Tabu gebrochen Allianz Leben schafft Policen mit Beitragsgarantie ab

Deutschlands größte Lebensversicherung nimmt nach Jahrzehnten Abschied von Policen mit voller Zins- und Beitragsgarantie. Die Allianz will auch die Garantieregeln für staatlich geförderte Produkte schleifen - mit Unterstützung von Ex-Staatssekretär Jörg Asmussen.
Allianz-Gebäude in Berlin

Allianz-Gebäude in Berlin

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Allianz Leben bricht endgültig mit herkömmlichen Lebensversicherungen mit lebenslangen Zins- und Beitragsgarantien. Vom kommenden Jahr an bietet Deutschlands größter Lebensversicherer seinen Kunden keine Altersvorsorge-Produkte mehr an, die ihnen nach Ablauf der Ansparphase wenigstens den Erhalt ihrer eingezahlten Beiträge garantieren. Im Neugeschäft würden dann nur noch Lebens- und Renten-Policen verkauft, bei denen 60, 80 oder 90 Prozent der Einzahlungen garantiert sind, teilte die Deutschland-Tochter des Münchner Versicherungsriesen am Dienstag mit. Die Allianz Leben bricht damit angesichts der dauerhaften Niedrigzinsen ein Tabu in der Branche, die jahrzehntelang mit Garantien geworben hatte.

Bereits vor sieben Jahren hatte Allianz Leben einen Trend gesetzt, indem sie für ihre neuen Produkte keine lebenslangen Zinsgarantien mehr abgab, den Kunden dafür aber mehr Rendite versprach. Wer auf einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung bestand, konnte sie aber noch abschließen. Das ist ab 2021 ebenfalls passé. "Das Umfeld hat sich seit der Einführung der neuen Produktgenerationen 2013 nochmals radikal verändert", sagte Allianz-Leben-Vorstandschef Andreas Wimmer der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir werden aber weiterhin sehr sicherheitsorientierte Produkte im Portfolio haben."

Je geringer der garantierte Anteil der Beiträge, desto mehr kann die Allianz sie in riskantere, aber lukrativere Anlagen wie Aktien investieren. "Die Umstellung bringt uns hoffentlich weiteres Wachstum. Dadurch sinken langfristig auch die Kosten", sagte Wimmer. Die Bedeutung der Garantien habe in den Augen der Kunden abgenommen: Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung, die schon bisher Wahlmöglichkeiten bot, hätten vor fünf Jahren drei Viertel der Kunden einen 100-prozentigen Beitragserhalt gewählt, zuletzt nur noch ein Viertel.

Auch Riester und betriebliche Altersvorsorge im Visier

In der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) soll es - wie gesetzlich vorgeschrieben - weiter eine 100-prozentige Beitragsgarantie geben. Die Allianz drängt aber auch bei diesen streng reglementierten, staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten auf Änderungen. Die Unterstützung des Branchenverbandes GDV hat sie: "Um Chancen am Kapitalmarkt nutzen zu können, braucht es flexiblere gesetzliche Garantieanforderungen", sagte GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen (53). "Unsere Vorschläge für einen Neustart von Riester liegen auf dem Tisch." Nun sei die Politik am Zug, so der frühere Staatssekretär in Finanz- und Sozialministerium sowie EZB-Direktor.

Das Aus kommt 2022 auch für die Allianz-Pensionskasse, die wegen ihrer strengen Vorgaben nur noch geringe Renditen bieten konnte. Sie werde dann für neue Kunden geschlossen, kündigte Wimmer an. Zuletzt hatten nur rund 500 Kunden pro Jahr einen Vertrag abgeschlossen. In der bAV will Allianz Leben künftig nur noch Direktversicherungs- oder Pensionsfonds-Produkte anbieten. Einen Verkauf der Pensionskasse oder anderer deutscher Bestände an einen Abwickler schließt Wimmer weiter kategorisch aus.

ak/reuters
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