Mittwoch, 23. Oktober 2019

Lebensversicherer Allianz und Ergo krempeln Garantiewelt um

Weniger Garantie, mehr Risiko: Im Kern werden sich neue Produkte der Lebensversicherer in diese Richtung entwickeln

2. Teil: Allianz verzichtet auf Garantiezins, Ergo will volle Prämie garantieren

Mit genauen Informationen halten sich die beiden Anbieter noch zurück. Sicher scheint aber folgendes: Das neue Modell der Allianz verzichtet auf einen definierten Garantiezins (aktuell 1,75 Prozent) in der Ansparphase. Sie garantiert dem Kunden zu Vertragsbeginn aber eine Mindestrente, die die Allianz aus den um die Kosten verminderten Beiträgen berechnet, wie Sprecher Udo Rössler erläutert. Diese Rente werde dann mit Ablauf des Vertrags auf Basis des aktuellen Zinsniveaus neu berechnet.

"Das Modell bietet dem Kunden zu Rentenbeginn mehr Chancen auf eine höhere Rendite", sagt der Sprecher. Denn die Allianz könne jenen Teil der Sicherheitsmittel, mit denen sie sonst die lebenslange Garantiezusage unterlegen muss, flexibler am Kapitalmarkt anlegen. "Wir haben damit mehr Möglichkeiten renditeträchtiger zu investieren."

Die klassische Lebensversicherung mit einer festen, lebenslangen Zinszusage werde die Allianz nicht aufgeben, versichert Rössler. "Die wird es weiterhin geben. Wir wollen Kunden aber ein zusätzliches Angebot unterbreiten, die mit ihrer Lebensversicherung höhere Renditeziele verfolgen." Nähere Details, etwa wie die Allianz die Garantien in der Anspar- und Rentenphase genau abbilden will, nennt der Sprecher "aus Wettbewerbsgründen" nicht.

Dem Vernehmen nach soll ein herkömmlicher Deckungsstock einen Teil der Garantien absichern. In diesen bringen die Versicherer nach strengen Regeln bestimmte Vermögenswerte ein. Bei neuartigen Rentenprodukten - etwa veränderlichen Renten ("Variable Annuities") - können Hedging-Geschäfte die Garantien bis zu 100 Prozent über derivate Finanzinstrumente absichern. Ihr Einsatz hatte die letzte Finanzkrise beschleunigt. Sollten die neuen Garantieprodukte den Charakter von "Variable Annuities" haben, dürften hiesige Versicherer sie nur über ausländische Töchter in Deutschland anbieten.

Ergo verspricht Bruttobeitragsgarantie in der Ansparphase

Die Ergo will ihr neues Produkt Anfang Juni vorstellen und zum 1. Juli in den Verkauf geben, erklärt eine Sprecherin. Nach ihren Aussagen wird es sich um eine Rentenversicherung auf Fondsbasis handeln, die ebenfalls mit Garantien ausgestattet ist. Der Kunde soll zwischen verschiedenen Varianten wählen können, eine Riester-Version soll es vorerst nicht geben.

Im Gegensatz zu der Allianz wolle Ergo dem Kunden in der Ansparphase "sämtliche Beiträge, die er einzahlt" zum Auszahlungstermin garantieren - also nicht nur die um Kosten für Verwaltung und Risikoabsicherung verminderte Prämie, wie die Sprecherin erläutert. Für die Anlagemanager der Ergo bedeutet dies: "Um das auszugleichen, müssen wir auch eine ordentliche Rendite erzielen."

Wie sich aus dem angesammelten Kapital die garantierte Rente berechnen wird oder mit welchen Instrumenten die Anlagemanager die Garantien absichern werden, sagt die Sprecherin nicht. Nach früheren Aussagen von Vorstandschef Torsten Oletzky wolle Ergo die Garantien am Kapitalmarkt aber auch über den Mutterkonzern Münchener Rück absichern. Munic-Re-Chef Nikolaus von Bomhard kündigte in diesem Kontext vor einer Woche einen "Paradigmenwechsel" in der Lebensversicherung an, ohne Details zu nennen. Die klassische Lebensversicherung mit lebenslanger, fester Garantie will Ergo aber auch weiter anbieten, versichert die Sprecherin.

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