Freitag, 18. Oktober 2019

Niedrigzinsen Schäuble sichert Versicherern Hilfe zu

Bundesfinanzminister Schäuble: "Verstärkt Vorsorge betreiben"

Die Versicherungswirtschaft kann auf Hilfe vom Staat hoffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versprach auf der Jahrestagung des Branchenverbands GDV gesetzliche Regeln, um die Bewertungsreserven in der Niedrigzinsphase zu schützen.

Berlin - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Unterstützung für die durch Niedrigzinsen gebeutelte Versicherungswirtschaft angekündigt. Die nächste Bundesregierung werde sich mit dem Thema einer ausgewogenen Verteilung der Bewertungsreserven in den Lebensversicherungen auf die Kunden befassen.

Das niedrige Zinsniveau setze der Branche zu, weil sie höhere Renditen für ihre Kunden garantiere, sagte Schäuble am Donnerstag bei der Jahrestagung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Die Kunden zögerten beim Abschließen neuer Lebensversicherungsverträge. Auf Dauer funktioniere das Geschäftsmodell unter diesen Bedingungen nicht.

"Entscheidend ist, wie schnell die gegenwärtige Phase niedriger Zinsen zu Ende geht", sagte Schäuble. "Über Nacht" werde es sich aber nicht bessern. Er forderte die Lebensversicherer auf, "verstärkt Vorsorge zu betreiben".

Mehrheit der Ausschüttungen stammt aus Bewertungsreserven

Die Versicherungsbranche beklagt schon länger, dass sie wegen der niedrigen Zinserträge ihre Kunden umso stärker an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligen müsse. Dabei handelt es sich um theoretische Gewinne, die durch die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem heutigen Kurswert eines Papiers entstehen. Wegen der niedrigen Zinsen ist diese Differenz zu alten Papieren mit höheren Zinsen derzeit besonders hoch.

Die Ausschüttungen an ausscheidende Kunden stammen laut dem Präsidenten des Versicherungsverbandes, Alexander Erland, im laufenden Jahr zu 53 Prozent aus den Bewertungsreserven, zu 47 Prozent aus den Überschüssen. 2011 lag das Verhältnis noch bei 68 Prozent Überschüssen und 32 Prozent Bewertungsreserven.

Erland sagte: "Die 5 Prozent jährlich abgehenden Kunden bekommen mittlerweile mehr an Bewertungsreserven als das, was die 95 Prozent verbleibenden Kunden an laufender Überschussbeteiligung erhalten." Jeden Monat seien in diesem Jahr knapp 300 Millionen Euro an Bewertungsreserven ausgeschüttet worden, 80 Prozent mehr als 2011.

ak/dpa-afx

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