Freitag, 18. Oktober 2019

Marktführer kritisiert Wettbewerber Allianz will teure Altkunden nicht rausdrängen

Die Allianz heißt Kunden mit hochverzinsten Altverträgen nach wie vor willkommen und würde ihnen nie ein Angebot zur vorzeitigen Kündigung unterbreiten, versichert der Allianz-Leben-Chef

Auf den Vorstoß einzelner Lebensversicherer, zehntausende Kunden mit hochverzinsten Verträgen möglichst loszuwerden, reagiert die Allianz mit Kritik. Damit setzt sich der Marktführer in der öffentlichen Diskussion nicht ganz uneigennützig von den Wettbewerbern ab.

Ob nun Neue Leben, Generali oder Gothaer - Lebensversicherer schreiben derzeit zehntausende langjährige Kunden mit hochverzinsten Verträgen an. Sie wollen Ihnen eine vorzeitige Kündigung ihres Vertrags schmackhaft machen und stellen dafür unter anderem den Erlass von möglichen Stornokosten in Aussicht.

Für den Marktführer Allianz nehmen sich derlei Lockvogelangebote eher als Geschmacklosigkeit aus, die das Vertrauen der Kunden in das Produkt Lebensversicherung noch weiter beschädigen könnten.

Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber schloss derlei Briefe des Marktführers an seine Kunden nicht nur kategorisch aus, sondern kritisierte im Intranet des Konzerns auch die Wettbewerber.

Vertrauen sei die Basis für das Geschäft eines Lebensversicherers. "Vertrauen in die eigenen Angebote gewinnt man sicherlich nicht, indem man die Kunden loswerden möchte", schrieb Faulhaber. "Ich denke nicht daran, (...) bei langjährigen Kunden auch nur den Anschein zu erwecken, sie wären mit ihren älteren Verträgen nicht mehr willkommen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus entsprechenden internen Mitteilung an die Mitarbeiter.

Viele Lebensversicherer meiden mittlerweile die lebenslange Garantie

Ältere Policen mit einem Garantiezins von 2,75 Prozent und mehr sind für viele Lebensversicherer mittlerweile zu einer Belastung geworden. Zum einen sind derlei Erträge im anhaltenden Niedrigzinsumfeld nur noch schwer zu erwirtschaften. Zum anderen müssen die Unternehmen für langjährige Versprechen hochverzinster Verträge jedes Jahr Milliarden zurücklegen. Das belastet Bilanz, zugleich stehen die vorgeschriebenen Zinszusatzreserven für die jährliche Gewinnbeteiligung nicht zur Verfügung und schmälern die Attraktivität des Produkts.

Verbraucherschützer kritisierten im Gespräch mit manager manager online die Massenbriefsendungen einzelner Anbieter als klaren Versuch, teure Kunden loszuwerden. Zugleich warnten sie davor, sich von einem Erlass möglicher Stornokosten bei sofortiger Kündigung der Police blenden zu lassen. Wenn ein Lebensversicherer so agiere, sei das eine "Bankrotterklärung" und das Eingeständnis, dass sich der Lebensversicherer sein eigenes, ursprüngliches Geschäft nicht mehr zutraue, sagte unter anderem Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten.

Mittlerweile haben viele Lebensversicherer das Geschäft mit der klassischen Garantie aufgegeben oder sich von Beständen hochverzinster Policen getrennt, um die Bilanz zu entlasten. Die Allianz verkauft Policen mit einem lebenslang garantierten Zins nur noch auf expliziten Wunsch des Kunden. Ihre Vermittler raten sogar davon ab und vertreiben lieber neuartige Produkte ohne oder mit eingeschränkter Garantie, die stark am Kapitalmarkt orientiert sind. Mit diesen Policen erhöhten Kunden ihre Chance auf mehr Rendite, heißt es. Sie gehen damit naturgemäß aber auch größere Anlagerisiken ein.

Allerdings haben Verbraucherschützer die mit viel Hoffnung bedachte neue "Index Select"-Police der Allianz ebenfalls scharf kritisiert. Die Verbraucherzentrale Hamburg mahnte den Versicherungskonzern ab.

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