Mittwoch, 23. Oktober 2019

Lebensversicherer Allianz und Ergo krempeln Garantiewelt um

Weniger Garantie, mehr Risiko: Im Kern werden sich neue Produkte der Lebensversicherer in diese Richtung entwickeln

3. Teil: Neue Garantien erfordern neue Gesetze, Abschlusskosten könnten sinken

Ob die neuen Garantieprodukte von Erfolg gekrönt sein werden, bleibt abzuwarten. Sie entlasten zweifelsohne die Bilanz der Anbieter, weil sie dafür weniger Sicherungsmittel bereitstellen müssen. Vom Kunden wiederum fordern sie mehr Risikobereitschaft ein, wie Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber unlängst äußerte. Dafür spricht derzeit wenig.

Viele Kunden würden eine weitreichende Aufweichung der Zinsgarantien wohl nicht mitmachen, glaubt Hermann Weinmann. Verzichtete die Branche auf die klassische Garantie, beraubte sie sich ihres wichtigsten Wettbewerbsvorteils im Vergleich zu anderen Kapitalanlageprodukten, warnt der Professor für Versicherungsbetriebslehre an der Hochschule Ludwigshafen.

Weinmann und Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und Chef vom Bund der Versicherten (BdV), halten die jetzt diskutierten Modelle mit zeitlich begrenzten Garantien oder abweichenden Garantienzinsätzen in der Anspar- und Auszahlungsphase auch aus Transparenzgründen für problematisch. Garantienleistungen und Verträge seien damit nicht mehr vergleichbar, warnen sie.

Zudem ist Weinmann davon überzeugt, dass die neuen Modelle auch einer neuen gesetzlichen Grundlage bedürfen. Passt ein Lebensversicherer zum Beispiel nach zehn Jahren den Rechnungszins dem dann aktuellen Zinsumfeld an, veränderten sich damit elementare Vertragsgrundlagen. "Insbesondere für den Fall, dass eine Absenkung des Garantiezinses erfolgt, wird man dem Kunden einen Anbieterwechsel einräumen müssen", schlussfolgert Weinmann.

Abschnitts- und getrennte Garantien erfordern neue Gesetze

In diesem Fall dürften die Abschlusskosten zu Vertragsbeginn auch nicht für die gesamte mögliche Vertragsdauer erhoben werden. Vielmehr dürften sie dann nur anteilig für den ersten Garantieabschnitt anfallen, da bei einem Anbieterwechsel ja neue Abschlusskosten anfallen würden. "Die Abschlusskosten zu Vertragsbeginn wären damit deutlich reduziert", nennt der Experte eine mögliche Konsequenz der neuen Garantiewelt.

Das gleiche Problem stelle sich, wenn der Garantiezins in der Auszahlungsphase von dem der Ansparphase abweichen sollte. Auch hier müsste der Gesetzgeber einen reibungslosen Anbieterwechsel ermöglichen. Denn normalerweise ist die Portabilität der Basisrente ("Rürup-Rente") nicht vorgesehen. Bei den nicht direkt geförderten Rentenverträgen der dritten Schicht funktioniert ein Anbieterwechsel zu Beginn des Rentenbezugs bislang nur in der Form, dass eine versteuerte Kapitalleistung in einen Rentenvertrag bei einem anderen Anbieter eingebracht wird, hebt Weinmann hervor.

Einige der jetzt nahenden Garantiemodelle ziehen also eine Reihe von Fragen nach sich, die der Gesetzgeber beantworten sollte. Bei wechselnden Garantiezusagen erscheint ein erweitertes Recht des Kunden, dann auch problemlos seinen Anbieter zu wechseln, plausibel. Ebenso einsichtig ist, dass in diesem Fall die Regeln für Abschluss- und Stornokosten neu geregelt werden sollten.

Insofern bieten neue Garantieprodukte womöglich auch die Chance, den fortwährenden Streit über Abschlusskosten zu Vertragsbeginn und Stornokosten bei Vertragsabbruch in neue Bahnen zu lenken. Für Versicherer wiederum, die diese neuen Produkte anbieten, könnte ein gesondertes Kündigungsrecht des Kunden im Zuge neuer Vertragsgarantien sich aber auch als zweischneidiges Schwert erweisen, wie Weinmann zu Recht anmerkt.

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