Abschied von Riester "Bürgerrente ist ein irreführender Name"

Die Lebensversicherer möchten mit einem neuen Rentenprodukt Millionen Menschen für das Alter absichern. Es soll mehr leisten als renditeschwache Riester-Verträge. Der Finanz-Professor Hartmut Walz meldet erhebliche Zweifel an.
Das Interview führte Lutz Reiche
"Die Bürgerrente gleicht einer Subvention für den Versicherungsvertrieb": Verhaltensökonom Professor Hartmut Walz

"Die Bürgerrente gleicht einer Subvention für den Versicherungsvertrieb": Verhaltensökonom Professor Hartmut Walz

Foto: Ulrich Bosetti

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manager magazin: Herr Professor Walz, die Lebensversicherer und ihr Lobbyverband GDV haben eine "Bürgerrente" entworfen, mit der sie die millionenfach verkaufte Riester-Rente ablösen wollen. Überrascht Sie der Zeitpunkt?

Hartmut Walz: Nein, die Riester-Rente ist faktisch am Ende, sowohl die Verbraucher als auch die Versicherer kehren ihr den Rücken. Gut ein Viertel der bestehenden Verträge wird nicht mehr bespart, allenfalls ein Dutzend Lebensversicherer bietet die Riester-Rente überhaupt noch an. Das Neugeschäft kann die Abgänge nicht mehr kompensieren, die Bestände insgesamt sinken. So ist es nicht verwunderlich, dass der GDV im "stillen Kämmerlein" an einem Vorschlag für ein ebenfalls kapitalgedecktes Nachfolgemodell arbeitet, das er nun in die Diskussion einbringen will.

Professor Hartmut Walz lehrt an der Hochschule Ludwigshafen für Wirtschaft und Gesellschaft zu den Themen Finanzdienstleistungen, Finanzkompetenz, Anlageklassen und Finanzpsychologie/Behavioral Finance. Der Verhaltensökonom engagiert sich seit Jahren für den Verbraucherschutz in den Themen Geldanlage, Versicherungen und Vorsorge. Er ist Autor verschiedener Fachbücher auf diesem Gebiet und unter anderem Fellow der Bürgerbewegung Finanzwende e.V . Walz betreibt einen unabhängigen Finanzblog .

Mit Diskussion meinen Sie die Ende 2022 installierte "Fokusgruppe private Altersvorsorge" im Bundesfinanzministerium.

Richtig, die Koalitionsparteien haben sich ja eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge auf die Fahnen geschrieben und beginnen jetzt endlich mit ihrer Arbeit. Die besagte Fokusgruppe hat im Kern zwei Prüfaufträge. Zum einen soll sie die Einführung eines öffentlich verantworteten Vorsorgefonds prüfen und zum anderen die Anerkennung möglicher neuer Anlageprodukte, die aber höhere Renditen abwerfen als die Riester-Rente.

Über Alternativen in der privaten Altersvorsorge wird ja nicht erst seit ein paar Monaten diskutiert. Werden wir noch in dieser Legislaturperiode einen Neustart erleben?

Die Vorbereitung eines öffentlich verwalteten Fonds ist eigentlich ein sehr überschaubarer Prozess, zumal es ja verschiedene erfolgreiche Umsetzungen in anderen Ländern wie zum Beispiel Schweden gibt. An denen könnte man sich einfach "benchmarken". Je nach Intensität der Arbeit vor allem der Versicherungslobby, könnte es jedoch passieren, dass dieser Prüfauftrag unterlaufen wird. Dass also nicht das "wie" ausgearbeitet, sondern das "ob" in Frage gestellt wird.

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass ein solcher Fonds am Ende verhindert wird?

Die Versicherungswirtschaft lehnt so einen Fonds bekanntlich ab – und sie ist in Berlin gut vernetzt. Doch der Druck auch aus Brüssel, effektiveren und günstigeren Vorsorgeprodukten den Weg zu ebnen, steigt. Will die Bundesregierung das System der geförderten, privaten Altersvorsorge "grundlegend reformieren", wie sie behauptet, muss sie kostengünstige Alternativen wie solch einen Fonds zulassen und die dominante Position der Lebensversicherer schwächen.

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