Hauptversammlung von Berkshire Hathaway Warren Buffett investiert 51 Milliarden US-Dollar

Jahrelang klagte Starinvestor Warren Buffet über fehlende Investmentmöglichkeiten. Nun hat seine Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway kräftig investiert – und das Orakel zu seinen Fans gesprochen.
Gemeinsam fast 190 Jahre alt: Starinvestor Warren Buffett und sein Vize Charlie Munger

Gemeinsam fast 190 Jahre alt: Starinvestor Warren Buffett und sein Vize Charlie Munger

Foto: SCOTT MORGAN / REUTERS

Jahrelang warteten die Fans von Warren Buffett (91) auf den nächsten großen Deal. Die prall gefüllte Kriegskasse seiner Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway füllte sich, stieg mit 144 Milliarden US-Dollar gar auf ein Rekordniveau. Doch der Starinvestor fand einfach keine Übernahmeziele. Es fehle an attraktiven Investmentmöglichkeiten, klagte Buffett, der von seinen Fans auch scherzhaft "Orakel von Omaha" genannt wird.

Das hat sich nun geändert. Während der Krieg in der Ukraine und der Corona-Lockdown in China anderen Investoren Sorgenfalten bescheren und die Unternehmensbewertungen weltweit zurückgehen, gewinnt Buffett wieder Zuversicht. Mehr als 50 Milliarden US-Dollar hat Berkshire Hathaway in den ersten drei Monaten des Jahres investiert.

Nah am Idol: Buffett-Fans auf der Hauptversammlung in Omaha

Nah am Idol: Buffett-Fans auf der Hauptversammlung in Omaha

Foto: CHANDAN KHANNA / AFP

Nach zweijähriger Corona-Pause hatte Buffett am Samstag zum ersten Mal seit 2019 seine Anteilseigner wieder zur legendären Hauptversammlung nach Omaha im US-Bundesstaat Nebraska eingeladen. Unter dem Jubel der mehr als 10.000 Gäste  erklärte der Investor: "Es fühlt sich gut an, wieder zurück zu sein und das persönlich zu tun." Dann scherzte er darüber, dass er und sein neben ihm sitzender Vize Charlie Munger (98) nun zusammen 190 Jahre alt seien. Fünf Stunden lang stellten sich die beiden Senioren schließlich den Fragen ihrer Anteilseigner.

Investment bei Computerspielehersteller ausgebaut

Detailliert erklärten Buffett und Munger die Geschäftssituation von Berkshire Hathaway. In den zurückliegenden Monaten hatte die Investmentfirma die hohen Ölpreise zum Anlass genommen, die Beteiligung am Ölkonzern Chevron auszubauen. Zudem kaufte Buffett für 4,2 Milliarden Dollar Aktien des Computer-Konzern HP. Im März hatte er außerdem die Übernahme des Versicherungskonzerns Alleghany für 11,6 Milliarden Dollar angekündigt.

Am Samstag berichtete Buffett nun, in den vergangenen Monaten kräftig beim Computerspielehersteller Activision Blizzard ("Call of Duty", "Candy Crush") investiert zu haben. Die Beteiligung liege nun bei 9,5 Prozent, der größte Teil der Beteiligung sei aufgebaut worden, nachdem der Softwarekonzern Microsoft die Übernahme von Activision für 68,7 Milliarden Dollar bekannt gegeben hatte. Die Beteiligung Berkshires an Activision ist auf Basis derzeitiger Aktienkurse 5,6 Milliarden Dollar wert. Zuvor hielt Berkshire einen Anteil an Activision im Wert von lediglich 1,1 Milliarde Dollar.

