Goldminen statt Bankaktien Warren Buffetts neuer Hunger nach Gold

Jahrzehntelang hat Börsenguru Warren Buffett Gold verschmäht. Nun denkt er um: Er wirft Aktien von US-Banken und US-Airlines aus seinem Depot und steigt bei einem Goldminenbetreiber ein. Der Sinneswandel könnte Folgen haben.
"Gold ist unnütz": Warren Buffett ist kein Gold-Freund - dennoch ist sein Anlagevehikel Berkshire Hathaway bei dem Goldminenbetreiber Barrick Gold eingestiegen

"Gold ist unnütz": Warren Buffett ist kein Gold-Freund - dennoch ist sein Anlagevehikel Berkshire Hathaway bei dem Goldminenbetreiber Barrick Gold eingestiegen

Foto: ALEX WONG/ AFP

Das Investment ist für seine Verhältnisse klein, aber dennoch bemerkenswert: Anlage-Legende Warren Buffett (89) hat für 565 Millionen Dollar Anteile des Goldminen-Betreibers Barrick Gold gekauft und besitzt damit 1,2 Prozent des Unternehmens. Für Buffetts Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway nicht gerade ein "Big Deal" - sitzt Berkshire doch auf Cash-Reserven von inzwischen rund 146 Milliarden Dollar. Für Buffett-Anhänger ist die Transaktion jedoch geradezu spektakulär - schließlich hatte Buffett über Jahre immer wieder verkündet, dass er Gold-Investments für sinnlos hält. Keine Dividenden, keine operativen jährlichen Erträge, so das Diktum des Meisters: Er frage sich, warum Menschen mit so viel Aufwand Gold aus der Erde buddeln, nur um es mit noch mehr Aufwand in den Kellern der Zentralbanken wieder unter die Erde zu bringen und zu bewachen, so Buffett.

Mit Altersmilde hat das Gold-Investment Buffetts wahrscheinlich wenig zu tun: Eher mit der Einsicht, dass der Goldpreis seit Monaten von Rekord zu Rekord eilt und erst vor wenigen Tagen die runde Marke von 2000 Dollar je Unze durchbrochen hat. Dass zahlreiche Investoren angesichts der Geldflut der weltweiten Notenbanken Alternativen suchen und zu Gold als Gegengewicht greifen, ist auch Buffett nicht entgangen. Und ein klassisches Gold-Investment ist Buffetts Anteilskauf auch nicht: Er kauft kein physisches Gold, sondern Anteile an einer Goldminengesellschaft, die durchaus jährliche Erträge und Dividenden liefert. Angesichts dieser Entwicklungen bekommt auch Gold-Skeptiker Buffett Appetit.

Analysten des US-Senders CNN sehen Buffetts Entscheidung auch darin begründet, dass in Zeiten der Corona-Krise der Dollar Schwäche zeige  und Anleger Krisenwährungen suchen. Die Anteile von Barrick Gold reagierten auf den Einstieg von Buffett mit dem üblichen Kurssprung - allein am Montag legte die Aktie um rund 8 Prozent zu. An der Wall Street sehen einige Analysten Buffetts Gold-Appetit als Vorbote, dass die US-Ökonomie und die Aktienmärkte in Folge einer zweiten Coronawelle einen erneuten Rückschlag erleiden könnten. Die billionenschweren Anleihekäufe sowie die Nullzinspolitik der Notenbanken lassen außerdem die Gefahr einer Inflation steigen: Auch dagegen sichern sich zahlreiche Anleger mit Goldkäufen ab.

Mit dem Einstieg bei Barrick setzt Buffett seine Umschichtungen fort: Bei der US-Investmentbank Goldman Sachs  ist Berkshire Hathaway im zweiten Quartal komplett ausgestiegen, wie aus einer Mitteilung an die SEC hervorgeht. Die Beteiligungen an Wells Fargo, JPMorgan Chase und US Bancorp hat Buffett gleichzeitig deutlich reduziert. Von US-Airlines wie Southwest, Delta oder United Airlines hatte sich Buffett bereits im März und April getrennt und die Beteiligungen - für Buffett untypisch - sogar mit Verlust verkauft. Zugleich hat Buffett sein Investment in Technologiewerte wie Apple, die er zu Zeiten der Dot-Com-Blase noch skeptisch beäugte, in den vergangenen fünf Jahren konstant ausgebaut. Inzwischen besitzt Berkshire Apple-Aktien im Wert von rund 40 Milliarden Dollar - das Investment in Barrick Gold scheint also noch ausbaufähig zu sein.

la
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