Montag, 17. Juni 2019

Lebensversicherer wollen Millionen Policen verkaufen "Dieses Beben in der Lebensversicherung gefährdet die Vorsorge von mindestens 10 Millionen Menschen"

Generali, Ergo und Axa suchen Käufer für ihr Geschäft mit Lebensversicherungen in Deutschland
REUTERS, DPA
Generali, Ergo und Axa suchen Käufer für ihr Geschäft mit Lebensversicherungen in Deutschland

2. Teil: "Freiwillig macht kein Investor Geld für die Versicherten locker"

Kleinlein: In der Tat, jetzt müssen sich die gesetzlichen Regeln bewähren, die eine Mindestbeteiligung vorsehen. Denn freiwillig wird wohl kein Investor Geld für die Kunden locker machen. Ob das ausreicht, das werden wir beobachten. Andernfalls müssen wir nächstes Jahr beim Nachverhandeln des Lebensversicherungsreformgesetzes auch dieses Thema wieder ansprechen, neben den Problemen mit den Bewertungsreserven.

mm.de: In den Bilanzen vieler Lebensversicherer schlummern noch erhebliche Bewertungsreserven, möchte man meinen. Was wird daraus, muss der neue Besitzer die Kunden daran beteiligen?

Kleinlein: Die Beteiligung an diesen "stillen Reserven" ist in der Tat ein kniffliger Aspekt. Denn beim Übertragen des Deckungskapitals könnte ein Versicherer auf die Idee kommen, nur solche Kapitalanlagen zu übertragen in denen wenige dieser Reserven schlummern. Er würde dann die "besseren" Anlagen für sich selbst behalten. Das dürfen die Versicherer aber nicht, das haben wir - also der Bund der Versicherten - im Jahr 2005 erstritten. Das ist aber nicht einfach zu überwachen, da hier eine große Intransparenz herrscht.

mm.de: Nun wollen Aufkäufer selbstverständlich Geld verdienen mit den erworbenen Beständen. Wie soll das gehen?

Kleinlein: Indem sie kostengünstiger arbeiten als eine Ergo, Axa oder Generali. Angesichts der desolaten Lage der meisten Versicherer in Sachen Digitalisierung ist das aber wohl ein eher kleiner Posten. Die Aufkäufer verdienen auch dann Geld, wenn sie die Kunden etwas weniger und etwas später an den Überschüssen beteiligen. Für die Versicherten ist das natürlich von großem Nachteil.

mm.de: Der Mauschelei sind Grenzen gesetzt, schließlich müssen auch die neuen Eigentümer die Kunden an Kosten- oder anderen Überschüssen zu einem Mindestmaß beteiligen.

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