Niedrigzins schlägt durch Lebensversicherungen bringen nur noch gut 2 Prozent Zins

Wer die Medien aufmerksam verfolgt, weiß es längst: Lebensversicherungspolicen werden angesichts des Niedrigzinsumfeldes als Geldanlage immer unattraktiver. Aktuelle Berechnungen demonstrieren dies eindrucksvoll.
Mit spitzer Feder nachgerechnet: Die Zinsen von Lebensversicherungen befinden sich auf Talfahrt

Mit spitzer Feder nachgerechnet: Die Zinsen von Lebensversicherungen befinden sich auf Talfahrt

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Armin Weigel/ dpa

Klassische Lebens- und Rentenversicherungen werfen im laufenden Jahr wegen der Dauer-Niedrigzinsen deutlich weniger ab als 2020. Die laufende Verzinsung sinkt im Schnitt auf 2,04 Prozent, wie aus Reuters-Berechnungen auf Grundlage der Deklarationen von mehr als 50 Lebensversicherern hervorgeht. Im vergangenen Jahr hatten die gleichen Unternehmen noch durchschnittlich 2,19 Prozent ausgeschüttet, 2019 waren es rund 2,4 Prozent. Nur knapp ein Drittel der Anbieter hält 2021 die Überschussbeteiligung auf klassische Policen mit einem Garantiezins konstant. Immer mehr Versicherer bieten solche Verträge im Neugeschäft nicht mehr an, sie dominieren aber noch immer den Bestand von rund 82 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland.

Zahlreiche große Anbieter haben die Überschussbeteiligung kräftig gesenkt. So verzinst die R+V Lebensversicherung AG, die Nummer zwei der Branche, den Sparanteil nur noch mit 1,75 (2020: 2,3) Prozent. 2019 hatte sie noch 2,6 Prozent gezahlt. Der genossenschaftliche Versicherer hat im Herbst den Ausstieg aus dem Verkauf klassischer Produkte angekündigt - ausgenommen die Riester-Rente - und will künftig nur noch Lebensversicherungen ohne volle Beitragsgarantie anbieten. Damit muss er bei der Festsetzung der Verzinsung keine große Rücksicht mehr auf den Vertrieb nehmen. Steil abwärts geht es nach Daten der Ratingagentur Assekurata auch bei der Debeka: von 2,25 Prozent 2019 über 1,75 Prozent 2020 auf nun 1,25 Prozent.

Auch der unangefochtene Marktführer Allianz Leben hat 100-prozentige Beitragsgarantien im Neugeschäft abgeschafft. Er zahlt auf klassische Lebensversicherungen 2021 noch 2,3 (2,5) Prozent. Das ist ein halbes Prozent weniger als noch vor zwei Jahren, liegt aber über dem Branchendurchschnitt. Zur laufenden Verzinsung kommen noch der Schlussüberschuss und die Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu, die zusammen rund 0,5 Prozent ausmachen können.

Die höchste laufende Verzinsung bietet in diesem Jahr nach den vorliegenden Deklarationen die Ideal Leben und die Athora Leben mit jeweils 3,0 Prozent. Dabei hat Athora als einziger Anbieter die Verzinsung sogar um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Hinter dem Wiesbadener Unternehmen verbirgt sich die ehemalige Delta Lloyd, die ihren Policenbestand als erster Lebensversicherer an den Abwickler Athora verkauft hatte. Ein Abwickler findet sich mit Proxalto auch am unteren Ende der Skala: Die ehemalige Generali Leben, die 2019 an den Bestandsmanager Viridium verkauft worden war, zahlt wie schon im Vorjahr 1,25 Prozent.

Ein Trost für Altkunden: Für viele Policen müssen die Lebensversicherer in der Praxis höhere Zinsen gutschreiben als sie deklariert haben. In der Vergangenheit war der Garantiezins, an den sich die Anbieter über die Laufzeit des Vertrages halten müssen, meist höher als die heutige Überschussbeteiligung. Bis ins Jahr 2000 hinein lag er bei 4,0 Prozent. Wer seine Police bis 2006 abgeschlossen hat, bekommt mindestens 2,75 Prozent. Das Geld dafür müssen die Lebensversicherer seit 2011 in Form der Zinszusatzreserve (ZZR) zurücklegen. 

cr/Reuters
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