Folgen für den Aktienmarkt Was Aktionäre über Inflation wissen müssen

Aktien als Schutz vor Inflation? Viele Sparer gehen mit Aktien ins Risiko, um ihr Vermögen vor der Geldentwertung zu schützen. Doch Inflation greift auch den Aktienmarkt an: Was Aktionäre jetzt beachten müssen.
Handelssaal der New York Stock Exchange: Inflation, steigende Zinsen und das Ende der Anleihekäufe sorgen für eine Zeitenwende am Aktienmarkt

Handelssaal der New York Stock Exchange: Inflation, steigende Zinsen und das Ende der Anleihekäufe sorgen für eine Zeitenwende am Aktienmarkt

Foto: JUSTIN LANE / EPA

Sie gehört zur Grundausstattung eines jeden Bankberaters: die Inflationstabelle. "Wissen Sie, wie viel ihr Barvermögen von 100.000 Euro noch wert ist, wenn Sie es bei 4 Prozent jährlicher Inflation zehn Jahre lang unverzinst auf dem Sparkonto liegen lassen?" Der Kunde blickt besorgt auf die Tabelle. "Die zukünftige Kaufkraft liegt dann noch bei knapp 68.000 Euro. Sie verlieren also fast ein Drittel ihres Geldes durch die Inflation", raunt der Berater. Was liegt also näher, als in Zeiten niedriger Zinsen und steigender Inflation auf Aktien-Investments zu setzen? Die jährliche Rendite von Aktien, so die Hoffnung des Investors, werde schon höher ausfallen als die Inflationsrate. Dieser Effekt soll verhindern, dass das Vermögen zusammenschmilzt.

Langfristige Aktieninvestments schützen das Vermögen vor Verlusten durch die Inflation, ist von Investmentprofis oft zu hören. Das stimmt auch – aber mit erheblichen Einschränkungen. Angesichts steigender Inflationsraten jetzt Hals über Kopf jeden freien Euro in Aktien zu stecken ist eine hochriskante Strategie. Denn dauerhaft steigende Preise haben auch am Aktienmarkt erhebliche Nebenwirkungen: starke Schwankungen, Kursverluste und bröckelnde Unternehmensgewinne inklusive.

Wer sein Geld durch Aktieninvestments vor Inflation schützen will, braucht einen langfristigen Plan. Dazu gehören die richtige Auswahl und ein Gefühl für die verschiedenen Phasen von Inflation. Die folgenden acht Faktoren sollten Anleger beachten.

1. Unternehmensgewinne steigen – allerdings nur in der Frühphase der Inflation

"Steigen Inflationsraten von einem niedrigen Niveau aus an, so haben diese zunächst einen positiven Effekt auf die Aktienkurse", erläutert Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank. "Dies ist nachvollziehbar, da in den Anfangszeiträumen von Inflationsanstiegen auch die Unternehmensgewinne steigen." Die jüngsten Quartalszahlen aus den USA belegen diese These: So haben acht von zehn Unternehmen aus dem S&P 500, die bereits ihre Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt haben, ihre Gewinne stärker gesteigert als erwartet. Viele Unternehmen in den USA und Europa meldeten Ende 2021 Gewinnrekorde.

Bewegen sich die Inflationsraten jedoch über einen längeren Zeitraum nach oben, so dreht sich das Bild: Dann führen die Kostenanstiege zu einer Belastung der Unternehmensgewinne. "Entweder kommen die Anstiege dann einfach zu schnell oder sie können nicht im gleichen Ausmaß an die Kunden weitergegeben werden", sagt Schallmayer.

2. Dauerhafte Inflation erhöht Beschaffungskosten und dämpft Umsatz und Gewinne

Die seit Monaten hohen Energie- und Rohstoffpreise erhöhen die Beschaffungskosten der Unternehmen. Sie müssen die von ihnen benötigten Materialien teuer einkaufen. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Inflationsraten bei den Großhandelspreisen und den Importpreisen, die jeweils deutlich höher sind als bei den Verbraucherpreisen.

Diese erhöhten Kosten im Einkauf drücken auf die Gewinne der Unternehmen. Hinzu kommt: Kunden werden beim Einkauf zurückhaltender, wenn das Preisniveau steigt. Auch das lastet tendenziell auf Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen.

Die Folgen zeigen sich laut Schallmayer auch an der Börse: Aktienkurse kommen nicht geradlinig und schon gar nicht ohne zwischenzeitliche Kursrückschläge durch eine Phase steigender Inflationsraten, sagt er. "Hoch bewertete Aktien sind in einer solchen Phase besonders gefährdet."

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