Montag, 27. Mai 2019

Vermeintlich werthaltige Garantien Die garantierte Scheinheiligkeit der Lebensversicherer

Obacht vor scheinheiligen Versprechungen der Lebensversicherer
bobbieo / Getty Images
Obacht vor scheinheiligen Versprechungen der Lebensversicherer

2. Teil: Verrentung - wer nicht 130 wird, hat nichts von der Garantie

Die Zinsgarantien gibt es eigentlich kaum noch. Die vielfältigen Produkte der "neuen Garantie" bieten mit extrem hohen Kosten gerade mal das an, was ein vernünftiges Kopfkissen auch kann: Zu Rentenbeginn ist gerade mal so viel Geld da, wie eingezahlt wurde. Das nennt sich dann "Kapitalerhalt". Ist das eine werthaltige Garantie? Nein. Im Gegenteil. Die Einzigen, die wirklich etwas garantiert bekommen, sind die Vertriebler, die garantiert zu Beginn ihre Provisionen bekommen.

"Kapitalerhalt" ist keine werthaltige Garantie

Jetzt werden die Versicherungslobbyisten schimpfen, dass zu dem "Kapitalerhalt" ja noch die Überschüsse hinzuzurechnen seien. Es wäre ja auch garantiert, dass die Kundinnen und Kunden an den Überschüssen zu beteiligen seien. Aber wer sich anschaut, wie es um diese Überschussbeteiligung heute steht, der wird eines Schlechteren belehrt. Denn weil sich die Versicherer massiv verkalkuliert haben, ist die Überschussbeteiligung massiv gekürzt.

Stattdessen fließen diese Gelder mit Unterstützung der Politik in die Zinszusatzreserve, in Nachreservierungen wegen falscher Sterbetafeln, in "kollektive RfB" und andere Töpfe. Eine faire und angemessene Überschussbeteiligung, auf die man sich garantiert verlassen kann? Fehlanzeige. Im Gegenteil. Eher bekommen die Mutterkonzerne über Gewinnabführungen noch viele Millionen bevor die Kundinnen und Kunden an verfassungsrechtlich gebotenen Überschüssen beteiligt werden.

Nicht selten zahlt sich die Verrentung erst mit 130 Jahren aus

Zuletzt behaupten die Versicherer, zumindest noch bei der Verrentung echte Biometrie-Garantien anzubieten. Oder anders ausgedrückt: Nur Versicherer könnten garantierte Rentenfaktoren geben. Aber wenn man sich diese anschaut, dann schmilzt auch der Wert dieser Garantie dahin. Denn diese Rentenfaktoren sind meist so wertlos, dass sie nur dann einen echten Wert für die Versicherten hätten, wenn diese mehr als 130 Jahre alt würden. Wer jünger als 130 stirbt, der hat dann nichts von dieser Garantie. Und das sind nun mal alle. Für alle ist dann auch diese "Garantie" wertlos.

Zusammengefasst: Die Zinsgarantie? In den heutigen Produkten nicht mehr wirklich vorhanden. Die Überschussgarantie? Mit Hilfe der Politik längst aufgeweicht und meist vollständig gestrichen. Die Verrentungsgarantie? Oft so wertlos wie die Chance, 130 Jahre alt zu werden.

Die Versicherungsbranche benutzt den Begriff "Garantie" als Euphemismus für ihre eigene Unfähigkeit, echte Garantien zu erzeugen. Es ist scheinheilig, wenn sich Versicherer als die Gralshüter der Garantie gerieren, tatsächlich aber Garantien gnadenlos zersetzen.

Liebe Politikerinnen und Politiker der großen Koalition. Lassen Sie sich nicht wieder von den leeren Garantieversprechen der Versicherer blenden. Das, was diese Branche heute tagtäglich verkauft, hat keine sinnvollen und werthaltigen Garantien mehr. Schützen Sie ihre Wählerinnen und Wähler davor, in schlechte Garantien gutes Geld zu versenken. Es ist an der Zeit umzudenken.

Axel Kleinlein ist Chef des Bundes der Versicherten (BdV), Deutschlands größter Verbraucherschutzorganisation für Versicherte, und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung