Freitag, 18. Oktober 2019

Gerichtsurteil zu Vergleichsportal Check24 muss Versicherungskunden besser informieren

Immer wirklich das beste Angebot? Dass das Vergleichsportal auch als Makler tätig ist und Provisionen kassiert, wissen viele Kunden nicht - weil Check24 sie nicht ausreichend darüber informiert, urteilte jetzt ein Gericht und verlangt mehr Transparenz

Der Mensch lebt von Vergleichen. Und wer sich informiert, spart Geld - das glauben zumindest viele Kunden von Vergleichsportalen in Deutschland. Die Portale sind auch deshalb so extrem beliebt, weil sie mit der deutschen Sparfuchs-Mentalität spielen.

Spielen ist vielleicht insofern das richtige Wort, als den meisten Kunden nicht bekannt ist, dass Internet-Vergleichsportale auch Provisionen kassieren - zum Beispiel beim Versicherungsabschluss wie bei Check24.

Das Landgericht München hat dem Preisvergleichsportal Check24 nun größere Transparenz für seine Nutzer verordnet. Das Internet-Unternehmen muss seine Kunden künftig bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen deutlich darüber informieren, dass es als Versicherungsmakler agiert und eben Provisionen kassiert. Die Vorsitzende Richterin Barbara Clementi verkündete das Urteil nach einem mehrmonatigen Zivilprozess am Mittwoch.

Das Vergleichsportal verstieß laut Urteil gegen seine gesetzlichen Mitteilungspflichten, weil die vorgeschriebenen Angaben über die Tätigkeit als Versicherungsmakler nur über einen Button in der Fußzeile der Webseite mit der Aufschrift "Erstinformation" zu lesen waren. Dieses Information müsse dem Besucher aber schon "beim ersten Geschäftskontakt" mitgeteilt werden - und zwar so, dass er "nicht erst danach suchen muss".

Beratungspflichten bei Erstkontakt notwendig

Zudem stellten die Richter klar, dass die gesetzliche Beratungspflichten auch für Online-Makler gelten. Demnach müssen solche Internetportale künftig beim ersten Kundenkontakt eine Leistungs- und Bedarfsanalyse liefern, um die Wünsche der Kunden genau zu identifizieren.

Geklagt hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, der 11.000 Versicherungsmakler vertritt und Check24 unlauteren Wettbewerb vorwarf. Verbandspräsident Michael Heinz erklärte das Urteil anschließend zum "Sieg für den Verbraucherschutz".

Doch gaben die Richter den Klägern keineswegs in allen Punkten recht. Die Versicherungsvertreter hatten in ihrer Klage so scharfe Vorgaben für die Online-Beratung gefordert, dass das Internet-Geschäft mit Versicherungen bei einem vollständigen Sieg sehr erschwert worden wäre. Doch das Check24-Geschäftsmodell werde durch das Urteil nicht im Grundsatz gefährdet, sagte Christoph Röttele, der Geschäftsführer des Internetportals. "Wir können mit dem Urteil leben."

rei mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung