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Supersportwagen in Genf: Die hohe Schule des PS-Protzens

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Luxusautos und Oldtimer Wenn die Kfz-Police 30.000 Euro kostet

Viel Tageslicht sehen Superluxusautos und Oldtimer nicht. Geht's auf die Straße, ziehen die teuren Träume die Blicke auf sich. Experten der Allianz verraten, wie man diese Exoten versichert, warum das viel Menschenkenntnis erfordert und warum reiche Kunden bei der Police gern geizen.

mm: Meine Herren, gesetzt den Fall, ein Kunde fährt mit einem Bugatti Veyron oder einem Ferrari F40 aus den 80er Jahren auf den Hof einer Allianz-Vertretung vor. Bekommt er dann ohne weiteres eine Police für sein edles Stück?

Glaubitz: So einfach ist das nicht. Wir reden hier von hochwertigen Luxusautos und Oldtimern, das ist kein Massengeschäft. Der Halter braucht selbstverständlich eine Haftpflichtversicherung. Das lässt sich noch relativ einfach und schnell berechnen. Aufwändiger ist dagegen die Frage nach der Kaskoversicherung, also dem Versicherungsschutz insbesondere bei Unfall oder Diebstahl. Bei solchen Fahrzeugen schlägt man nicht einfach in einer Liste nach und sucht schnell den passenden Tarif heraus. Solche Listen gibt es bei uns nicht …

von Gumppenberg: … zumal das Versichern von Oldtimern noch einem anderen Procedere folgt als das von Luxusautos oder Supersportwagen. Ohne ein unabhängiges Wertgutachten können wir für einen Oldtimer keinen Versicherungsschutz geben. Zudem ist der Zustand des Fahrzeugs ganz entscheidend. Oldtimer mit einer schlechteren Zustandsnote als drei versichern wir nur in Ausnahmefällen.

mm: Exotenautos erfordern demnach auch Exotenpolicen?

von Gumppenberg: Sie erfordern auf jeden Fall Expertenwissen. In diesem Segment müssen wir schon genau nachfragen, um die Risiken besser einschätzen zu können. Welchen Wert hat das Fahrzeug? Wer nutzt es? Wie wird das Auto und zu welchem Zweck genutzt? Wie sicher ist das Fahrzeug untergebracht, wenn es nicht bewegt wird? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen dann die Prämie ganz entscheidend mit.

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mm: Würden Sie von einem Nischenmarkt sprechen?

Glaubitz: Ja, ganz bestimmt. Gerade für kleinere Versicherungsanbieter stellt es ein großes Risiko dar, in einem vergleichsweise kleinen Portfolio solch kostspielige Exoten und Oldtimer zu führen. Größere Versicherer sind da im Vorteil. In der Regel sind diese Fahrzeuge mit ihrem Markt- oder Wiederbeschaffungswert versichert. Da kann ein Schaden schnell in die Hunderttausende gehen.

mm: Ziehen wir die Grenze mal bei 250.000 Euro. Wie viele Luxusautos und Oldtimer versichert die Allianz in diesem Preissegment?

Glaubitz: Legen wir diesen Maßstab an, sind es schätzungsweise 500 Fahrzeuge. Dabei handelt es sich allerdings um Fahrzeuge, die eher selten sind und daher nicht im offiziellen Typklassenverzeichnis geführt werden. Hochwertige Fahrzeuge, die im Typklassenverzeichnis aufgeführt sind, dazu gehören unter anderem einige Porsche- und Mercedes-Modelle, kommen dann noch hinzu. Damit dürfte die Allianz in diesem Markt stark vertreten sein. Dabei versichern wir zum einen Fahrzeuge, die angemeldet sind und gefahren werden - dazu zählen auch Oldtimer. Zum anderen gibt es den Bereich der dauerhaft abgemeldeten Fahrzeuge. Das sind ganz überwiegend Oldtimer, die auch Teil einer Sammlung sein können. In diesem Fall benötigt der Eigentümer wegen des fehlenden Bewegungsrisikos keine Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung, womit die Kalkulation der Prämie auch eine andere ist.

mm: Mit erscheint die Abgrenzung schwierig. Ich hätte vermutet, dass vor der Policierung eines Luxusautos die Allianz wie bei Oldtimern standardmäßig ein Wertgutachten einholt.

"Vermögende Kunden handeln sehr preisbewusst"

Glaubitz: Benötigt der Kunde eine Kaskoversicherung, müssen wir natürlich den Wert des Fahrzeugs kennen. Der kann sich aus einem Gutachten ergeben. Bei einem neuen Auto kann auch der Kaufpreis den Wert abbilden. Der festgestellte Wert ist Basis für die Beitragskalkulation und die höchstmögliche Entschädigungssumme. Da Oldtimer oft als Wertanlage fungieren, sichert eine zehnprozentige Vorsorge zusätzlich mögliche Wertsteigerungen mit ab. Marktwerte sind vor allem dort wichtig, wo die Wiederbeschaffung des Fahrzeugs schwierig oder gar unmöglich ist.

von Gumppenberg: Damit sind wir übrigens gar nicht so weit von der Kunst entfernt. Kommt ein Gemälde zu Schaden oder wird gestohlen und können Sie dieses oder ein ähnliches vom selben Künstler nicht wiederbeschaffen, müssen Sie auch einen Marktwert unterstellen.

mm: Wer einige hundertausend Euro für einen Ferrari oder einen Millionenbetrag für einen Bugatti Veyron zahlt, spart vermutlich nicht am Versicherungsschutz. Oder vergleichen Kunden auch hier sehr genau?

Glaubitz: Wir machen die Erfahrung, dass vermögende Kunden, die kostspielige Fahrzeuge kaufen, uns Preisangebote der Wertbewerber vorlegen und durchaus sehr preisbewusst handeln.

mm: Kampfpreise im Luxussegment? Das würde man eher im Massengeschäft vermuten.

Glaubitz: Vor fünf, sechs Jahren war das nicht unüblich. Jetzt ist es in diesem Segment etwas ruhiger geworden, vermutlich auch, weil weniger Versicherer als früher Risiken in diesem anspruchsvollen Spezialgeschäft zeichnen.

mm: Lehnt die Allianz auch schon mal einen Versicherungsantrag für ein Vermögen auf vier Rädern ab?

Glaubitz: Wenn uns das Risiko insgesamt zu groß erscheint, kann das durchaus passieren. Zum Beispiel dann, wenn der Eigentümer den Fahrerkreis nicht klar benennen kann oder das Fahrzeug auch verliehen werden soll. Solche Risiken sind schwer kalkulierbar, da zeichnen wir normalerweise nicht. Es sei denn, es gibt gute Gründe wie zum Beispiel eine umfangreiche Kundenverbindung.

mm: Welche Rolle spielt Menschenkenntnis in diesem Geschäft? Wie wichtig ist dabei Ihr Gesamteindruck vom Kunden?

Glaubitz: Das ist sogar ein sehr starkes Kriterium. Fährt jemand mit besagtem Bugatti Veyron auf den Hof einer Allianz-Vertretung vor, tun wir uns mit der Policierung leichter, wenn wir den Menschen kennen und Erfahrungen mit ihm gesammelt haben. Bei Neukunden ist das natürlich schwieriger, weil wir wenig über die Person wissen. Dann ist es notwendig, mehr über sie zu erfahren.

mm: Ein Insider sagte mir, Vollkaskoschutz ohne Selbstbeteiligung würden die Versicherer angesichts der immensen Preise dieser Vehikel nicht gewähren. Gilt das auch für die Allianz?

von Gumppenberg: Auch wir bieten bei kostspieligen Autos keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung an. Das hat einerseits mit dem Risiko zu tun, den der Verlust zum Beispiel eines 1,7 Millionen Euro Bugatti Veyron bedeuten kann. Andererseits stellt sich die Frage, warum ein Kunde, der sich so ein teures Auto leistet, keine Selbstbeteiligung akzeptiert und auch gegen Kleinstschäden abgesichert sein will. Deshalb vereinbaren wir in diesen Fällen immer eine höhere Selbstbeteiligung des Kunden im Schadensfall.

mm: Wie hoch kann die trotz Vollkaskoschutz ausfallen?

Glaubitz: In diesem Bereich sind Selbstbeteiligungen bis zu 10 Prozent des Wiederbeschaffungswertes nicht unüblich. Im Einzelfall können das schon mal mehrere zehntausend Euro sein. Doch bereits mit nur 5000 Euro tun sich einige Kunden schwer und würden ihr Exotenfahrzeug am liebsten ganz ohne Selbstbeteiligung versichern.

