am Deal? Ja. Der US-Konzern Monsanto steht wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte immer wieder in der Kritik. Zudem stellt Monsanto den weltweit meistgenutzten Unkrautvernichter "Roundup" mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat her. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

In der Landwirtschaft und im Gartenbau wird das Herbizid vor der Aussaat zur Unkrautbekämpfung verwendet, in Deutschland kommt es auf rund 40 Prozent der Felder zum Einsatz. Die europäische Zulassung für Glyphosat läuft Ende Juni aus, am Donnerstag könnte eine Entscheidung über eine erneute Genehmigung fallen, berichtet dpa.

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Wie kommt die Vision an der Börse an? Nicht wirklich gut, auch wenn der mögliche Deal Gesprächsthema auf dem Parkett war. Doch die Aussicht auf einen milliardenschweren Kauf ließ die Aktien des Konzerns zwischenzeitlich ans Dax-Ende rutschen. Sie verloren bis zu 8,3 Prozent auf 88,39 Euro - ein Zweieinhalb-Jahres-Tief.

Volker Braun, Analyst beim Bankhaus Lampe sieht für Bayer keinen Grund, einen überstürzten Deal mit Monsanto einzugehen. Es gebe genügend andere Übernahmemöglichkeiten in der Branche - zu besseren Preisen und einem vorteilhafterem Risikoprofil.

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Wie wahrscheinlich ist der Deal? Das ist die Gretchenfrage. Monsanto selbst hatte in St. Louis mitgeteilt, das Unternehmen habe eine unaufgeforderte, nicht-bindende Offerte von Bayer erhalten. Der Verwaltungsrat des US-Konzerns wolle die Offerte jetzt prüfen. Bis diese Überprüfung abgeschlossen ist, werde es keine weitere Mitteilung des Unternehmens geben. Auch Bayer hielt sich mit Details bedeckt.

Allerdings brodelt laut dpa in der Chemiebranche seit langem die Gerüchteküche über die Zukunft der Unternehmen, die sich auf das Geschäft mit der Landwirtschaft spezialisiert haben. Dieser Geschäft steht wegen niedrigerer Preise für Agrarrohstoffe, den Turbulenzen in den Schwellenländern und der Rezession in Brasilien seit einiger Zeit unter erheblichem Druck. Im vergangenen Jahr hatte Monsanto vermutlich deshalb versucht, den Schweizer Konkurrenten Syngenta zu übernehmen, der nun an den chinesischen Konkurrenten ChemChina geht. Und nach der Ankündigung der Fusion der US-Chemiekonzerne DuPont und Dow Chemical, die das Agrarchemiegeschäft als eigenständiges Unternehmen planen, steht Monsanto nun unter Druck, sich einen Partner zu suchen.

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