MLP-Vorstand Bauer "Eigene Leistung muss sich lohnen"

Der Staat entlastet die Bürger 2013 bei Steuern und Sozialabgaben. Viel ist es unter dem Strich nicht, rechnet Manfred Bauer vor. Der MLP-Vorstand sagt, wie sich mehr rausholen lässt und warum er die Steuerpläne der SPD für falsch hält.
Mehr Netto vom Brutto: Unter dem Strich bleibt gut verdienenden Arbeitnehmern 2013 allenfalls 18 Euro mehr im Portemonnaie. Der Betrag lässt sich aber durchaus vervielfachen

Mehr Netto vom Brutto: Unter dem Strich bleibt gut verdienenden Arbeitnehmern 2013 allenfalls 18 Euro mehr im Portemonnaie. Der Betrag lässt sich aber durchaus vervielfachen

Foto: ddp

mm: Herr Bauer, Regierung und Opposition haben im abgelaufenen Jahr viel um Erleichterungen bei Steuern und Sozialabgaben gerungen. Mal auf den Punkt gebracht: Ist das, was die Arbeitnehmer 2013 erwartet der große Wurf?

Bauer: Vom großen Wurf zu sprechen, wäre reichlich übertrieben. Zum einen volkswirtschaftlich, denn eine große Steuerreform mit deutlichen Vereinfachungen bleibt die Koalition nach wie vor schuldig. Zum anderen wird um zahlreiche Regelungen gerade noch im Vermittlungsausschuss gerungen und die Vorteile für den Einzelnen sind überschaubar. Umso wichtiger ist es deshalb, die Erleichterungen sinnvoll zu nutzen.

mm: Ein höherer Grundfreibetrag und ein niedrigerer Beitragssatz zur Rentenversicherung versprechen Entlastung. Belastend wirkt die höhere Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung. Auch der Beitragssatz in der Pflegeversicherung steigt. Mit welcher Entlastung kann ein Arbeitnehmer letztlich rechnen?

Bauer: Das ist natürlich in jedem Einzelfall anders. Aber machen wir es an einem Beispiel fest: Ein Arbeitnehmer mit 5000 Euro Bruttolohn zahlt ab Januar 13,05 Euro weniger Steuern. Zudem sinken die Sozialabgaben durch den geringeren Beitragssatz zur Rentenversicherung um 4,93 Euro. Insgesamt ergibt sich eine monatliche Ersparnis von 17,98 Euro.

mm: Das ist nicht viel. Lässt sich da nicht irgendwie mehr rausholen?

Bauer: Ein interessanter Hebel liegt in der betrieblichen Altersvorsorge. Denn hier sind die Einzahlungen steuer- und zum Teil sozialversicherungsfrei. Bleiben wir bei unserem Beispiel: Der Arbeitnehmer hätte wie beschrieben eine höhere monatliche Liquidität von 17,98 Euro. Investiert er das Geld in eine Betriebsrente, steigt der Anlagebetrag auf 40,50 Euro - also mehr als das Doppelte. Noch interessanter wird es, wenn der Arbeitgeber die Altersvorsorge unterstützt - so wie es bei unseren Firmenkunden in vielen Fällen zutrifft. Selbst wenn der Arbeitgeber nur den Betrag oben drauf legt, den er durch die höhere Vorsorge seines Mitarbeiters an Sozialabgaben einspart, steigt der Anlagebetrag auf 44,93 Euro. Bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einer realistischen Renditeerwartung ergibt sich eine lebenslange monatliche Gesamtrente von rund 87 Euro.

mm: Bleiben wir bei der Altersvorsorge, die Regierung will sie steuerlich stärker fördern. Künftig sollen 20 Prozent mehr Beiträge zur gesetzlichen Rente, Versorgungswerken und Rürup-Rente steuerlich absetzbar sein. Profitieren davon nicht vor allem Besserverdiener?

"Anpassung der Riester-Förderung dringend geboten"

Bauer: Nein, die Rürup-Rente ist nicht nur etwas für Besserverdiener, sondern kann auch für andere Bevölkerungsgruppen interessant sein - vor allem in Verbindung mit einem Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Der Förderrahmen ist mit heute 20.000 Euro für Ledige und 40.000 Euro für Paare nur auf den ersten Blick großzügig. Denn die Rürup-Rente ist für Selbstständige bislang die einzige Möglichkeit, staatlich gefördert vorzusorgen. Da gerade bei dieser Gruppe oft ein hoher Vorsorgebedarf besteht und ihnen keine weiteren geförderten Produkte wie eine Riester-Rente oder eine betriebliche Altersvorsorge offen stehen, kann ich das Vorhaben der Regierung gut nachvollziehen. Hinzu kommt: Mit diesem Schritt soll auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit besser gefördert werden. Das ist dringend notwendig. Denn bislang verfügt erst jeder dritte Deutsche über einen solchen Schutz - obwohl es sich um eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt handelt.

mm: Wie soll die Förderung genau aussehen?

