Zwischenbilanz der Corona-Krise Allianz-Chef sieht das Schlimmste überstanden

Die Corona-Krise setzt der Allianz zu, der Gewinn fällt aber nicht ganz so stark wie befürchtet. Konzernchef Bäte verspricht bessere Zahlen für das zweite Halbjahr, eine Prognose wagt er jedoch nicht.
"Stabile Geschäftsergebnisse im zweiten Halbjahr": Allianz-Chef Oliver Bäte blickt vergleichsweise optimistisch auf den Rest des Jahres

"Stabile Geschäftsergebnisse im zweiten Halbjahr": Allianz-Chef Oliver Bäte blickt vergleichsweise optimistisch auf den Rest des Jahres

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Allianz-Chef, Oliver Bäte (55), hält das Schlimmste in der Coronavirus-Pandemie für überstanden. Die Ergebnisse von Deutschlands größtem Versicherungskonzern in der ersten Jahreshälfte stimmten ihn zuversichtlich, "in der zweiten Jahreshälfte 2020 stabile Geschäftsergebnisse" zu liefern, sagte Bäte bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal in München.

Von April bis Ende Juni brach das operative Ergebnis zwar um 19 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ein, der Umsatz schrumpfte im Quartal um sieben Prozent auf 30,9 Milliarden Euro. Damit schnitt die Allianz aber immer noch besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet.

Eine konkrete Prognose gab Bäte aber weiterhin nicht. Der Vorstand hatte sein ursprüngliches Gewinnziel wegen der Corona-Krise Ende April zurückgezogen. Europas größter Versicherer geht laut Aussagen vom April davon aus, dass sein operatives Ergebnis in diesem Jahr um mehr als eine halbe Milliarde Euro schrumpfen wird. Die anvisierten 11,5 bis 12,5 (Vorjahr: 11,9) Milliarden Euro seien "nicht mehr zu erreichen", hieß es seinerzeit.

400 Millionen Euro Schäden in Schaden- und Unfallsparte

Analysten trauen dem Versicherer für das Corona-Jahr 2020 einen operativen Gewinn von rund 10,5 Milliarden Euro zu. Das wären knapp eineinhalb Milliarden weniger als im vergangenen Jahr. 4,9 (2019: 6,1) Milliarden hat die Allianz nach dem ersten Halbjahr in der Tasche. In der zweiten Hälfte 2019 hatte sie 5,9 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Die Folgen der Pandemie schlugen sich im zweiten Quartal vor allem in der Schaden- und Unfallsparte nieder, die unter anderem Großveranstaltungen gegen Ausfall versichert, aber auch Reiserücktrittsversicherungen verkauft. Rund 400 Millionen Euro Corona-Schäden fielen dort an, rund 800 Millionen sind es seit Jahresbeginn. Dadurch erhöhte sich die Schaden-Kosten-Quote im Quartal auf 95,5 (94,3) Prozent.

Neugeschäft in Lebensversicherung bricht ein

Rückläufige Beitragseinnahmen machte die Allianz aber durch höhere Preise praktisch wett. In der Lebens- und Krankenversicherung brach das Neugeschäft ein, weil sich vor allem in Deutschland und den USA weniger Policen verkaufen ließen. Die Corona-Pandemie kostete in der Sparte rund 100 Millionen Euro.

Die Vermögensverwaltung mit den Töchtern Pimco und Allianz Global Investors verzeichnete nach dem schwachen Jahresstart im zweiten Quartal Nettomittelzuflüsse von 26 Milliarden Euro. Dies und die Kursgewinne ließen das für andere Investoren verwaltete Vermögen um 101 Milliarden auf 1,66 Billionen Euro wachsen. Insgesamt verwaltet die Allianz damit nun 2,25 Billionen Euro.

Münchener geben Widerstand auf

Finanzvorstand Giulio Terzariol (48) kündigte am Mittwoch zudem an, dass der Konzern seinen Vorstoß zur Abschaffung verpflichtender Quartalsberichte in Deutschland vorerst aufgebe. "Man kann auch ohne Quartalsberichte gute Transparenz schaffen", sagte er. Wichtige Investoren und andere Interessengruppen hätten aber zu verstehen gegeben, dass sie auch auf die Zwischenbilanzen zum ersten und dritten Quartal Wert legten. "Deshalb werden wir uns umorientieren und wohl mit den Quartalsberichten weitermachen", sagte der Italiener.

Die Allianz hatte Anfang des Jahres eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Quartalsberichte oder -mitteilungen vom Zaun gebrochen, die in der Börsenordnung für alle Unternehmen in den Dax-Indizes vorgeschrieben sind. Der Aufwand dafür sei zu groß. Die Deutsche Börse ist der einzige große Börsenbetreiber in Europa, der alle drei Monate einen Bericht zur Geschäftslage verlangt. Sie hatte die Anforderungen daran aber vor vier Jahren deutlich zurückgeschraubt, nachdem die EU die Verpflichtung zu Quartalsberichten gekippt hatte

rei/Reuters/dpa