Mittwoch, 13. November 2019

Lebensversicherung Jetzt mehr - und künftig weniger

Ablaufleistungen: Das zahlen die besten Lebensversicherer
Corbis

Die gut zwölf Jahre währende Talfahrt in der Lebensversicherung ist gestoppt. Die Ablaufleistungen zum Jahresende werden leicht steigen. Experten führen das vor allem auf einen besonderen Effekt zurück - doch in Zukunft geht es wohl wieder abwärts.

Hamburg - Es wirkt schon verwirrend. Da drücken Notenbanken die Sparer immer tiefer in die finanzielle Repression, Tages- und Festgeldkonten rentieren kaum noch. Lebensversicherer fahren ihre Überschüsse seit Jahren zurück, und der Garantiezins könnte künftig unter 1,75 Prozent sinken.

Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, dass sie für ihr Geld kaum noch Zinsen erzielen, und auf diese Weise quasi schleichend enteignet werden. Mitten in diese Lethargie fällt die Nachricht, dass die Lebensversicherer auslaufenden Verträgen Ende 2013 mehr überweisen werden.

Wie das? Mussten die Lebensversicherer doch allein im vergangenen Jahr vier Milliarden Euro zinsbedingte Mindereinnahmen hinnehmen, kritisierte die Branche scharf auch die jüngste Zinssenkung der EZB als wirkungslos und schädlich für die Kunden.

Tatsächlich aber können sich Kunden, deren Police zum Jahresende ausläuft, erstmals seit Jahren wieder über steigende Ablaufleistungen freuen, rechnet der Branchendienst Map-Report vor. Ein Mann, der zwölf Jahre lang monatlich 100 Euro in seinen Vertrag einzahlte, wird mit 17.900 Euro im Schnitt rund 200 Euro mehr einstreichen als im Vorjahr. Bei 20 Jahren Laufzeit steigt die Ablaufleistung um 100 auf 38.400 Euro. Eine 30 Jahre laufende Police bringt es auf 84.500 und damit gut 600 Euro mehr.

Ablaufrenditen entrinnen dem Tal der Tränen

Damit steigen auch die Ablaufrenditen nach zwölf Jahren Talfahrt wieder an. Zwar nur um 0,02 und 0,04 Prozentpunkte bei den lang laufenden Verträgen, beim Zwölf-Jahres-Vertrag aber immerhin um 0,17 Prozentpunkte. "Völlig absurd", nennt Map-Report-Chef Manfred den Befund steigender Abläufe angesichts des schwierigen Kapitalmarkt- und Regulierungsumfelds.

Denn der zentrale Grund höherer Ablaufleistungen sei primär auf die verpflichtende Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven von festverzinslichen Wertpapieren zurückzuführen. Sie entstehen, weil die Marktzinsen sinken und die Werte für ältere Papiere in den Büchern der Versicherer umgekehrt steigen. Die Branche spricht deshalb von "Scheingewinnen". Die Anbieter müssen ausscheidende Kunden zur Hälfte an diesen Buchgewinnen beteiligen.

Die Lebensversicherer wehren sich vehement gegen diese Regel, haben Kürzungspläne politisch aber nicht durchsetzen können. Letztere hätten in diesem Jahr bei regulär auslaufenden Kontrakten bis zu 8000 Euro weniger Ablaufleistung bedeutet, rechneten Verbraucherschützer vor.

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