Bauer: Die politischen Diskussionen laufen noch. Aber im Kern geht es darum, erstmals Beiträge für eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar zu machen. Allerdings müssen geförderte Verträge bestimmte Voraussetzungen erfüllen und unter anderem eine lebenslange Rente im Leistungsfall bieten. Solche Produkte gibt es bisher noch nicht auf dem Markt - und sie stellen den Versicherer vor große Herausforderungen bei der Kalkulation eines tragbaren Preis-Leistungsverhältnisses.

mm: Wäre es nicht angezeigt, statt die Rürup- die viel weiter verbreitete Riester-Rente steuerlich stärker zu fördern? Das könnte ihren Ruf nur aufbessern, die Politik aber belässt es im Kern bei Transparenz-Kosmetik.

Bauer: Zunächst: Die Riester-Rente ist deutlich besser als ihr derzeitiger Ruf und bleibt ein wichtiges Produkt in jedem durchdachten Vorsorgekonzept. Aber leider sind in Teilen des Marktes Fehler gemacht worden, die nicht tolerierbar sind - zum Beispiel durch Umdeckungen, die den Versicherten keinerlei Vorteile gebracht haben. Es ist die gemeinsame Aufgabe und Verantwortung von Politik, Produktanbietern und Beratern, das Vertrauen in die Riester-Rente wieder herzustellen.

mm: Einheitliche Info-Blätter und Kostenobergrenze beim Anbieterwechsel sind ja schön und gut. Letztlich aber geht es um Zählbares. Wie stehen Sie also zu einer stärkeren Förderung der Riester-Rente?

Bauer: Unabhängig davon sollte eine Anhebung der Höchstgrenzen auf die Tagesordnung. Die Förderung wurde vor mehr als zehn Jahren festgelegt; die letzte Erhöhungsstufe trat 2008 in Kraft. Der förderfähige Maximalbeitrag beträgt seitdem 2100 Euro pro Jahr, was damals 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze entsprach. Berücksichtigt man die Gehalts- und Preisentwicklung, sind dies heute nur noch 3 Prozent. Da die Riester-Rente einen Teil der vormals staatlichen Versorgung ersetzt, ist eine fortlaufende Anpassung an die Inflation dringend geboten.

"Vorsorge und Kapitalanlage dürfen nicht bestraft werden"

mm: 2013 ist Bundestagswahl und eine rot-grüne Regierung möglich. 49 Prozent Spitzensteuersatz, 32 Prozent Abgeltungssteuer, Vermögenssteuer, Börsenumsatzsteuer stehen auf der Agenda. Welche Folgen hätte das für die Kapitalanlage und die Vermögensbildung in Deutschland?

Bauer: Vieles, das wir derzeit im Vorwahlkampfgetöse hören, beunruhigt mich. Verstehen Sie mich nicht falsch: Starke Schultern sollen und müssen ihren Teil zum Gemeinwohl beitragen. Aber eigene Leistung muss sich lohnen und Vorsorge und Kapitalanlage dürfen nicht bestraft werden. Das wäre das vollkommen falsche Signal. Aber ich bin mir sicher: Derzeit wird vieles heißer gekocht, als es später serviert wird. Die Politik ist sich durchaus unserer gemeinsamen Verantwortung für eine stärkere private und betriebliche Vorsorge bewusst.

mm: Ein zentrales Problem bleibt auch 2013: Niedrigzinsen bedrohen das Modell der Lebensversicherung. Die Deutschen schätzen an ihr die Sicherheit des lebenslangen Garantiezins. Viele Anbieter dagegen stellen ihn in Frage, manche verzichten im Neugeschäft ganz darauf. Welche Überlebenschance geben Sie der echten, lebenslangen Garantie noch?

Bauer: Eine sehr gute! In den öffentlichen Diskussionen um die Überschussbeteiligung kommt doch ein Aspekt immer viel zu kurz: Die klassische Rentenversicherung bietet eine sehr werthaltige Garantie und vor allem eine lebenslange Zahlung - egal wie alt der Kunde wird. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Lebenserwartung ist sie auch künftig ein wichtiger Bestandteil in jedem Vorsorgeportfolio. Richtig ist aber auch, dass alternative Garantien in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden.

mm: Die Niedrigzinsen könnten noch lange anhalten. Sichere Anlagen - auch die Lebensversicherung - werfen immer weniger Rendite ab. Die Vorsorgelücke wächst. Müssten die Deutschen nicht ihre Risikoaversion ablegen, damit das Geld im Rentenalter reicht?

Bauer: Grundsätzlich haben Sie Recht: Wenn man sich die bisherige Vorsorgebereitschaft ansieht, ist rein rechnerisch selbstverständlich Rendite nötig, um die zum Teil enormen Lücken zu schließen. Aber: Ausgangspunkt für ein solides Finanzkonzept muss immer die Risikoneigung sein. Es hilft nichts, wenn man gute Renditeaussichten hat, aber bei zwischenzeitlichen Rückgängen durch Marktentwicklungen nicht mehr ruhig schlafen kann. Deshalb muss die Risikoneigung des Kunden im Mittelpunkt stehen - was leider in Teilen des Marktes noch immer nicht der Fall ist. Um die Lücke zu schließen, ist eines viel wichtiger: früh mit dem Sparen zu beginnen - um so vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

Steuern, Gebühren, Beiträge: Was sich 2013 ändert

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