Samstag, 20. Juli 2019

Vermeintlich werthaltige Garantien Die garantierte Scheinheiligkeit der Lebensversicherer

Obacht vor scheinheiligen Versprechungen der Lebensversicherer
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Obacht vor scheinheiligen Versprechungen der Lebensversicherer

Lebensversicherer benutzen den Begriff "Garantie" gern, um Kunden zu locken und in Sicherheit zu wiegen. Doch das ist scheinheilig, denn viel Wert haben diese Garantien nicht. Was macht die Politik? Sie plant eine neue Riester-Rente und setzt dabei fatalerweise auf die Assekuranz.

Kaum ein Wort ist der Versicherungslobby so heilig wie die "Garantie" - zumindest, wenn es darum geht, in der Politik Vorteile und Privilegien zu begründen. Und von diesen gibt es viele! Alleine das Steuerrecht zementiert seit Jahrzehnten, dass eigentlich nur die Produkte der Lebensversicherer als vernünftige Altersvorsorge angesehen werden. Denn nur bei diesen Verträgen gibt es die totale oder die hälftige Steuerfreiheit bei den Erträgen, je nachdem, wann der Vertrag abgeschlossen wurde. Wer auf andere Art und Weise Geld fürs Alter anspart, der kommt nicht in den Genuss solcher Steuergeschenke.

Axel Kleinlein
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Axel Kleinlein ist Versicherungs-Mathematiker und arbeitete in dieser Funktion auch für die Allianz. Der gefürchtete Kritiker der Assekuranz führt seit 2011 (mit kurzer Unterbrechung) den Bund der Versicherten (BdV) an. Die größte Verbraucherschutzorganisation für Versicherte in Deutschland. Vor allem mit seinen Studien zur Riester-Rente wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Auch bei der staatlich geförderten Altersvorsorge à la Riester haben die Lebensversicherer eine Sonderrolle: Spätestens ab Alter 85 muss so gut wie jede Riester-Vorsorge in einen Vertrag mit einem Lebensversicherer münden. Seltene Ausnahme ist die selbstgenutzte Immobilie. Aber auch wer mit Bank- oder Fondssparplänen vorsorgen möchte, der wird gesetzlich gezwungen, dass etwa mindestens die Hälfte vom Angesparten zu einem Versicherer geht. Auch heute gilt also noch immer, dass die Riester-Rente ein Geschenk für die Versicherungswirtschaft ist. Es gilt der Grundsatz: Wer riestert, kann sich den Klauen der Versicherungswirtschaft nicht entziehen.

Steuerprivileg und Riester-Zwangsversicherung sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Politik die Versicherungswirtschaft massiv unterstützt. Die Begründung dafür liegt dann meist darin, dass diese Unternehmen ja die einzigen Finanzdienstleister seien, die mit Bravour "Garantien" anbieten würden.

Dieses Blenden mit den Garantien soll auch in 2019 weitergehen. Dieses Jahr soll nach dem Willen der großen Koalition ein "standardisiertes Riester-Produkt" für die Altersvorsorge entwickelt werden. Und ausdrücklich soll dabei die Versicherungswirtschaft eingebunden werden. Und wieder einmal ist damit zu rechnen, dass das damit begründet wird, dass die Versicherer so gut darin seien, die so wichtigen Garantien anzubieten.

Aber tatsächlich ist das mit werthaltigen Garantien bei den Versicherungsangeboten längst passé.

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