Samstag, 25. Mai 2019

Autoversicherung Wer früher bremst, zahlt weniger Prämie

Telematik in Kfz-Versicherung: Gemeiner Spion oder Prämien-Preisbrecher?
Bugatti

"Zahle wie du fährst." Nach diesem Leitspruch lassen sich Millionen Autofahrer in den USA von ihrem Versicherer überwachen - und sparen Prämie. Viele Deutsche würden mitmachen, doch hiesige Versicherer sehen Telematik-Tarife skeptisch.

Hamburg - Stellen Sie sich vor, folgende Mail landet in Ihrem Postfach:"Sehr geehrter Herr Schmidt, nach unseren Daten sind Sie ein vorsichtiger Autofahrer. Einen Kick-Start wie kürzlich an der Ampel Ortsausgang Hamburg und das folgende Überholmanöver ist nicht Ihr Stil. Bleiben Sie gelassen, fahren Sie defensiv. Schützen Sie weiter Umwelt, Verkehrsteilnehmer und vor allem den Rabatt Ihres innovativen Telematik-Tarifs. Ihr Kfz-Versicherer."

Klingt zu futuristisch? So realitätsfern ist das gar nicht. In den USA versuchen Kfz-Versicherer schon länger, den Fahrstil ihrer Kunden mit sinngemäßen Hinweisen wie diesen zu optimieren. "Dahin geht der Trend", sagt Unternehmensberater Gero Nießen.

Autoversicherer in den USA oder Großbritannien sind dazu in der Lage, weil deren Kunden eine kleine Box in ihrem Wagen installiert haben, die laufend Daten über ihr Fahrverhalten speichert und via Funk an das Unternehmen sendet. Im Optimalfall spart der Autofahrer bis zu 30 Prozent Prämie, und die Schadenstatistik des Versicherers fällt deutlich besser aus.

In Großbritannien und den USA, wo diese Tarife mittlerweile etabliert sind, gingen die Schäden von Telematik-Tarif-Kunden um bis 40 Prozent zurück, berichten die Berater von Towers Watson.

Experte erwartet erste Telematik-Tarife in Deutschland ab 2014

In Deutschland gibt es diese Tarife noch nicht. Gut 60 Prozent der Autofahrer könnten sich aber eine Überwachung ihres Fahrverhaltens durch ihren Versicherer vorstellen, wenn denn damit Prämienvorteile verbunden wären. Sie würden mehrheitlich dann auch deutlich defensiver fahren wollen. In Italien und Spanien würden um der Preisersparnis willen sogar knapp 80 Prozent der Autofahrer ihr Fahrverhalten ständig kontrollieren lassen, wie eine Towers-Watson-Umfrage in den sechs größten Kfz-Versicherungsmärkten Europas ergeben hat.

Eine echte Win-Win-Situation - möchte man meinen. In den USA haben Telematik-Tarife in der privaten Kfz-Versicherung mittlerweile einen Marktanteil von 10 Prozent erreicht. Die positiven Erfahrungen im Ausland stimmen Experte Nießen optimistisch: "Die ersten dieser Tarife könnten wir in Deutschland schon ab Mitte 2014 sehen."

Der Optimismus der Unternehmensberater hat noch einen anderen, triftigen Grund: Seit ein paar Monaten testet Towers Watson in Kooperation mit Vodafone Börsen-Chart zeigen und dem Versicherer AIG Europe eine eigene Entwicklung auf dem europäischen Kfz-Versicherungsmarkt - zunächst in Großbritannien und Irland.

Den rücksichtsvollen GTI-Fahrer vom aggressiven unterscheiden

Während Vodafone die Daten zum Fahrverhalten erfasst und über die Box an einen Datenserver weiterleitet, wertet Towers Watson die laufenden Informationen etwa zu Geschwindigkeit, Brems- oder Beschleunigungsverhalten genau aus. Je versichertem Risiko vergeben die Experten einen Score, der klassifiziert, wie gut der Kunde fährt.

Dieser Score ergänzt die bestehenden Tarifmerkmale des Versicherers AIG, anhand derer er die individualisierte Kfz-Prämie kalkuliert. "Wenn man so will, hilft der Score, den rücksichtsvollen GTI-Fahrer von dem schlechten zu unterscheiden - das konnten die Kfz-Versicherer so vorher nicht", sagt Nießen.

In den USA hilft Towers Watson bereits knapp einem Dutzend Versicherern, auf diese Weise das Fahrverhalten ihrer Kunden auszuwerten und zu klassifizieren.

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