"Wenige Diebstahlfälle können einen Versicherer empfindlich treffen"

mm: Wie hoch kann dann die Versicherungsprämie für einen Oldtimer oder ein Fahrzeug der absoluten Luxusklasse ausfallen kann. In Internetforen ist vereinzelt von bis zu 30.000 Euro Jahresprämie die Rede. Ist das realistisch?

Glaubitz: Das hängt natürlich von vielen Fragen ab, die wir eingangs skizziert haben. Wenn dann die Risikomerkmale aus Sicht des Versicherers ungünstig sind und das Auto einen Millionenwert hat, sind auch Jahresprämien von 30.000 Euro nicht ausgeschlossen.

mm: Viele Kilometer fahren die Fans mit ihren Luxusgefährten oder Oldtimern in der Regel wohl nicht. Das Unfallrisiko dürfte also eher geringer sein. Was macht dann eine Versicherung so teuer - die hohe Diebstahlgefahr?

Glaubitz: Der Schutz gegen Diebstahl ist in der Tat ein nennenswerter Bestandteil einer Vollkaskoprämie. Dieser kommt zwar nur selten vor, ist dann aber besonders teuer. Deshalb können bereits wenige Diebstahlfälle im Spitzensegment einen Versicherer schon empfindlich treffen.

mm: Mit welchen Sonderauflagen muss ein Kunde rechnen, wenn er eine Deckung für sein Exotenfahrzeug wünscht?

Glaubitz: Ich würde hier nicht von Auflagen sprechen. Der Kunde sagt uns, wie gut seine Sicherungseinrichtungen sind, dann sagen wir ihm, wie gut unsere Prämie ist. Je besser das Auto durch eine Garage, Wegfahrsperre oder Alarmanlage gesichert ist, desto positiver wirkt sich das auf die Prämie aus. Der Kunde sollte aber davon ausgehen, dass jeder Versicherer bei einem Fahrzeugwert ab 250.000 Euro eine gesicherte Garage einfordert oder es andernfalls nicht versichert.

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Spektakuläre Auktionen: Die teuersten Oldtimer 2012

Foto: Ron Kimball / Kimball Stock / RM Auctions

von Gumppenberg: Bei Oldtimern gibt es insofern eine Besonderheit, als die meisten nicht über eine vernünftige Wegfahrsperre verfügen. Deshalb gibt es in unseren Policen eine sogenannte Nachtzeitklausel: Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens darf der Eigentümer seinen Oldtimer nicht unter der Laterne oder im Freien parken.

mm: Standardmäßiges Wertgutachten, besondere Sicherungsgebote - Sie haben bereits einige Besonderheiten für das Versichern von Oldtimern genannt. Welchen zentralen Unterschied sehen Sie noch?

von Gumppenberg: Es vor allem die Art der Nutzung, die den Unterschied ausmacht und die Versicherungsprämie entscheidend mitbestimmt. Wer sich einen Veyron oder Ferrari kauft, will dessen Geschwindigkeit irgendwann auf Deutschlands Autobahnen auch mal testen. Das haben Sie bei Oldtimern klassischerweise nicht. Es sei denn, wir reden hier über richtige Oldtimerrennen - dafür gibt's bei uns übrigens keinen Versicherungsschutz. Oldtimer-Fans nutzen ihre Fahrzeuge auch in einem viel geringeren Maße. Eine Jahresfahrleistung über 3000 Kilometer ist der Ausnahmefall. Sie dürfen nicht vergessen, diese Fahrzeuge sind sehr verschleißanfällig, Ersatzteile oftmals schwer zu beschaffen. Also stehen sie ganz überwiegend in der Garage, sind Sammlerstücke und Wertanlage zugleich.

mm: Wann haben Sie das letzte Mal einen kostspieligen Oldtimer versichert?

von Gumppenberg: Das ist gar nicht so lange her. Es handelte sich um einen Mercedes 300 SL Flügeltürer aus Mitte der 50er Jahre, der Bestandteil einer Sammlung war. Wert laut Gutachten: 1,1 Millionen Euro.

mm: Zu welchem Preis haben Sie das Fahrzeug versichert.

von Gumppenberg: Sie können davon ausgehen, dass Sie für so ein Ausnahmefahrzeug selten eine Deckung unter 10.000 Euro Jahresprämie bekommen.

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