Montag, 14. Oktober 2019

Wehe, wenn das Kind kommt ... Viele Versicherer kassieren bei Riester doppelt

Die Versicherungswirtschaft selbst liefert neue Argumente, die Riester-Rente besser zu meiden

Staatlich geförderte Riester-Policen zur Altersvorsorge standen in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik - zu komplex, zu teuer und daher zu renditeschwach, kritisierten Verbraucherschützer und unabhängige Versicherungsexperten.

Wohl auch deshalb ist das Interesse an der Riester-Rente deutlich gesunken. Gut ein Fünftel der Riester-Verträge werden nicht mehr bespart. Eine ganze Reihe von Versicherern bieten sie auch nicht mehr an. Neue Meldungen sind nicht dazu angetan, das Vertrauen in die Riester-Rente und ihre Anbieter zu festigen:

So haben Verbraucherschützer festgestellt, dass Riester-Sparer in manchen Fällen doppelt zur Kasse gebeten werden. Bei einer Umfrage gaben 15 von 34 Versicherern an, bei zulagenbedingten Änderungen des Beitrags erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu kassieren. Das geht aus einer Erhebung der "Marktwächter Finanzen" bei der Verbraucherzentrale Hamburg hervor. Die doppelte Berechnung belastet vor allem Riester-Sparer mit Kindern, kritisierte Sandra Klug, Teamleiterin Versicherungen.

Verbraucher, die für laufende Verträge nach der Geburt des Nachwuchses Kinderzulagen erhalten und entsprechend ihren Eigenbeitrag senken, werden demnach von einigen Versicherern noch einmal zur Kasse gebeten. Wenn sie nach dem Wegfall der Kinderzulagen den Eigenbeitrag für die Riester-Rente wieder erhöhen, zahlten sie erneut Abschluss- und Vertriebskosten. Das widerspreche der Intention des Gesetzgebers, kritisierte Klug. "Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein. Diese Gruppe wird vom Gesetzgeber daher zu Recht besonders gefördert."

Besagte 15 Lebensversicherer interpretieren eine Senkung des Eigenbeitrags als Teilbeitragsfreistellungen. Jede Wiedererhöhung des Beitrags werde dann trickreich wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führe zu neuen Kosten. Die Verbraucherschützer halten dieses Vorgehen nicht zuletzt rechtlich für problematisch.

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