Sonntag, 25. August 2019

Allianz Lebensversicherung Mehr Geld für Aktionäre, weniger für Versicherte

Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen
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Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen

2. Teil: Nicht nur der Schlussgewinnanteil bleibt nebulös

Weinmann: Rechtslage ist, dass es eine gesetzliche Regelung seit 2008 gibt, die man versuchte aufzuweichen, die aber weiterhin gilt. Die Allianz hat nach meinen Überlegungen mit der Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven keine Probleme. Die Diskussion darum scheint zumindest für sie eine Scheindiskussion zu sein. Offen ist für mich aber, ob das Unternehmen bei Auszahlung der Bewertungsreserven zum Vertragsende diese mit dem "planmäßigen" Schlussgewinnanteil verrechnet - der Kunde also weniger erhält als er hätte bekommen können.

mm: Die Branche sieht Bewertungsreserven ohnehin als "Scheingewinne", die sie nicht ausschütten will. Reden wir über "echte" Gewinne. Kapital-, Kosten- und Risikogewinne bilden den Rohüberschuss. Wie viel davon geht bei der Allianz auf die Kosten- und Risikoüberschüsse zurück?

Weinmann: Die Antwort ist eindeutig: Ich weiß es nicht. Die Aufsichtsbehörde Bafin hat die entsprechenden Größen, und sie veröffentlich diese jährlich auf Branchenebene, aber nicht für die einzelnen Unternehmen. Im externen Geschäftsbericht weist die Allianz Lebensversicherung diese Größen nicht aus.

mm: Warum macht die Allianz so ein Geheimnis aus der genauen Zusammensetzung ihres Gewinns? Fürchtet man, dass die Kunden - vielleicht auch zu Recht - dank genauerer Daten eine größere Partizipation einfordern?

Weinmann: Es hat ja bisher niemand ernsthaft danach gefragt, und ohne gesetzliche Änderung kann auch keine größere Partizipation eingefordert werden. Vor lauter Diskussion um die neuen Eigenkapitalregeln Solvency II ist in den vergangenen Jahren nichts passiert, um den Informationsgehalt für externe Adressaten wie die Verbraucher zu verbessern.

mm: Nach Ihrer Analyse stieg der Anteil der Allianz-Aktionäre am Gewinn zu Lasten der Versicherten um 2 Prozentpunkte auf 21 Prozent. Dabei fiel der Rohüberschuss um 10 Prozent. Die Aktionäre kassieren also mehr vom kleineren Kuchen, zugleich setzt die Allianz die Überschussbeteiligung für das Folgejahr deutlich herab. Ist das nicht gerade jetzt das völlig falsche Signal?

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