Montag, 21. Oktober 2019

Branche in der Krise Lebensversicherer trudeln über dem Abgrund

Lebensversicherung: Gelingt es, einen kapitalen Absturz noch zu verhindern?
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Lebensversicherung: Gelingt es, einen kapitalen Absturz noch zu verhindern?

2. Teil: Eine Branche belügt sich selbst

Kaum ein Versicherer wagt es gegenüber Kunden, Politik und Öffentlichkeit klar zu sagen, wie es um ihn steht. Stattdessen wird so getan, als gäbe es business as usual. Es wird so getan, als könne man mit unnötigen, überteuerten und unkalkulierbaren neuartigen Produkten das Ruder herumreißen. Kein Versicherungsmanager glaubt aber tatsächlich noch ernsthaft, dass sich die Branche durch Dreitopfhybride oder Select-Tarife durch die Krise retten kann.

Das glauben nur noch die Politiker und die Kunden, die seltsamerweise den Versicherern und deren Werbung und Lobbyisten Vertrauen schenken.

Anstatt wenigstens jetzt mit offenen Karten zu spielen und sich die eigenen Fehler einzugestehen, machen die Versicherer also jetzt, im November 2016, gegenüber Kunden und Politik noch immer so weiter wie bisher. "Jetzt noch den Garantiezins von 1,25 Prozent sichern", wird dieser Tage geworben. "Wie stehen bereit für die Rentenreform", hört man aus der Versicherungsbranche. Kein Wort darüber, dass die Krise ernster ist als je zuvor. Kein Wort fällt darüber, dass es Versicherer gibt, die nicht wissen, wie sie in den nächsten Jahren die notwendigen Reserven füllen sollen.

Eine Branche, die über dem Abgrund trudelt und so tut, als wäre alles fein, die belügt sich selbst - und ihre Kunden und die Politik. Und die Regierung will mit der Rentenreform, dass zukünftig noch mehr Steuergelder den trudelnden Lebensversicherungen zugeschustert werden. Die Regierung sollte sich überlegen, ob es richtig ist, sich mit einer solchen Branche zu verbinden. Eine Branche, die trudelt - über dem Abgrund.

Axel Kleinlein ist Chef des Bundes der Versicherten (BdV), Deutschlands größter Verbraucherschutzorganisation für Versicherte, und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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