Zum 90. Geburtstag Was Warren Buffett jetzt noch kauft - und wen er als Nachfolger aufbaut

Am Sonntag wurde Warren Buffett 90 Jahre alt. Bei Berkshire Hathaway ist der Anlage-Guru damit Juniorpartner. Welche Anlageziele Buffett aktuell bevorzugt - und wer als Nachfolger für ihn infrage kommt.
Warren Buffett (links), Charlie Munger: Ajit Jain und Greg Abel gelten als mögliche Nachfolger für die beiden Berkshire-Legenden

Warren Buffett (links), Charlie Munger: Ajit Jain und Greg Abel gelten als mögliche Nachfolger für die beiden Berkshire-Legenden

Foto: Scott Morgan/ REUTERS

Seit mehr als 10 Jahren wird darüber spekuliert, wer Warren Buffett als Chefstratege der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway eines Tages nachfolgen wird. Das "Orakel von Omaha", das den Berkshire-Investoren seit Jahrzehnten hohe Gewinne beschert und Anleger der ersten Stunde sehr reich gemacht hat, denkt auch im Alter von 90 Jahren nicht ans Aufhören: Solange er an seiner Arbeit so viel Spaß habe, dass er den Tag im Büro am liebsten mit einem Stepptanz beginnen würde, sehe er keinen Anlass für einen Ruhestand, betont Buffett. Immerhin ist sein kongenialer Partner Charlie Munger bereits 96 Jahre alt - und Buffett damit der Juniorpartner bei Berkshire.

Auch für Berkshire-Anleger haben sich Gelassenheit und ein langer Atem bislang ausgezahlt. Wer vor 10 Jahren seine Berkshire-Anteile  verkauft hatte, weil er Buffett im Alter von damals 80 Jahren nicht mehr viel zugetraut hat, hat ein schlechtes Geschäft gemacht: Seit Herbst 2010 hat sich der Wert der Anteile verdreifacht , Buffett blickt also auf ein höchst erfolgreiches achtes Lebensjahrzehnt zurück.

Buffett und Munger sind nicht unsterblich. Doch für sie gehört es zum täglichen Geschäft, Risiken zu kalkulieren - und deshalb haben sie für den Fall ihres Ablebens vorgesorgt. Ihre Nachfolger haben sie noch nicht öffentlich benannt, den Berkshire-Investoren aber versichert, dass die Nachfolge geregelt ist. "Unser Unternehmen ist 100-prozentig vorbereitet", betonten sie im jüngsten jährlichen Brief an die Aktionäre. Die jüngeren Berkshire-Manager Ajit Jain (69) und besonders Greg Abel (59) gelten als große Favoriten, eines Tages die Nachfolge anzutreten. Mit ihrer Beförderung in den Verwaltungsrat waren bei Berkshire schon vor einiger Zeit die Weichen für die Zukunft gestellt worden.

Zwei mögliche Buffett-Nachfolger: Greg Abel (links) und Ajit Jain

Zwei mögliche Buffett-Nachfolger: Greg Abel (links) und Ajit Jain

Foto: Bloomberg via Getty Images

Auch Ted Weschler (58) und Todd Combs (49) zählen zum Kreis der möglichen Nachfolger: Es gehört zum Erfolgsprinzip von Warren Buffett, den Investment-Managern bei Berkshire sowie den Chefs der Unternehmen, an denen sich Berkshire beteiligt hat, möglichst viel Freiraum und eigene Verantwortung zu geben.

147 Milliarden Dollar Cash - und Warten auf den nächsten großen Deal

Seit einiger Zeit schon lässt Buffett es relativ ruhig angehen. Trotz vereinzelter Übernahmen - auf einen richtigen Mega-Deal wird seit Jahren vergeblich gewartet. Dabei saß Buffett, dessen Privatvermögen das US-Magazin "Forbes" auf 78 Milliarden US-Dollar schätzt, mit Berkshire Hathaway zuletzt auf Cash-Reserven in Höhe von knapp 147 Milliarden Dollar - ein Rekord. Der Anlagedruck für den Börsenguru ist groß, denn mit dem vielen Bargeld lässt sich kaum Rendite machen, zudem sind die Zinsen derzeit besonders gering.

Doch abgesehen von einem Erdgas-Deal mit dem Energiekonzern Dominion hielt sich Berkshire Hathaway in der Corona-Pandemie zurück. Anders als beim Finanzmarkt-Crash 2008 nutzte Buffett den Kursrutsch zu Beginn der Krise nicht für günstige Zukäufe - im Gegenteil. Buffett trennte sich im ersten Halbjahr 2020 von sämtlichen Anteilen an US-Fluggesellschaften - und reduzierte außerdem seine Positionen bei US-Banken wie Goldman Sachs deutlich. Dadurch ist der Cash-Berg und damit der Anlagedruck erneut gewachsen - Beobachter werten dies als Hinweis, dass Buffett den Aktienmarkt weiterhin für zu hoch bewertet ansieht. Überteuert einzukaufen, verstößt gegen seine Anlageprinzipien. Im August sorgte Buffett mit einer vergleichsweise kleinen Investition in den Goldminenbetreiber Barrick Gold für Aufsehen - Gold hatte bislang nicht zu seinen Anlagezielen gezählt, doch der seit Monaten stetig steigende Goldpreis und der Run vieler Investoren auf Alternativen zu Aktien wie Gold und Bitcoin ist auch Buffett nicht entgangen. Analysten sehen Buffetts Entscheidung auch darin begründet, dass in Zeiten der Corona-Krise der Dollar Schwäche zeige  und Anleger Krisenwährungen suchen.

Kurspflege statt Käufe - "Sehen nichts besonders Attraktives"

Sonst blieb es ungewöhnlich ruhig um ihn. Wegen der Virus-Eskalation konnte das als "Woodstock der Kapitalisten" bekannte Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway in diesem Jahr nur im Internet stattfinden. "Es sieht nicht aus wie eine Jahreshauptversammlung, und es fühlt sich nicht wie eine solche an", klagte Buffett im Mai vor leeren Rängen in Omaha.

Auch Buffett selbst missfällt, dass Berkshire seit Jahren keinen richtig großen Deal mehr gemacht hat. Seit langem schon rechtfertigt er sich damit, dass die Bewertungen an den Kapitalmärkten schlicht zu hoch seien. "Wir sehen nichts besonders Attraktives", sagte er zuletzt. Statt die enormen Cash-Bestände von Berkshire Hathaway in Beteiligungen oder Übernahmen zu investieren, setzt Buffett immer stärker auf Aktienrückkäufe zur Kurspflege. In den drei Monaten bis Ende Juni wurde dafür der Rekordbetrag von 5,1 Milliarden Dollar aufgewandt.

Für die erfolgsverwöhnten Aktionäre von Berkshire Hathaway brachte das Corona-Jahr 2020 bislang wenig Erfreuliches. Im zweiten Quartal ging der Betriebsgewinn im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar zurück. Das lag jedoch vor allem an Belastungen wegen der Corona-Krise.

Für Verwunderung sorgte auch, dass sich der zum Berkshire-Imperium zählende Flugzeugzulieferer Precision Castparts offenbar beim Kauf einer Firma des Krefelder Unternehmers Wilhelm Schulz über den Tisch ziehen ließ. Ein US-Gericht urteilte zwar im Juli, dass 643 Millionen Euro des Kaufpreises zurückgezahlt werden müssen, doch ob sich das Geld auftreiben lässt, ist ungewiss. Fest steht: Dass sich so etwas im Firmenreich Buffetts ereignet, der eigentlich als penibler Zahlenprüfer gilt, ist ungewöhnlich.

Starallüren sind Buffett fremd. Große Teile seines Vermögens spendet er für wohltätige Zwecke. Gemeinsam mit Bill Gates zählt er zu den bekanntesten Mitgliedern der Spender-Initiative "Giving Pledge". Der Selfmade-Multimilliardär kann Fehler eingestehen und sich selbst auf die Schippe nehmen - eine Ausnahme im umkämpften Geldgeschäft. Von den auf schnelle Gewinne erpichten Renditejägern der Wall Street distanziert sich Buffett. Nur ein langfristiger Ansatz könne stabiles Wachstum liefern: "Jemand sitzt heute im Schatten, weil ein anderer vor langer Zeit einen Baum pflanzte", lautet seine Devise.

la/dpa
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