Dienstag, 20. August 2019

Allianz Lebensversicherung Mehr Geld für Aktionäre, weniger für Versicherte

Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen
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Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen

3. Teil: "Heute macht jeder Anbieter was er will"

Weinmann: 21 Prozent sind ohne Zweifel ein Wert, bei dem mancher Versicherungsnehmer schlucken muss. Ich möchte aber auf einen Zusammenhang hinweisen, der nicht so ohne weiteres ersichtlich ist. Seit 2011 müssen die Lebensversicherer ihre Bilanz um die Zinszusatzreserve verstärken. Dies dient der Stärkung der Garantien, wird als Aufwand gebucht und dementsprechend niedriger ist der Rohüberschuss. Vor Dotierung der Zinszusatzreserve hat die Allianz den Rohüberschuss sogar gesteigert, denn diese Dotierung ist höher als der Rückgang des Rohüberschusses. Nichtsdestotrotz: Weniger wäre mehr.

mm: Lebensversicherer verschieben mehr Gewinne als zuvor in Reservetopfe - so wächst auch bei der Allianz der Schlussgewinnanteilsfonds stark. Ein Rechtsanspruch auf einen Schlussgewinn besteht nicht. Es mehren sich Berichte über Anbieter, die zuvor in Aussicht gestellte Schlussgewinne von bis zu 9000 Euro einfach auf Null kürzen. Da muss sich doch ein Kunde betrogen fühlen, oder?

Weinmann: "Rechtssicher" für den Kunden sind die Garantieleistung und die jährliche Überschussbeteiligung. Die Schlussgewinnbeteiligung ist eine wachsweiche Kannvorschrift, denn in den Versicherungsbedingungen heißt es: "Bei Vertragsende oder ab Beginn der Rentenzahlung kann ein Schlussüberschussanteil hinzukommen". Ein weiteres Problem liegt in der fehlenden Regulierung. Früher hatten wir einen Gesamtgeschäftsplan für die Überschussbeteiligung, in dem auch die Schlussüberschussbeteiligung eindeutig geregelt war. Heute macht jeder Anbieter was er will.

mm: Was sollte sich bei der Gewinnbeteiligung aus Kundensicht dringend ändern?

Weinmann: Erstens: Wie angesprochen mehr Transparenz in der Zusammensetzung des Gewinns. Zweitens: Eindeutige und für alle verbindliche Regelung des Schlussgewinns. Drittens: Mehr Kosteneffizienz in der Branche und damit letztendlich eine höhere Gewinnbeteiligung.

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