Sonntag, 19. Januar 2020

Urteil zu Lebensversicherung Gericht stoppt "Abschlusskosten-Abzocke"

Was eine Lebensversicherung wirklich kostet, können Kunden nicht erkennen, weil Unternehmen Kosten auf geschickte Weise verstecken und damit den Vertrag belasten, behaupten Verbraucherschützer

2. Teil: BdV spricht von drei Milliarden Euro versteckten Abschlusskosten allein in 2015

Nach Ansicht von BdV-Chef Axel Kleinlein blähten die Versicherer schon seit vielen Jahren gezielt die Maximalkosten der Zillmerung um zusätzliche Kosten auf. "Alleine für das Jahr 2015 gehen wir von etwa drei Milliarden Euro aus, die auf intransparente Weise als zusätzliche Abschlusskosten den Kunden angelastet wurden", sagt Kleinlein und kritisiert eine angeblich weit verbreitete "Abschlusskosten-Abzocke".

Dabei stützt sich der Mathematiker auf Veröffentlichungen des Lobbyverbands GDV. Demnach fielen im vergangenen Jahr insgesamt 7,2 Milliarden Euro Abschlusskosten in der Lebensversicherung an, was 4,9 Prozent der entsprechenden vertraglichen Beitragssummen entspräche. Allerdings hätten derzeit nur 2,5 Prozent nach dem Höchtstzillmersatz angesetzt werden dürfen.

Mit den Abschlusskosten allein ist es noch längst nicht getan. Die Gesamtkosten einer Lebensversicherung können je nach Anbieter und Ausgestaltung des Vertrags stark voneinander abweichen. Kosten in Höhe von 20 Prozent und mehr der gezahlten Prämie sind aber keine Seltenheit.

Einer möglichen Revision vor dem BGH sehen die Verbraucherschützer mit Spannung entgegen, würden sich über ein Grundsatzurteil sogar freuen. "Wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, haben die Verbraucher gute Möglichkeiten, die zu hoch angesetzten Abschlusskosten zurückzufordern", ist Kleinlein überzeugt.

Der Hamburger Anwalt Joachim Bluhm, der das Urteil für die Verbraucherschützer erstritten hat, geht jedenfalls davon aus, dass auch andere Anbieter von Riester-Rentenversicherungen bei den Abschlusskosten so verfahren, wie die nun vor Gericht unterlegene HDI Lebensversicherung.

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