Berkshire Hathaway ist an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt, darunter Versicherungen und eine Güterbahngesellschaft. Hinzukommen Aktienpakete von Konzernen wie Apple oder Coca-Cola. Buffett ist ein sogenannter Value-Investor. Das heißt, er setzt überwiegend auf etablierte und profitable Konzerne, die eine gute wirtschaftliche Verfassung, eine starke Wettbewerbsposition und eine Führungsriege nach seinem Geschmack besitzen – und deren Anteile unterbewertet sind. Zudem hat er sich dem Grundsatz verschrieben, nur in Unternehmen zu investieren, dessen Geschäftsmodell man auch wirklich versteht. Buffett lässt sich Zeit und prüft genau.

Versicherungen belasten Ergebnis

Zum Jahresstart stagnierte der Gewinn von Buffetts Beteiligungsfirma allerdings bei gut sieben Milliarden Dollar und blieb auf dem Niveau des Vorjahres. Gestiegene Schadensforderungen beim Erstversicherer Geico hätten die Resultate in dem Bereich belastet, teilte Berkshire Hathaway mit. Die Verluste seien aber durch andere Beteiligungen annähernd ausgeglichen worden. Im Rückversicherungsgeschäft, bei der Güterbahngesellschaft BNSF sowie bei Fabrikationsunternehmen und im Einzelhandel seien die Geschäfte besser als vor einem Jahr gelaufen.

Der Nettogewinn fiel um 53 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Hier werden allerdings auch stark schwankende nicht realisierte Buchgewinne und -verluste der vielen Aktienbeteiligungen ausgewiesen. Deshalb ist die Aussagekraft mit Blick auf den Geschäftsverlauf begrenzt. Buffett rät davon ab, der Kennzahl viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Berkshire als eine "unendliche Leinwand"

Für seine Fans hatte Buffett bei der Hauptversammlung in Omaha neben Zahlen auch Poetisches im Repertoire. "Ich schaue auf Berkshire wie auf ein Gemälde", sagte er. "Es ist eine immer größer werdende Leinwand und ich kann darauf malen, was ich möchte."

Wie in der Vergangenheit kritisierten Buffett und Munger die Zockerei an den Finanzmärkten scharf. Die Finanzmärkte ähnelten einem Casino, erklärte Buffett. Es habe in den vergangenen Jahren Wetten in einem "außerordentlichem Ausmaß" gegeben, ermutigt von der Wall Street. Munger geißelte den "Spekulationswahn" an den Märkten. "Es gibt Computer mit Algorithmen, die gegen andere Computer handeln", sagte Munger. "Und wir haben Menschen, die nichts über Aktien wissen – und beraten werden von Aktienhändlern, die noch weniger wissen."

Skeptisch bleibt Buffett beim Bitcoin. "Ich weiß nicht, ob der Kurs in den nächsten Jahren hochgeht oder runter", sagte er. "Aber in einer Sache bin ich sicher: Es produziert nichts." Investoren würden dahinter offenbar eine gewisse Magie sehen, dabei sei die Sache einfach. "Damit Güter einen Wert haben, müssen sie etwas leisten für jemanden." Noch deutlicher wurde Munger: "Wenn ein freundlicher Berater euch rät, eure Altersvorsorge in Bitcoin anzulegen – sagt einfach: Nein."

Ins Stocken geriet Buffett auf die Frage, ob der Ukraine-Krieg sich in einen Atomkrieg entwickeln könnte. Er sehe, sagte Buffett, ein "sehr, sehr, sehr, sehr geringes" Risiko einer nuklearen Attacke. Und ergänzte dann: "Die Welt wirft jeden Tag eine Münze. Berkshire hat da auch keine Antwort."

Buffett bleibt unangefochtener Chef

Zu guter letzte gab es noch eine erwartbare Entscheidung: Buffett bleibt weiterhin gleichzeitig Chairman und CEO von Berkshire Hathaway. Die Mehrheit der Aktionäre des Unternehmens lehnten auf ihrer Jahreshauptversammlung in Omaha den Vorschlag ab, den 92-jährigen Buffett durch einen unabhängigen Vorstandsvorsitzenden zu ersetzen. Buffett leitet Berkshire Hathaway seit 1965.

oho/rtr/dpa