Zu kompliziert Ergo Direkt trennt sich von Riester-Bestand

Ergo Direkt setzt auf leicht verständliche Produkte zu günstigen Beiträgen. Da passt die Riester-Rente offenbar nicht mehr ins Konzept. Der Direktversicherer hat seine kompletten Bestände auf die Hanse Merkur übertragen. Riester-Kritiker fühlen sich bestätigt.
Ergo-Zentrale Düsseldorf: Die Direkttochter Ergo-Direkt hat ihren kompletten Riester-Bestand an einen anderen Versicherer übertragen

Ergo-Zentrale Düsseldorf: Die Direkttochter Ergo-Direkt hat ihren kompletten Riester-Bestand an einen anderen Versicherer übertragen

Foto: A3276 Martin Gerten/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die Riester-Rente ist offenbar kein Produkt, das sich gut am Telefon verkaufen lässt. Die geförderte Altersvorsorge im Allgemeinen und die Riester-Rente im Besonderen seien "sehr kompliziert" ist man bei Ergo Direkt überzeugt. Da sich der Direktversicherer aber auf "einfache, leicht verständliche Produkte zu günstigen Beiträgen" konzentrieren möchte, passt die Riester-Rente nicht mehr ins Konzept.

Deshalb hängt die Tochter des Ergo-Konzerns das Geschäft mit Riester-Policen jetzt endgültig an den Nagel und hat laufende Verträge auf die Hanse-Merkur übertragen, erklärte am Dienstag eine Sprecherin auf Anfrage von manager magazin online.

Es handle sich insgesamt um 6000 Kontrakte, die überwiegend in den Jahren 2001 und 2002 abgeschlossen worden seien. Die Kunden hätten durch die Bestandsübertragung keine Nachteile zu erleiden, versicherte die Sprecherin. Die Kunden bekämen die gleichen Leistungen garantiert, heißt es auch bei der Hanse Merkur.

Beim Bund der Versicherten sieht man Bestandsübertragungen grundsätzlich kritisch. "Betroffene Kunden haben keine Möglichkeit, dieser Übertragung zu widersprechen oder aus der Übertragung gesonderte Kündigungsrechte abzuleiten, auch wenn das neue Unternehmen womöglich schlechtere Konditionen bietet", sagt BdV-Chef Axel Kleinlein.

Verbraucherschützer wähnen Nachteile für die Kunden

Mit Blick auf den Fall Ergo Direkt sehen die Verbraucherschützer auch "Anzeichen, dass das neue Unternehmen schlechter mit Mitteln für die zukünftige Überschussbeteiligung ausgestattet" sei. So verfüge die Hanse Merkur nach einer aktuellen Öko-Test-Untersuchung über eine unterdurchschnittliche Ausschüttungsreserve, während die Ergo Direkt hier überdurchschnittlich ausgestattet sei. "Für den Kunden bedeutet dies, dass tendenziell weniger Gelder für zukünftige Überschüsse zur Verfügung stehen", gibt Kleinlein zu bedenken.

Der aktuelle Fall liefere ein weiteres Indiz für die grundlegenden Probleme der Riester-Rente. Kleine Bestände und damit in der Regel verbundene hohe Kosten verhinderten effiziente Angebote. "Kleine Kollektive führen zu höheren Verwaltungskosten und zu zusätzlichen Sicherheitspuffern in der Kalkulation", erläutert Versicherungsmathematiker Kleinlein.

Bestandsübertragungen in der Lebensversicherungswirtschaft sind eine Option für Anbieter, sich von unprofitablem Geschäft zu trennen, das der Branche angesichts niedrigster Zinsen, zunehmender Regulierung und künftig höheren Kapitalanforderungen auch immer weniger Freude bereitet. Vor diesem Hintergrund bietet die Ergo-Mutter seit Sommer vergangenen Jahres eine neue Police an, die auf die klassische lebenslange Garantie verzichtet.

Begründung von Ergo Direkt lässt Fragen offen

Dass die Riester-Policen für die Ergo-Direkt womöglich ein unprofitables Zuschussgeschäft geworden sind, will die Sprecherin nicht bestätigen. Lebensversicherungen zählten "nicht zum Kerngeschäft" des Direktversicherers. Dabei wirbt die Ergo-Tochter auf ihrer Internetseite massiv für Lebensversicherungsprodukte - etwa private Rentenversicherungen, die keineswegs weniger kompliziert sind und deren Verkauf eigentlich ebenfalls viel Beratungsbedarf benötigt.

Die Riester-Rente selbst steht schon lange in der Kritik - zu intransparent, zu renditeschwach lauten hinlänglich die Einwände. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will die auch unter sinkenden Absatzzahlen leidende Riester-Rente deshalb "verbraucherfreundlicher" machen. Dazu soll ein neues Produktinformationsblatt beitragen, über das sich das Ministerium bereits Gedanken macht, wie Nahles zu Wochenbeginn erklärte.

Ob mehr Transparenz die Riester-Rente "retten" wird, wie die Ministerin es angeblich anstrebt, bleibt abzuwarten. Ihr Einsatz für den einstigen Verkaufsschlager der Versicherungswirtschaft dürfte sich wohl auch in Grenzen halten. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die SPD künftig vor allem die betriebliche Altersvorsorge (BAV) stärker fördern will.