Mittwoch, 1. April 2020

Lebensversicherung Versicherer können Höhe der Provisionen weiter verstecken

Was kassiert der Vermittler am Verkauf einer Police? Die Kunden werden das auch in Zukunft nicht erfahren

Die Offenlegung der Vermittlerprovision in der Lebensversicherung ist vom Tisch. Die schwarz-rote Bundesregierung macht in letzter Minute einen Rückzieher und gibt damit dem Druck der Versicherer und Vermittler nach.

Hamburg/Berlin - Was ein Versicherungsvermittler an Provision verdient, das werden Kunden in Deutschland wohl nie erfahren. Denn die schwarz-rote Koalition nimmt quasi in letzter Minute Abstand von dem Ziel, dass Vermittler ihre Provisionen gegenüber dem Kunden in Euro und Cent offenlegen müssen. So sah es ursprünglich der Reformgesetzentwurf vor.

Die Passage findet sich jetzt nicht mehr in dem Entwurf. Das geht aus einem Änderungsantrag der Fraktionen von Union und SPD zum Gesetzentwurf hervor, den heute der Finanzausschuss des Bundestages und am Freitag das Plenum selbst verabschieden sollen.

Dabei ist mehr Kostentransparenz eigentlich ein zentrales Ziel des Reformpakets, mit dem die Lebensversicherer in der Niedrigzinsphase stabilisiert werden sollen. Letzteres will der Gesetzgeber erreichen, indem er den Unternehmen erlaubt, künftig zum Nachteil der ausscheidenden Kunden die Bewertungsreserven einzubehalten. Bislang müssen sie die Kunden zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligen.

Bei der Kostentransparenz bleiben Politik und Gesetzgeber jetzt aber zurück, kritisiert Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten (BdV): "Gezielt verwässert die Koalition die wenigen positiven Ansätze des Gesetzes. Ersatzlos wird die Offenlegung der Provisionen gestrichen. Verbraucher müssen nun auf Brüssel hoffen um endlich erkennen zu können, wie sehr der Vermittler an den unterschiedlihen Angeboten verdient. Nur dann kann die Beratungsleistung ja richtig eingeschätzt werden."

Statt der konkreten Provision sollen nun wie bei Riester-Produkten künftig die Gesamtvertriebskosten offen gelegt werden. Die Pflicht zur Angabe der Effektivkosten soll zum 1. Januar 2015 in Kraft treten. Die Effektivkostenquote, die viele Lebensversicherer eingeführt haben, ist allerdings umstritten.

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