Automarkt-Ausblick Chinas Automarkt ist 2023 doppelt so groß wie Europa

Der China-Boom hat den Autoherstellern in den vergangenen Jahren satte Gewinne beschert. Zuletzt kühlte sich die Konjunktur in dem Riesenland jedoch ab, die Autoverkäufe gingen zurück. Droht der Branche damit eine echte, längerfristige Flaute? Kaum, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung AlixPartners - doch die Abhängigkeiten von China wachsen.
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Weltweit soll der Neuwagenabsatz bis 2023 jährlich um 2,8 Prozent zulegen, prognostiziert die Unternehmensberatung AlixPartners in ihrem Global Automotive Outlook 2016, der manager-magazin.de exklusiv vorliegt. Das liegt unterhalb des weltweiten BIP-Zuwachses von 3,5 Prozent, den der IWF für dieses Jahr prognostiziert.

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"Die junge Generation will Mobilität kaufen, aber nicht unbedingt ein eigenes Auto", erklärt Studienautor Elmar Kades. In einer Region ist das jedoch noch anders, nämlich in China. Dort sinkt das jährliche BIP-Wachstum zwar etwas. Das eigene Auto bleibt aber ein Statussymbol, die jährlichen Verkaufszuwächse dürften über dem BIP-Plus liegen.

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"In Chinas Metropolen streben die Menschen noch immer nach einem eigenen Fahrzeug", sagt Kades. In den kommenden sieben Jahren soll der Pkw-Markt in China jährlich um rund 6 Prozent zulegen. Bis zum Jahr 2023 ergibt dies 14,5 Millionen zusätzliche Neuwagen.

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Allerdings werden in China die einheimischen Marken wie etwa der SUV-Spezialist Haval (im Bild) stärker, die internationalen Marken dürften in den kommenden Jahren leicht verlieren. Der Markt wird reifer, heißt es deshalb in der Autobranche, die hohen Margen der vergangenen Jahre schrumpfen. Doch da bleibe noch immer ein gutes Wachstum übrig.

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In sieben Jahren wird dann mehr als jeder dritte weltweit produzierte Neuwagen in China, Hongkong und Taiwan verkauft. Satte 39,6 Millionen Pkw pro Jahr werden es sein - die Region "Greater China" ist dann ...

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... fast doppelt so groß wie der nordamerikanische Fahrzeugmarkt (20,1 Mio. Pkw) oder der gesamteuropäische Automarkt (21,8 Mio. Fahrzeuge). Im Jahr 2015 lag Greater China noch bei 24,9 Millionen Pkw, Nordamerika bei 20,7 Millionen und Europa bei 18,9 Millionen Fahrzeugen.

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In Europa sollen die Autoverkäufe bis 2023 jährlich um durchschnittlich 1,8 Prozent zulegen. Wachstumstreiber sind Zentral- und Südeuropa. Osteuropa soll laut AlixPartners kräftig zulegen, wenn sich die politische Situation zwischen Europa, Russland und der Ukraine entspannt. Dann dürfte der gesamteuropäische Markt von 18,9 Millionen Pkw (2015) auf 21,8 Millionen Fahrzeuge (2023) wachsen.

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Doch politische Unsicherheit ist schlecht fürs Investitionsklima. Denn sie hat laut Kades etwa dazu geführt, dass internationale Autohersteller zur Zeit kein Geld mehr in Russland investieren. In Großbritannien fragt sich die Autobranche nun, wie hoch künftig die Zölle sein werden und wann das feststehe. Die Folge: Entscheidungen über Investitionen werden vertagt, auch Konsumenten verschieben den Neuwagenkauf.

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In den USA, dem weltweit zweitgrößten Automarkt nach China, rechnet Alix mit einer Verschnaufpause. Bereits 2017, stärker noch 2018 und 2019, dürfte die Zahl der verkauften Autos in den USA von 17,8 Millionen Pkw (2016) auf 15,2 Millionen Fahrzeuge (2019) zurückgehen. Das dürfte vor allem die US-Massenhersteller treffen. Premiummarken haben weiterhin gute Chancen, von ihrem vergleichsweise niedrigen Niveau aus Anteile dazuzugewinnen, meint Studienautor Kades.

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In Japan und Korea hingegen geht die Zahl der Neuwagenverkäufe bis 2023 im Schnitt um jährlich 1,5 Prozent zurück. Südostasien bleibt eine für Autohersteller spannende Region mit jährlichen Zuwächsen von 3,8 Prozent. Afrika als Kontinent hält Berater Kades jedoch in Summe für nicht stabil genug, um für nennenswertes Wachstum bei den Autoherstellern zu sorgen.

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China bleibt als Goldesel also weiterhin wichtig - und die Branche wird in den kommenden Jahren viel Geld brauchen, wie die Studie zeigt. Denn der Abgasskandal bei VW führt dazu, dass ein neuer Testzyklus zur Emissionsmessung am Prüfstand sowie die Abgasmessung unter Alltagsbedingungen schneller als geplant kommen. Alle Autohersteller müssen ...

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... sich nun kräftig anstrengen: Unter Realbedingungen wird der CO2-Ausstoß um 50 Prozent über den bisherigen offiziellen Werten liegen, durch den neuen Prüfstand-Test um gut ein Viertel höher als bisher. Um die CO2-Vorgaben der EU für 2021 zu schaffen, müssen die Autohersteller künftig ...

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... im Schnitt nicht mehr 3 Prozent weniger CO2-Flottenausstoß pro Jahr vorlegen, sondern rund 8 Prozent, rechnet AlixPartners vor. "Das schaffen sie nicht mehr mit verbrauchsärmeren Motoren, sondern nur mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs", sagt Berater Kades. Die Branche stehe an einem Wendepunkt.

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Volkswagen-Chef Matthias Müller (im Bild) will seinen Konzern in diese Richtung umbauen, das Geld dafür soll aus dem herkömmlichen Geschäft kommen. Insgesamt, so meint AlixPartners, werde die Turbo-Elektrifizierung die Branche einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Denn nach dem Abgasskandal könne die Branche nicht mehr weitermachen wie bisher. "Künftig gelten Testzyklen, die realistischere Werte ergeben. Da gibt es keine Gnade mehr," meint Kades.

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