Mittwoch, 1. April 2020

mm-Grafik Diese Kurve schmerzt schon beim Anblick

Es gibt Kurven, die verursachen schon beim Anblick Schmerzen - so etwa die zur Verzinsung von Lebensversicherungen. Seit mehr als zehn Jahren fällt die Rendite der Policen kontinuierlich. Eine Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Hamburg - Die laufende Verzinsung der Lebensversicherungen in Deutschland fällt seit mehr als einem Jahrzehnt und hat tiefe Löcher in die Vorsorgepläne der Menschen gerissen. Dabei begann die Erosion der Rendite bereits vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, wie die Grafik von Statista zeigt. Aktuell liegt die Verzinsung bei weniger als 3,5 Prozent - auf den Sparanteil der Prämie wohlgemerkt. Bleiben die Marktzinsen für risikoarme Kapitalanlagen niedrig, wovon Experten ausgehen, dürfte die Kurve und damit die Rendite der Policen vorerst weiter fallen. Denn Lebensversicherer investieren das Geld ihrer Kunden ganz überwiegend in vergleichsweise risikoarme Papiere.

Zudem sinkt ab kommendem Jahr für Neuverträge der garantierte Zins gesetzlich auf 1,25 Prozent, um die langfristigen Zusagen an die Kunden besser zu sichern. Zwar zahlen die Unternehmen darauf noch jedes Jahr eine Überschussbeteiligung, doch diese ist eben nicht garantiert und fällt wegen der Niedrigzinsen ebenfalls. In Kürze ausscheidende Kunden müssen darüber hinaus damit rechnen, dass sie weniger bis gar keine Bewertungsreserven ausgezahlt bekommen. Das kann die Ablaufleistung einer Police um bis zu mehrere Tausend Euro senken.

Einige Unternehmen versuchen, das Geschäftsmodell mit neuartigen Policen und abgespeckten Garantien über die Zeit zu retten. Ob das gelingt, bleibt offen. Viele Beobachter und Verbraucherschützer sehen daher die kapitalbildende Lebensversicherung als Auslaufmodell an.


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