Donnerstag, 5. Dezember 2019

IWF sieht Niedrigzinsen als ernste Gefahr Lebensversicherer rütteln bei Riester am Beitragserhalt

Der IWF sieht wegen der Niedrigzinsen erhöhte Warnzeichen bei den deutschen Lebensversicherern. Ein Indiz dafür: Die Branche stellt bei der Riester-Rente ihre Verpflichtung, die Beiträge des Kunden zu 100 Prozent erhalten zu müssen, für neue Verträge zur Disposition

Der Internationale Währungsfonds hegt Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der deutschen Lebensversicherer, sollten die Zinsen weiter niedrig bleiben. Ein neues Warnsignal: Bislang müssen Anbieter ihren Riester-Kunden den Erhalt aller Beiträge garantieren. Das aber würden sie künftig gern ändern.

Die dauerhaft niedrigen Zinsen könnten nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einem ernsthaften Problem für die deutschen Lebensversicherer werden. Zwar sei die finanzielle Stabilität der Unternehmen akut nicht gefährdet. Doch stellten die niedrigen Zinsen die Geschäftsmodelle der Anbieter in Frage. Sie liefen Gefahr, nicht mehr ausreichend Erlöse für die langfristigen Versprechen vieler ihrer noch im Bestand befindlichen Rentenpolicen erwirtschaften zu können. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des IWF hervor.

Die ab 1. Januar dieses Jahres geltenden schärferen Eigenkapitalregeln (Solvency II), die die Unternehmen mit einer längeren Übergangsfrist erfüllen müssen, hätten den Druck auf die Lebensversicherer noch einmal verschärft, so dass nun manche Marktteilnehmer auf der Suche nach Rendite auch größere Risiken eingingen, schreiben die Experten. Ohne die teils großzügigen Übergangsbestimmen wäre die Mehrheit der Lebensversicherer in Deutschland nicht in der Lage, die strengeren Solvency-II-Regeln zu erfüllen.

Die IWF-Experten fordern die deutsche Finanzaufsicht Bafin auf, die Branche engmaschig zu kontrollieren und schwächere Lebensversicherer zu Reformen zu drängen. Notfalls sollte sie die Geschäfte einzelner Anbieter einschränken oder ihnen diese ganz untersagen. Zugleich mahnt der IWF an, den Branchensicherungsfonds "Protektor", der im Insolvenzfall eines Lebensversicherers eintritt und die Policen zu Ende führen soll, ebenso streng zu beobachten.

Bafin-Chef Felix Hufeld dürften die Erkenntnisse und Forderungen des IWF nicht überraschen, zumal der Fonds bereits in seinem jüngsten Finanzstabilitätsbericht ähnliche Töne angeschlagen hatte. Hufeld, der lange die Versicherungsaufsicht der Behörde führte, hatte zuletzt im Frühjahr dieses Jahres bekräftigt, dass seine Behörde eine "zweistellige" Zahl von Lebensversicherern in "Manndeckung" nehme - sprich, engmaschig überwacht - und hatte damit ungewollt Pleiteängste unter Versicherungskunden geschürt.

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